Dialog Society
"Wie gründe ich einen Kult?": Leak enthüllt Mitglieder von Peter Thiels Geheimnetzwerk
In der 2006 gegründeten "Dialog Society" treffen Nato-Generäle, internationale Politiker und die Tech-Elite aufeinander
Peter Thiel versammelt Menschen von Jared Kushner bis Kaja Kallas.
Das Netzwerk "Dialog Society" besteht bereits seit zwanzig Jahren. Seit seiner Gründung vermochte es Gründer Peter Thiel jedoch, seinen Gästen Anonymität zu gewährleisten. Nun zeigt ein Leak auf, wie sich die Spitzen der US-Politik, der Tech-Industrie und internationaler Regierungen jährlich treffen und vernetzen – alles off the record, versteht sich.
Interessenkonflikte
Die Informationen versteckten sich im Quellcode der Website von Dialog. Zuerst entdeckt wurde das Verzeichnis von Maia Arson Crimew , einer renommierten Schweizer Aktivistin und Hackerin. Auch eine weitere Quelle stellte Wired die dort enthaltene Anmeldeliste für das Dialog-Retreat zur Verfügung. Die 222 Namen wurden mit Kategorien wie "Mitgliedsstatus" versehen.
Dass sich reiche und/oder einflussreiche Menschen zum Netzwerken treffen, ist erst mal nichts Neues. Die Teilnehmerliste des diesjährigen "Dialog Retreats", das vom 12. bis zum 16. August in der Nähe von Dublin stattfinden soll, ist jedoch beachtlich. Dort finden sich laut Wired internationale Größen wie General Alexus Grynkewich, der Oberbefehlshaber der Nato in Europa und Leiter des US-Europakommandos. Laut den Aufzeichnungen nimmt er seit 2021 an den Treffen teil.
Dann sind da der US-Finanzminister Scott Bessent, sowie Senator Ted Cruz, der dem Ausschuss für Handel, Wissenschaft und Verkehr vorsitzt, welcher auch die Federal Trade Commission beaufsichtigt. In der Society treffen sie auf die Geschäftsführer jener Unternehmen, die sie regulieren sollen. So gründete etwa Auren Hoffman, der Vorstandsvorsitzende von Dialog, sowohl SafeGraph als auch LiveRamp – zwei der wichtigsten Unternehmen im Geschäft mit (Standort-)Daten.
Ebenso treffen Joe Lonsdale, der Mitgründer von Palantir, das Daten für das Pentagon und die Einwanderungsbehörde ICE analysiert, und der Armeeminister Dan Driscoll aufeinander. Auch Jim Himes, der ranghöchste Vertreter im Geheimdienstausschuss des Repräsentantenhauses, welcher jene Behörden beaufsichtigt, wird in Irland anwesend sein.
Von Kushner bis Kallas
Die Liste wird nicht weniger einflussreich: Da finden sich Hallie Hoffman, die amtierende Stabschefin der Drug Enforcement Administration, Jonathan Greenblatt, der Geschäftsführer der Anti-Defamation League, oder Peter Goettler, der Präsident des Cato Institute. Auch eine Reihe an Google-Führungskräften ist zu finden, darunter Tom Lue, der den Bereich Global Affairs der KI-Abteilung leitet. Er trifft dort auf Kollegen wie Greg Brockman, den Präsidenten von OpenAI oder Sarah Bond, die Präsidentin von Xbox bei Microsoft.
Einige Namen wie Jared Kushner, der Schwiegersohn von Donald Trump, oder Elon Musk, sind bekanntermaßen in Thiels Kreisen zu finden. Die Liste verzeichnet aber auch US-Demokraten wie Wes Moore, den Gouverneur von Maryland, dem manch einer präsidiales Talent zurechnet, oder Julian Castro, der als Hoffnungsträger der Partei gilt und 2016 als Running Mate für Hillary Clinton im Gespräch war. Auch Journalisten wie Ezra Klein und Brett Stephens von der New York Times oder Souad Mekhennet von der Washington Post gesellen sich in die Runde.
Einige europäische Vertreter schafften es ebenfalls in die Dialog Society. Und die sind ranghoch: Da wäre etwa Kaja Kallas, die ehemalige Premierministerin von Estland und jetzige Vizepräsidentin der Europäischen Kommission. Oder Jens Spahn, der CDU/CSU-Fraktionsvorsitzende im Deutschen Bundestag. Weniger politischen und mehr kulturellen Einfluss haben dahingegen Gäste wie der Schauspieler Joseph Gordon-Levitt oder der Wissenschafter und Autor Steven Pinker.
"Den Dritten Weltkrieg meistern"
Auch, womit dieses hochkarätige Publikum sich in diesem Jahr beschäftigen möchte, verrät die Datenbank, die der von den Teilnehmern gebotenen Geheimhaltung nicht gerecht wird. Laut Wired sind Off-the-Record-Termine zu Themen wie "Atomkraft wieder einführen", "Den Dritten Weltkrieg meistern" oder „Technologien auf dem Schlachtfeld" geplant. Aber auch banaleren Feldern, beispielsweise "Wie läuft es in Ihrem Sexualleben?", möchte man sich widmen.
Scheinbar sollen auch Initiativen aus dem diesjährigen Event hervorgehen, die bleiben. Jedenfalls veranstaltet der Gründer der christlichen Networking-Website Pray.com den Vortrag "Build-a-Cult" und ein ehemaliger Berater für nationale Sicherheit im Weißen Haus das Pendant "Build-a-Party".
Zwischenmenschliches
Wie aus den Anmeldungen hervorgeht, sind von den 222 Personen, die sich für die Dialog-Veranstaltung angemeldet haben, 87 dieses Jahr zum ersten Mal dabei. Andere reisen dahingegen bereits seit zehn Jahren an, eine Handvoll ist laut Wired seit der Gründung 2006 an Bord. Gemeinsam haben sie alle, dass sie sic…
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