Das Wichtigste in Kürze
Dem BSW kommt bei den anstehenden Landtagswahlen eine besondere Rolle zu: Es könnte zum Mehrheitsbeschaffer werden – auch für die AfD. Eine AfD-BSW-Koalition lehnt die Partei jedoch bisher ab.
Weniger klar sieht es aus mit der Wahl eines AfD-Ministerpräsidenten: Während Mecklenburg-Vorpommern das nicht als eine Option sieht, äußert sich die Landesspitze in Sachsen-Anhalt ausweichend. Und AfD-Minister schließen beide Landesverbände nicht aus.
Innerhalb der Partei sehen führende Mitglieder Anhaltspunkte dafür, dass das BSW einer AfD-Regierung nicht abgeneigt ist: Ex-Landesvorstände sehen eine gezielte Vorbereitung auf die Ministerpräsidentenwahl, eine inhaltliche Nähe – und eine Ablehnung anderer Optionen.
Während die Parteispitze „politische Kultur“ verändern will und sich als Vorreiter sieht, beklagen immer mehr Mitglieder autoritäre Führungsstrukturen und treten aus.
Im Vorfeld der Landtagswahlen wirbt die BSW-Spitze für einen neuen Politikansatz: einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten. Und zwar ohne eine Partei dabei auszuschließen – auch nicht die AfD. Doch was heißt das konkret? Verhilft das BSW der AfD womöglich zur Macht? CORRECTIV hat bei den Parteispitzen nachgefragt und sich innerhalb der Partei umgehört.
Zu einer Koalition unter Führung der AfD sagt die BSW-Parteiführung bislang: Nein. Doch die Landesspitzen äußern sich dazu schwammig: Sie schließen nicht aus, der AfD mit ihrer Unterstützung Ministerposten zu ermöglichen.
Intern sieht das anders aus: Hier sehen in Sachsen-Anhalt einige führende Parteimitglieder Anhaltspunkte dafür, dass die Partei Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) einen AfD-Ministerpräsidenten ermöglichen könnte.
Gemeinsame Mehrheit mit AfD nach Landtagswahlen könnte möglich sein
Das BSW kämpft derzeit darum, bei den kommenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern überhaupt ins Parlament einzuziehen. Nach aktuellen Umfragen liegt die Partei unter der Fünf-Prozent-Hürde. Sollte das dem BSW jedoch gelingen, könnte es schon mit wenigen Sitzen zum Zünglein an der Waage werden und den demokratischen Parteien – oder der AfD – zu Mehrheiten und damit zur Macht verhelfen.
Gerade vor diesem Hintergrund sind die jüngsten Aussagen von Sahra Wagenknecht besonders bemerkenswert: „Wir plädieren für einen parteiunabhängigen Ministerpräsidenten, der ein Kompetenzkabinett bildet und mit wechselnden Mehrheiten regiert, ohne Parteien auszugrenzen“, erklärt die Parteigründerin Anfang Juni auf X. Sie wolle eine Mehrheit gegen die amtierenden Ministerpräsidenten erreichen.
Die letzten Umfrageergebnisse zeigen: Zur absoluten Mehrheit fehlen der AfD noch einige Prozentpunkte. Das BSW kämpft derweil um den Einzug in den Landtag. Grafik: Sebastian Haupt
Möglichkeiten nach der Wahl
Die Mehrheitsverhältnisse in beiden Landtagen könnten nach den Wahlen schwierig werden. Die AfD dürfte jeweils stärkste Partei werden, reicht in aktuellen Umfragen jedoch nicht an die absolute Mehrheit heran.
Sollte das BSW ins Parlament einziehen, könnte es der AfD zur Mehrheit verhelfen. Dazu könnten beide Parteien in eine Koalition miteinander gehen. Das hat das BSW jedoch bereits abgelehnt.
Eine andere Möglichkeit wäre, dass das BSW sich zwar nicht auf einen Koalitionsvertrag mit der AfD einigt und eigene Ministerposten bekommt, aber einen AfD-Ministerpräsidenten und sein Kabinett an die Macht wählt. Das BSW könnte sich hier beispielsweise inhaltliche Zugeständnisse der AfD erhoffen, ohne selbst in Regierungsverantwortung gehen zu müssen.
So könnte das BSW Ulrich Siegmund und seinen Parteigenossen zur nötigen Mehrheit im ersten oder zweiten Wahlgang verhelfen. Sollten jedoch beide Wahlgänge scheitern, gelten neue Bedingungen: In einem dritten Wahlgang könnten die Abgeordneten den Ministerpräsidenten auch mit der Mehrheit der abgegebenen Stimmen wählen, die Mehrheitsverhältnisse im Landtag könnten sich also dadurch noch einmal verändern.
