250 Jahre Albertina
Anlässlich des 250-jährigen Jubiläums blickt die Albertina mit „Sammeln für die Zukunft“ auf die eigene Geschichte zurück – und rückt dabei auch eine lange unterschätzte Gründerfigur ins Licht: Erzherzogin Marie Christine, deren Rolle institutionsgeschichtlich bisher kaum gewürdigt wurde. Warum Albrecht Dürers berühmter „Feldhase“ hier hoppelt, und wie Caspar David Friedrich und Egon Schiele ins Haus kamen, zeigt ein Ausstellungsrundgang, der etliche Highlights der Sammlung aus dem schützenden Dunkel des Depots holt.
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Da hockt er nun wieder, auf seinem Blatt Papier, mit flauschigem Fell und dem Blick eines Fluchttiers, das jeden Moment davonspringen könnte: Dürers „Feldhase“ (1502) hat über 500 Jahre auf dem Buckel und wirkt mit seinem rasch hingepinselten Pelz immer noch quicklebendig. „Diese detaillierte Naturerfassung ist wirklich wie eine Rekreation, wie ein Lebendigwerden eines Tieres auf dem Papier – einzigartig und daher bis heute ikonisch“, betont Albertina-Direktor Ralph Gleis im ORF-Gespräch.
Schon zu Dürers Lebzeiten galt der Hase als viel kopiertes „Wunder der Beobachtung“. Zu sehen bekommt man ihn trotzdem selten: Erst zehnmal wurde er ausgestellt, zuletzt 2019 bei der großen Dürer-Ausstellung, denn Papier ist äußerst licht- und temperaturanfällig. Bei diesem Hasen werden die Lichtstunden penibel zusammengezählt, bevor entschieden wird, wann er wieder Auslauf bekommt.
Fotostrecke mit 8 Bildern
Johann August Walther: Herzog Albert von Sachsen-Teschen, 1776; Erzherzogin Marie Christine von Österreich, 1776
Michelangelo: Männlicher Rückenakt, um 1504
Albrecht Dürer: „Rhinocerus (Das Rhinozeros)“, 1515
Links: Egon Schiele: „Aktselbstbildnis“, 1910; rechts: Zeichnung von Erzherzogin Marie Christine: „Die Brieflektüre“, 2. Hälfte 18. Jahrhundert
Pieter Bruegel der Ältere: „Die großen Fische fressen die kleinen“, 1556
Caspar David Friedrich: „Blick auf Arkona mit aufgehendem Mond“, um 1805/06
Emil Nolde: „Die Wintersonne“, 1908
Links: Hieronymus Bosch: „Der Baummensch“, um 1500; rechts: Peter Paul Rubens: „Nikolaus Rubens mit Korallenschnur“, um 1619
Hochkarätige Kunst erzählt Institutionsgeschichte
Zum Jubiläum holte die Albertina auch zahlreiche weitere Highlights ihrer weltberühmten, 1,2 Millionen Werke umfassenden Sammlung ans Licht. Von Michelangelos „Rückenakt“ von 1504 bis zu Schieles ausgezehrtem Körper im „Aktselbstbildnis“ (1910) illustriert die klassisch gestaltete Schau – kuratiert von Direktor Gleis selbst – die Entstehungsgeschichte und rasche Erweiterung der Kollektion.
Zentraler Anteil von Herzogin Marie Christine
Herzog Albert von Sachsen-Teschen gilt gemeinhin als Gründervater der Albertina, seit 1864 trägt das Haus auch seinen Namen. Die Jubiläumsschau rückt das Geschichtsbild zurecht, indem sie die Rolle seiner Frau Erzherzogin Marie Christine hervorstreicht: Die Lieblingstochter von Maria Theresia war selbst Kunstliebhaberin und passable Zeichnerin. Albert hingegen stammte aus niederem Adel, die Verbindung galt als eine der wenigen echten Liebesheiraten ihrer Zeit.
Das Paar beauftragte den österreichischen Gesandten in Venedig, Conte Giacomo Durazzo, wertvolle Druckgrafiken zusammenzutragen. 1776 folgte die Übergabe von 10.000 Kupferstichen – die Geburtsstunde einer Sammlung, die sich der Idee der Aufklärung verpflichtet sah: Sie sollte nicht privatem Besitzdenken dienen, sondern die Allgemeinheit „belehren und erfreuen“.
Mehrere Druckvarianten von Dürers „Rhinoceros“ (1515) gehören zum frühesten Sammlungsinventar
Tauschaktion als Sammlungscoup
Auf dem Wunschzettel stand schlichtweg alles. Das kunstsinnige Paar interessierte sich auch für technische Vorgänge. Zu den frühesten Sammlungsobjekten zählen Dürers „Adam und Eva“ (1504) und sein „Rhinoceros“ (1515), das in zwei verschiedenen Druckausfertigungen ausgestellt ist.
Die erworbenen Mehrfachkopien erwiesen sich als kluges Investment: 1796 tauschte man Dubletten der Druckgrafiken gegen ein Konvolut von 530 Zeichnungen aus der kaiserlichen Hofbibliothek. Neben dem „Feldhasen“ gelangten einige der kostbarsten Stücke in die Sammlung, darunter Hieronymus Boschs mysteriöses Mischwesen „Der Baummensch“ (um 1500) und Pieter Bruegels Federzeichnung „Die großen Fische fressen die kleinen“ (1556), aus deren aufgeschnittenem Riesenfisch allerhand kleinere Meereswesen purzeln.
Einen ganz anderen Ton schlagen die Kopfstudien an, die Peter Paul Rubens 1619 von seinen Kindern angefertigt hatte – ungewöhnlich zart und von großer Zuneigung. „Kein schlechter Tausch“, sagt Gleis augenzwinkernd.
Erst ab 1900 Ausstellungsbetrieb
Auch die Erben des Paares bewiesen Gespür: Man sammelte nicht nur alte Meister, sondern erwarb von Caspar David Friedrich das größte verfügbare Werk – eine in Orange getauchte frühe Zeichnung von 1805/06, in der Friedrich bereits die melancholische Stimmung und die schroffen Kreidefelsen der Ostsee-Insel Rügen einfing. Dass der Zeitgenosse eines Tages Weltruhm erl…
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