Kim Son Hoang
Der furchtbare Deal des Dealmakers Trump
Der US-Präsident hat Teheran in der Absichtserklärung nahezu alles gegeben, was es wollte
Kommentar
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Kim Son Hoang
Ein Screenshot eines Videos, wie Donald Trump beim Treffen in Versailles mit Emmanuel Macron die unterzeichnete Absichtserklärung hoch hält.
Wäre es nicht tieftraurig und hätte desaströse Auswirkungen, müsste man lautstark darüber lachen. "Wenn sie sich nicht benehmen, werden wir wieder damit beginnen, Bomben mitten auf ihre Köpfe zu werfen", sagte US-Donald Trump beim G7-Gipfel in Evian. Dort übrigens, wo er seinen Kolleginnen und Kollegen halb im Scherz auch zurief: "Ich bin der Boss!"
Trumps Worte galten der iranischen Führung, die sich gefälligst an die Absichtserklärung halten soll, die nun unterzeichnet wurde. Der erste potenzielle Lacher gilt der Drohung selbst, schließlich ist im ersten der 14 vereinbarten Punkte festgehalten, dass man sich gegenseitig nicht mehr bedrohen werde. Doch das ist noch das geringste Problem des US-Präsidenten.
Teheran saß bei den Verhandlungen am weit längeren Ast, das war schon länger klar. Mit der Kontrolle über die Straße von Hormus hatte es das Schicksal der Weltwirtschaft in seiner Hand. Zudem stieg der Druck auf Trump jeden Tag, aus diesem sinnlosen Krieg auszusteigen – wirtschaftlich wie innenpolitisch. Doch dass der selbsternannte "Dealmaker" seine Unterschrift unter diese Absichtserklärung gesetzt hat, überrascht trotzdem.
Vermeintliche Fake News
In den vergangenen Tagen sprach Trump immer wieder von Fake News, als über für die USA äußerst nachteilige Details der Absichtserklärung berichtet wurde. Nun aber ist die Vereinbarung im Wortlaut bekannt, und es hat sich bewahrheitet: Der Iran bekommt nahezu alles, was er wollte – und hat folglich auch keinen Grund, sich nicht daran zu halten.
Bei der Straße von Hormus etwa versprach Trump eine dauerhaft mautfreie Durchfahrt. Doch laut Erklärung gilt das gerade einmal für 60 Tage, danach kann Teheran Gebühren einführen.
Beim brisantesten Punkt, dem iranischen Atomprogramm, hatte Trump großmäulig immer wieder angekündigt, dass die mehr als 400 Kilogramm an hoch angereichertem Uran aus dem Iran in die USA oder zumindest ins Ausland gebracht werden, um es dort zu verdünnen. Nun ist in der Vereinbarung aber explizit festgehalten, dass dies auch im Iran passieren könne, wenn auch unter Aufsicht der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA).
Keine Kontrollmechanismen
Ein besonders kräftiger Schlag des America-First-Präsidenten ins Gesicht der zahlreichen US-Amerikaner (und vieler anderer), die diesen Krieg nicht wollten, ist die Verpflichtung der Vereinigten Staaten, mit ihren Partnern in Nahost 300 Milliarden Dollar für den Wiederaufbau des Iran aufzustellen. Trump betont, dass kein US-Geld fließen wird.
Ob das stimmt, ist die eine Frage. Ob allein die Partner diese riesige Summe bereitstellen, die andere. Und überhaupt: Wer garantiert, dass das Mullah-Regime dieses Geld nicht darauf verwendet, um sein Raketenarsenal wieder aufzufüllen, oder seine geschwächten Vasallen in der Region aufzupäppeln? Denn wirkliche Kontrollmechanismen wurden keine vereinbart.
Trotz allem will sich Trump den Deal nicht schlechtreden lassen, auch wenn sogar in seiner eigenen Partei vom "größten außenpolitischen Fehler seit Jahrzehnten" gesprochen wird. Der US-Präsident betonte, dass noch vieles ausverhandelt werden müsse, allen voran die Atomfrage. Dass er dabei besser aussteigen wird, ist aber eher Wunschdenken. Bei den Gesprächen mit dem Iran wird er angesichts der Ausgangslage sicher nicht der Boss sein. (Kim Son Hoang, 18.6.2026)
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