So hätte die AfD die theoretische Möglichkeit, eine Minderheitsregierung zu bilden – was ein Novum darstellen würde. Bisher gibt es Minderheitsregierungen, angeführt von der CDU, bereits in Thüringen und Sachsen.
Zusammenarbeit mit AfD angestrebt
Dieser Linie folgen offenbar auch die Landesverbände in Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt. Beide Landesverbände bestätigen auf CORRECTIV-Anfrage, dass sie mit der AfD zusammenarbeiten möchten. Der Co-Vorsitzende aus Sachsen-Anhalt, Thomas Schulze, konkretisiert: „Einbeziehung heißt, wechselnde Mehrheiten im Landtag.“ Demnach würde „künftig in der Sache entschieden werden. Und wenn eine Mehrheitsentscheidung mit Stimmen der AfD zustande kommt, dann ist das so.“
Doch wie weit reicht eine solche Zusammenarbeit? Würde das BSW auch einen Ministerpräsidenten der rechtsextremen Partei unterstützen? Der norddeutsche Landesverband schließt das aus. Ebenso lehnt er die Unterstützung der bisherigen Ministerpräsidentin Manuela Schwesig (SPD) ab.
Auch in Sachsen-Anhalt will das BSW den…
Read the full article at CORRECTIV →📄Source document: Sergej Kirijenko
4 reports
Frankfurter Allgemeine (FAZ)Independent🔒Right2 days ago Putin's influence: how Moscow wants to divide usThe article discusses Russian influence in Germany through interactions between German politicians and Russian officials. It mentions meetings between members of the BSW (Die Partei von Sahra Wagenknecht) and pro-Putin advisors in Moscow, as well as visits by AfD representatives and a publisher to St. Petersburg. The article highlights concerns over Russian propaganda efforts targeting Germany, particularly in eastern regions like Thuringia, where pro-Russian parties have gained significant support.
Bias read (Right): The article frames Russian influence as a threat to German democracy and uses strong language such as 'spalten will' ('wants to split us') and references pro-Russia political groups in a critical tone. It emphasizes the potential danger posed by pro-Russian sentiment without providing balanced views
Official sources cited
- government Sergej Kirijenko
CORRECTIVIndependentCenter5 days ago This would break up the BSW: internal dispute over possible AfD majorityThe article discusses internal conflicts within the German party BSW regarding potential cooperation with the AfD ahead of upcoming state elections. While the national leadership of BSW has so far rejected forming a coalition under AfD leadership, some regional leaders appear more open to the idea. The article explores whether BSW might be preparing for an AfD-led government, citing internal discussions and ideological proximity between the two parties. It also highlights growing concerns among members about authoritarian leadership structures within BSW.
Bias read (Center): The article presents multiple perspectives within the BSW party without overtly favoring any side. It reports on internal disagreements and quotes various viewpoints without taking a stance on whether BSW would support an AfD-led government. The language remains neutral, focusing on reported facts,揣
Official sources cited
- organisation BSW-Parteiführung
- organisation Ex-Landesvorstände
Tagesschau (ARD)State / PublicCenter6 days ago AfD's Federal Executive Board bans cooperation with policy advisersThe AfD federal board has decided to prohibit collaboration with businessman Tom Rohrböck, who is seen as a powerful figure within the party despite not being a member. Rohrböck is described as having extensive connections and influence within the AfD, as well as ties to CDU and FDP officials. The board ruled that he may no longer attend or organize party events.
Bias read (Center): The article presents facts without overtly biased language or selective sourcing. It reports on the AfD’s internal decision regarding Rohrböck, describing his influence and connections but avoiding explicit ideological framing. The tone remains neutral, focusing on reported actions rather than evalu
Official sources cited
- organisation WDR
- organisation NDR
- organisation SZ
Die ZeitIndependentCenter8 days ago Documentary series 'Brombeerland': A BSW member cried, an AfD politician just as muchThe article introduces a documentary series titled 'Brombeerland' that explores the political situation in Thuringia, highlighting emotional moments involving a BSW member and an AfD politician.
Bias read (Center): The article provides a neutral introduction to the documentary series without editorializing, biased language, or one-sided sourcing. It simply mentions the documentary's focus on Thuringia and notes emotional reactions from political figures without taking a stance.