Russland betreibt einen „unerklärten Krieg gegen den Westen” und Polen ist einer der wichtigsten Schauplätze. So beschreibt es ein aktueller Bericht des polnischen Spionageabwehrdienstes .
Da Polen an der Ostflanke von EU und NATO liegt und als logistischer Knotenpunkt für die Unterstützung der Ukraine dient, ist es eines der Hauptziele russischer Geheimdienste. Die Beschreibungen der polnischen Behörden sind hochrelevant für Deutschland, das ebenfalls ein wichtiger militärischer Dreh- und Angelpunkt ist.
Längst ist Russlands hybrider Krieg auch hierzulande angekommen, die Operationen verlaufen zunehmend grenzüberschreitend. Die Erfahrungen aus Polen ermöglichen einen Ausblick auf mögliche zukünftige Herausforderungen .
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Polen als Testgebiet in der EU
Die polnische „Behörde für Innere Sicherheit” (ABW) legt dar, wie sich Ausmaß und Charakter russischer Geheimdienst-Operationen seit Russlands Vollinvasion in die Ukraine im Februar 2022 verändert haben. Russland versuche demnach, Methoden der hybriden Kriegsführung auf Polen zu übertragen, die seine Geheimdienste zuvor in der Ukraine erprobt haben.
Es ist der erste Bericht des polnischen Spionageabwehrdienstes seit mehr als zehn Jahren. Der Fokus liegt auf den Jahren 2024 und 2025. Ausführlich beschreibt die Behörde Fälle, bei denen es bereits zur Anklageerhebung vor Gericht kam. Zu noch laufenden Ermittlungen finden sich keine Informationen.
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Beispielloses Ausmaß
Die Daten im Bericht lassen darauf schließen, dass die Aktivität der russischen Geheimdienste nach der Vollinvasion in der Ukraine ein Ausmaß erreicht haben, wie es seit Beginn der 1990er-Jahre nicht mehr zu beobachten war.
In den Jahren 2024 und 2025 seien 69 Ermittlungen wegen Zusammenarbeit mit ausländischen Geheimdiensten eingeleitet worden. Dieselbe Zahl sei zuvor im Laufe von mehr als 30 Jahren, von 1991 bis 2023, verzeichnet worden. Noch im Jahr 2022 habe es nur sechs solcher Verfahren gegeben.
In Ermittlungen nach 2022 wurden demnach 91 Personen als Verdächtige eingestuft. 82 wurden wegen Spionage angeklagt, von denen 62 inhaftiert wurden.
Die Autoren des Berichts weisen darauf hin, dass es 2024 und 2025 zu einer Intensivierung der Aktivitäten kam. Im gleichen Zeitraum verletzten zunehmend mehr russische Drohnen den polnischen Luftraum.
Von Wegwerf-Agenten zu vernetzten Strukturen
Die wichtigste Schlussfolgerung des Berichts betrifft jedoch nicht die Anzahl der Operationen an sich, sondern wie die angewandten Maßnahmen verändert wurden. Demnach greifen die russischen Dienste zunehmend auf Methoden zurück, die für Spezialeinheiten charakteristisch sind: Erkundung der Infrastruktur, Vorbereitung von Sabotageakten und Ablenkungsoperationen, die sowohl in Polen als auch gegen andere europäische Länder durchgeführt werden.
Unmittelbar nach Kriegsbeginn stützte sich Russland weitgehend auf sogenannte „Wegwerf-Agenten”: Zufällig ausgewählte Personen, die in erster Linie durch finanziellen Gewinn motiviert waren, wurden für einfache Aufgaben rekrutiert. Dazu zählte, Einrichtungen zu fotografieren, Transporten zu beobachten oder Pakete zu hinterlassen. Die Rekrutierung erfolgte über Messenger-Dienste und verschlüsselte Apps, vor allem Telegram. Die Bezahlung erging in der Regel in Kryptowährung. Das machte es schwierig, die Organisatoren zu identifizieren und die Finanzströme nachzuverfolgen.
Vor solchen „Wegwerf-Agenten” warnen auch deutsche Behörden seit geraumer Zeit. Ein Beispiel sind die grenzüberschreitenden Sabotage-Aktionen mit Paketen, die über DHL unter anderem aus Polen verschickt wurden. Ermittler gehen davon aus, dass der russische Militärgeheimdienst GRU dahinter steht.
Auf das Modell der „Wegwerf-Agenten“ setzten die russischen Dienste laut dem Bericht, nachdem 45 russische Diplomaten aus Polen ausgewiesen worden waren, die die Behörden als verdeckte Geheimdienstmitarbeiter eingestuft hatten. Hinzu kam die Einführung von Einreisebeschränkungen für russische Staatsbürger. Das behinderte traditionelle Geheimdienstoperationen demnach erheblich.
Ausgefeiltere Strukturen und professionelle Akteure
Jedoch wurde das Modell in den Jahren 2024 und 2025 dem B…
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