Hitze und Gesundheit
Wenn Hitze krank macht: Wie belastend hohe Temperaturen sind
Extreme Hitze belastet Herz, Kreislauf und Stoffwechsel. Besonders gefährdet sind ältere und chronisch kranke Menschen. Was im Körper passiert – und wie man sich schützt
Davina Brunnbauer
Die Sonne knallt runter und man kann sich kaum noch abkühlen: Die Hitze ist wieder da.
Schon der Blick auf die Wettervorhersage bringt einen dieser Tage ins Schwitzen. Die große Hitze ist zurück. Untertags klettert das Thermometer auf über 30 Grad und auch in der Nacht kühlt es kaum ab. Besonders in dicht besiedelten Gebieten sind die tagelang hohen Temperaturen kaum auszuhalten. Denn – das ist inzwischen keine Überraschung mehr – die brütende Hitze wirkt sich nicht nur auf das Wohlbefinden aus, sondern auch auf die Gesundheit.
Bereits jetzt zählt Hitze zu den wichtigsten umweltbedingten Gesundheitsrisiken. Wie viele Menschen tatsächlich an den Folgen extremer Temperaturen erkranken oder sterben, lässt sich nicht direkt bestimmen. "Hitze wird nur selten als direkte Todesursache angegeben“, erklärt die Epidemiologin Alexandra Schneider vom Helmholtz-Zentrum München. Statistische Modelle zeigen jedoch eindeutig, dass während Hitzewellen sowohl die Krankenhauseinweisungen als auch die Sterblichkeit steigen.
Der Körper will kühlen
Das Problem bei der Hitze ist, dass sie den Körper auf mehreren Ebenen gleichzeitig trifft. Unser Körper will sich abkühlen, produziert dafür Schweiß und erweitert die Blutgefäße. "Das kostet Energie, denn durch die Gefäßerweiterung sinkt der Blutdruck, gleichzeitig muss das Herz schneller und stärker arbeiten", sagt Schneider. Besonders für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen kann das gefährlich werden. Das Risiko für Brustschmerzen, Herzinfarkte oder Herzrhythmusstörungen steigt.
Zudem verlieren wir durch das Schwitzen viel Flüssigkeit. "Die Folge sind Dehydration und Elektrolytstörungen, die wiederum Kreislaufzusammenbrüche und Thrombosen begünstigen", sagt die Epidemiologin. Auch Menschen mit Nieren-, Lungen- oder Stoffwechselerkrankungen reagieren empfindlicher auf hohe Temperaturen. Bei Hitze steigen nämlich meist Ozon- und Feinstaubwerte, die die Atemwege reizen. "Chronische Lungenerkrankungen oder Asthma können sich dadurch schlagartig verschlechtern."
Ältere sind besonders gefährdet
Besonders gefährdet sind nicht nur Menschen mit bestehenden Vorerkrankungen, sondern auch ältere Menschen. "Die Übersterblichkeit während Hitzewellen betrifft fast ausschließlich diese Bevölkerungsgruppen", sagt der Geriater Kilian Rapp vom Robert-Bosch-Krankenhaus Stuttgart.
Das hat mehrere Gründe. Mit zunehmendem Alter lässt die Fähigkeit des Körpers nach, sich an hohe Temperaturen anzupassen. Die Haut wird schlechter durchblutet, die Schweißproduktion setzt später ein und das Durstgefühl nimmt ab. Gleichzeitig leiden viele ältere Menschen an chronischen Erkrankungen oder nehmen Medikamente ein, die den Flüssigkeits- und Wärmehaushalt beeinflussen können.
Kritisch wird es für Menschen, die alleine leben, pflegebedürftig oder in ihrer Mobilität eingeschränkt sind. Denn sie können meist nicht mehr ohne Unterstützung schattige und kühlere Orte aufsuchen oder mehr trinken.
Starker Flüssigkeitsverlust
Doch auch gesunde Menschen unterschätzen, wie rasch der Körper austrocknen kann. Der Physiologe Hanns-Christian Gunga von der Berliner Charité verweist darauf, dass bei hohen Temperaturen selbst in Ruhe pro Stunde ein halber Liter oder mehr Flüssigkeit über das Schwitzen verloren gehen kann, auch unbemerkt. An besonders heißen Tagen oder bei körperlicher Belastung steigt dieser Wert deutlich.
Die wichtigste Schutzmaßnahme ist daher, ausreichend zu trinken, und das regelmäßig. "Durst ist kein verlässliches Warnsignal", betont Gunga. Oft tritt er erst auf, wenn bereits ein Flüssigkeitsmangel besteht. Sinnvoll ist es, über den Tag verteilt kleine Mengen zu trinken, vorwiegend Wasser oder Getränke mit einem geringen Zuckeranteil, etwa stark verdünnte Fruchtsäfte. "Sie beschleunigen die Flüssigkeitsaufnahme in den Darm", erklärt Gunga. Zu viel Zucker kann die Wasseraufnahme wieder bremsen und den Magen belasten. Softdrinks und Alkohol sollte man auf jeden Fall vermeiden, weil sie den Flüssigkeitsverlust zusätzlich erhöhen.
Tipps und Warnsignale
Darüber hinaus empfehlen Fachleute, körperliche Anstrengungen und Erledigungen in die frühen Morgen- oder Abendstunden zu verlegen. Die Wohnung sollte man tagsüber abdunkeln und nur morgens und in der Nacht lüften. Wenn die Wohnung dauerhaft aufgeheizt ist, sollte man, wenn möglich, kühlere Räumlichkeiten aufsuchen, damit sich der Organismus erholen kann. Generell sollte man auf mehr Ruhepausen achten. Leichte Kleidung, regelmäßige Abkühlung durch Duschen oder feuchte Tücher sowie eine leichte, wasserreiche Ernährung mit viel Obst und Gemüse entlasten den Körper zusätzlich.
Wichtig ist es außerdem, Warnsignale ernst zu nehmen. Zu den ersten Anzeichen v…
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