Landtagswahl im Osten
Sahra Wagenknecht könnte der AfD in Sachsen-Anhalt zur Macht verhelfen
"Völlig idiotisch" findet Sahra Wagenknecht die Brandmauer zur AfD. Einem blauen Ministerpräsidenten würde sich ihr Bündnis nicht entgegenstellen – wenn es den Einzug in den Landtag schafft
Reportage
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Birgit Baumann
aus Magdeburg
Sahra Wagenknecht, Gründerin und ehemalige Parteivorsitzende von BSW, hatte sich in den vergangenen Monaten zurückgezogen. Aber nun mischt sie im Wahlkampf wieder mit.
An Gott glaubt Sahra Wagenknecht nicht. Das hat sie selbst mal erzählt. Aber so ganz will sie im Wahlkampf auch nicht ohne ihn auskommen. "Mein Gott, warum ist dieses Land gestraft mit Regierungen, die dumm oder käuflich sind?" ruft sie auf dem Willy-Brandt-Platz in Magdeburg in die Menge.
Eine Antwort gibt es nicht, aber Wagenknecht ist ohnehin noch nicht fertig und legt nach: "Das machen wir nicht mehr mit, wir akzeptieren nicht mehr, wenn man unser Land kaputt regiert."
Genau, Bravo, die Anwesenden, die sich zwischen Bahnhof und Shopping-Center in der Landeshauptstadt von Sachsen-Anhalt nicht gerade eng zusammendrängen müssen, sind einverstanden mit dem, was von der Bühne kommt. "Merz muss weg", rufen sie manchmal, aber es klingt nicht so entschlossen und hasserfüllt wie vor zehn Jahren, als der damaligen Kanzlerin Angela Merkel vor allem im Osten "Merkel muss weg" entgegenschallte.
AfD weit vorne
Am 6. September wird im ostdeutschen Bundesland gewählt und der Wahlkampf ist schon voll im Gange, denn es geht um viel. In Umfragen wird die AfD mit rund 41 Prozent weit vorn gesehen. Die CDU, die mit Sven Schulze den Ministerpräsidenten stellt, folgt erst mit rund 26 Prozent.
Nicht nur das beunruhigt Gegnerinnen und Gegner der AfD, sondern auch, dass die AfD erstmals in Deutschland eine absolute Mehrheit schaffen und ihr Spitzenkandidat Ulrich Siegmund in die Staatskanzlei einziehen könnte. Ob das gelingt, hängt auch von den kleineren Parteien ab. Schaffen es die Grünen und die FDP nicht in den Landtag, dann wird die Hürde für die AfD niedriger. Auch das BSW, das Bündnis von Sahra Wagenknecht, ist ein Wackelkandidat. Bei vier Prozent liegt es in Umfragen.
Im Jänner gratulierte AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund CDU-Mann Sven Schulze zu dessen Wahl zum Ministerpräsidenten. Im September will er ihm nachfolgen.
Deshalb stürzt sich Parteigründerin Wagenknecht, die sich von der Spitze der Bewegung eigentlich im Herbst 2025 zurückgezogen hat und seither "nur" noch die Grundwerte-Kommission leitet, wieder in den Wahlkampf. Die erneute Inbetriebnahme der Nordstream-Pipeline und neue Lieferungen von russischem Gas fordert sie auch in Magdeburg lautstark.
"Mir wird Himmelangst", betont Wagenknecht mit Blick auf den Kanzler. Wagenknecht fürchtet, dass – sollte der Ukrainekrieg nicht bald beendet werden – auch für Deutschland "eine große Kriegsgefahr" droht. Krieg und Frieden, das ist immer noch ihr großes Thema. "Keine Waffen in Kriegsgebiete" und "Merz bricht Völkerrecht", steht auf Transparenten.
Die Zeiten für Wagenknechts Partei waren aber schon besser. 2024, bei den Wahlen in Thüringen, Brandenburg und Sachsen, kam das BSW in allen drei Ländern auf mehr als zehn Prozent und zog in die Landesparlamente ein.
In Thüringen und Brandenburg schaffte es die junge Partei aus dem Stand sogar in die Regierungen. Während in Brandenburg das Bündnis mit der SPD aber wieder zerbrach, regiert das BSW in Thüringen immer noch in der Brombeer-Koalition (CDU, BSW, SPD) – sehr zum Missfallen der Chefin. Wagenknecht setzt auf Opposition, hat es aber nicht geschafft, den Thüringer Landesverband auf Linie zu bringen.
Blick auf Thüringen
Andererseits: So ganz unpraktisch ist ein widerspenstiger Landesverband nicht. Warum das BSW in Umfragen nur bei vier Prozent liegt und damit schwer um den Einzug ins Landesparlament kämpfen muss, will der STANDARD von Thomas Schulze, dem BSW-Spitzenkandidaten von Sachsen-Anhalt, wissen. Dessen Antwort: "Der Hauptgrund liegt in Thüringen, das nehmen die Leute übel." Konkret meint Schulze, dass das BSW dort mit der CDU koaliere. Denn: "Das ist keine Friedenspartei."
Er ist zuversichtlich, dass seine Partei am 6. September über die Fünf-Prozent-Hürde kommt und der Sprung in den Landtag gelingt. Ja, in Sachsen-Anhalt würden sehr viele Leute die AfD wählen, sagt er. Aber Schulze, Jahrgang 1964, ist auch überzeugt: "Die Leute wollen dann doch nicht, dass die AfD die absolute Mehrheit bekommt."
Carina, eine 50-jährige Krankenschwester aus Magdeburg, denkt ähnlich: "Es stimmt schon, dass das BSW und die AfD in manchem ähnliche Positionen haben", sagt sie. Da sind etwa die russlandfreundliche Haltung und die Forderung nach einer schärferen Asylpolitik. "Aber", meint sie, "die AfD ist mir zu radikal, ich mag diese völkischen Töne nicht." Da wählt sie lieber das BSW, denn das ist wie sie der Meinung: "Wahnsinn, dass bei deutschen Rentnern gekürzt wird, ab…
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