Die getesteten Wasserkocher: Manche mit Digitaldisplay, andere mit analoger Temperaturanzeige
Will man einfach nur heißes Wasser für einen löslichen Kaffee oder eine Tütensuppe haben, reicht ein Billig-Wasserkocher für weniger als 20 Euro. Wer jedoch mehr Leistung und ein schönes Design erwartet, muss auch deutlich tiefer in die Tasche greifen. Wir haben fünf edle kabellose Wasserkocher aus Deutschland, Schweden, Großbritannien und den USA auf Herz und Nieren getestet und mussten feststellen: Nicht alle sind ihren stolzen Preis wert.
Aarke Kettle
Die 2013 von den schwedischen Industriedesignern Carl Ljungh und Jonas Groth in Stockholm gegründete Firma Aarke (samisch für »alltäglich«) bereichert den Küchengeräte-Alltag mit formschönen und zeitlosen skandinavischen Designs. Der freischwebende Wassersprudler Carbonator gilt als Gestaltungsikone. Auch der minimalistisch-funktionale Wasserkocher aus der Kettle-Serie macht in einer High-End-Küche eine gute Figur, ist mit 250 Euro aber auch das teuerste Gerät in unserem Test.
Die Verarbeitung ist sehr solide. Die Kanne fasst zwar nur 1,2 Liter (Wasserstand von außen nicht ablesbar), wiegt mit knapp 1,3 Kilogramm aber sogar etwas mehr als der wesentlich größere Kettle von KitchenAid. Sie ist denn auch kein Umfaller, sondern steht stabil auf dem schlanken Edelstahlsockel (Gesamthöhe 26,5 cm) und schwingt auch bei harten Stößen immer wieder zurück. Wie bei allen Geräten im Test lässt sich das 70 Zentimeter lange Netzkabel des Aarke im Sockel aufwickeln. Das dient der Sicherheit: Je kürzer das Kabel zur Steckdose, umso geringer die Gefahr, daran hängenzubleiben und heißes Wasser zu verschütten.
Zum fairen Vergleich erhitzten wir mit jedem Kocher einen Liter Wasser von 20 °C auf 100 °C, gemessen mit einem mobilen Temperaturfühler. Zum Vergleich: Ein kleiner Kochtopf mit Deckel benötigt dafür auf unserer 2,8-Kilowatt-Induktionsplatte 4:43 Minuten. In dieser Disziplin sind alle getesteten Wasserkocher deutlich schneller. Der mit 1850 Watt vergleichsweise schwache Aarke ist hier allerdings mit 3:18 Minuten das Schlusslicht. Die anderen Modelle haben Leistungswerte von 2200 bis 2400 Watt. Am flottesten arbeiten Ritter und KitchenAid mit 2:35 Min, Russell Hobbs und Gastroback brauchen etwas mehr als drei Minuten.
Wie alle getesteten Geräte lässt sich auch beim Schweden die Zieltemperatur – wichtig zum Beispiel für ambitionierte Teetrinker oder zum Zubereiten von Babynahrung – einstellen. Fünf feste Temperaturen sind wählbar, allerdings sind die winzigen geätzten Zahlen auf dem Sockel kaum ablesbar. Die aktuelle Temperatur wird nicht angezeigt.
Die Presets versprechen 40, 75, 85, 95 und 100 °C. Sobald die jeweilige Temperatur erreicht ist, schaltet die Heizplatte mit einem Signalton ab. Wir haben die Temperaturen nachgemessen, und der Aarke gibt sich hier, wie seine Mitbewerber, keine Blöße. Die gemessenen Temperaturen wichen im Test nie mehr als 1 °C von der Zieltemperatur ab. Das würde sogar für das eine oder andere Sous-Vide-Kochprojekt oder zum Eierkochen reichen, doch die Betriebsanleitungen verbieten einhellig die Nutzung mit Fremdkörpern.
Auch in Sachen Sicherheit schenken sich die Kocher nichts: Alle schalten sich beim Erreichen der Zieltemperatur ab, haben einen Trockengehschutz, sprudeln auch bei siedendem Wasser nicht über, tropfen beim Ausgießen nicht, und es tritt mit einer Ausnahme (Ritter) auch kein heißer Dampf aus der Deckelöffnung aus.
Die Temperaturen an der Außenseite und dem Deckel halten sich ebenfalls durch die Bank im Rahmen. Außer bei dem einwandigen Glaskessel von Russell Hobbs, der bauartbedingt bis zu 100 °C heiß werden kann, haben wir mit einem Infrarotthermometer stets nur handschonende Erwärmungen von Raumtemperatur bis maximal 42 °C gemessen. Die aufwendigen Konstruktionen sorgen für ein sicheres Handling.
Die Geräte von Aarke und Ritter schalten sich ab, wenn man den Deckel öffnet, die anderen Modelle heizen auch mit offenem Deckel munter weiter. Die massive Wandkonstruktion des Aarke ist alles andere als Kesselflickerei und hält die Temperatur recht lange auf hohem Niveau. Im Test fiel sie innerhalb von 25 Minuten nur von 100 °C auf 80 °C.
Wesentlich unterschiedlicher gestaltet sich die Reinigung und, wenn nötig, Entkalkung der Kessel. Hier ist der ringsherum absolut plane Aaarke ohne hervorstehendes Heizelement klar im Vorteil. Mit einer halbwegs schlanken Hand kommt man durch die 7 × 11 Zentimeter große Öffnung sogar zum Putzen rein. Der Kalkfilter am Ausguss ist ohne Probleme zum Säubern ein- und ausbaubar. Der Deckel lässt sich mit einem Knopfdruck öffnen, ist aber nicht mit einer Hand bedienbar, zum Schließen braucht man die zweite Hand.
Trotz all dieser Vorteile sehen wir den Aarke Kettle am ehesten in den Küchen wohlhabender Zeitgenossen. Zumindest, sofern diese sich beim Kauf eines Wasserkochers nicht mit so profanen Dingen wie dem Preis beschäftigen.
Was kostet das? 250 Euro
Ritter Fontana 5
Als einer der wenigen Hersteller fü…
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