Konkurrenz am Arbeitsmarkt
Müssen Berufseinsteiger die KI fürchten?
Stand: 18.06.2026 • 12:46 Uhr
KI-Modelle können einfache Routinetätigkeiten ersetzen - und somit vor allem Berufseinsteigern Konkurrenz machen. Jungen Menschen wird daher oft eine sogenannte KI-Angst nachgesagt. Zurecht?
Künstliche Intelligenz (KI) ist eines der großen Themen unserer Zeit. Doch nicht überall hat sie ein gutes Image - etwa unter Studierenden in den USA. So wurde Ex-Google-Chef Eric Schmidt Ende Mai an der University of Arizona ausgebuht, als er über die Auswirkungen der Technologie sprach. Ähnliches erlebte Immobilienmanagerin Gloria Caulfield bei einer Abschlussrede an der University of Central Florida, in der sie den Aufstieg der KI als "nächste industrielle Revolution" bezeichnete.
Immer häufiger wird von einer sogenannten KI-Angst unter jungen Leuten berichtet, die sich Sorgen über ihre berufliche Zukunft machen - auch in Deutschland. In der Jugendstudie 2026 bewerteten viele der über 2.000 Befragten im Alter von 14 bis 29 Jahren ihre Jobchancen in diesem Jahr deutlich schlechter als zuvor - unter anderem wegen des voranschreitenden Einflusses von KI.
Mehrheit der jungen Menschen erwarten "radikale Veränderungen"
"53 Prozent der jungen Menschen glauben, dass einfache Tätigkeiten zunehmend durch KI ersetzt werden. 52 Prozent erwarten radikale Veränderungen am Arbeitsmarkt aufgrund von KI", berichtet Nina Kolleck, Professorin für Erziehungs- und Sozialisationstheorie an der Universität Potsdam und Mitautorin der Studie. Aufgrund der Vermutung, dass künftige Jobs von einer KI erledigt werden könnten, würden einige von ihnen sogar bestimmte Berufe nicht mehr ergreifen oder seltener Studiengänge wie Pharmazie oder Jura wählen.
Auch Björn Ommer, KI-Professor an der Ludwig-Maximilians-Universität München, beobachtet, dass junge Menschen Künstliche Intelligenz nicht mehr nur als Werkzeug sehen, sondern auch als Konkurrent auf dem Arbeitsmarkt: "Diejenigen, die in Schule oder im Studium mit Künstlicher Intelligenz Texte geschrieben, Bilder analysiert, Recherchen gemacht oder Code erzeugt haben, fragen sich natürlich, wofür sie selbst schlussendlich noch gebraucht werden."
Studien aus Stanford und Harvard zeigen, dass KI gerade Berufseinsteigern in den USA das Leben schwieriger macht. Denn sie kann Routinefähigkeiten wie Recherche oder das Ausbessern von Texten übernehmen und somit Arbeitskraft ersetzen. Da das Verfassen, die Dokumentation und die Informationsbeschaffung zunehmend automatisiert werden, verschwinden teilweise Büroarbeiten, Assistenzfunktionen oder Callcenter, teilte auch das Kiel Institut für Weltwirtschaft Anfang des Jahres mit .
KI-Angst nicht so weit verbreitet
Eine große KI-Angst gebe es unter jungen Menschen in Deutschland deshalb aber noch nicht, sagt Jugendforscherin Kolleck im Gespräch mit der ARD-Finanzredaktion . Nur 21 Prozent der Befragten glauben laut der Studie, dass sie sich beruflich neu orientieren müssen. "Dadurch, dass KI ein sehr dominierendes Thema in Bezug auf die Berufswahl von jungen Menschen ist, finde ich das jetzt erstmal keine hohe Zahl." Zudem hätten lediglich 30 Prozent die Sorge, dass ihre eigene Arbeitskraft ersetzbar wird.
Ein ähnliches Bild zeigt eine Umfrage der Barmer Krankenkasse . Demnach spielt KI als Grund für Zukunftssorgen eine eher untergeordnete Rolle: 20 Prozent der 2.000 Befragten im Alter von 14 bis 17 Jahren macht KI große Sorgen, eine Steigerung von vier Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Dennoch belegt sie immer noch einen der letzten drei Plätze im Ranking. Sorgen wegen Kriegen seien mehr als dreimal so stark verbreitet. Ökonom Oliver Schlenker verweist in dem Zusammenhang auch auf die aktuelle Wirtschaftsflaute.
"In schlechten wirtschaftlichen Situationen sind Berufseinsteiger in der Regel immer am schlimmsten betroffen", so der stellvertretende Bereichsleiter des ifo Zentrums für Soziale Marktwirtschaft und Institutionenökonomik. "Wenn Unternehmen ihre Beschäftigung anpassen wollen, machen sie es zunächst meistens über Einstellungen." Deswegen seien gerade generell viele junge Menschen von einem Rückgang offener Stellen betroffen, erklärt Schlenker, der auch Senior Researcher am Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) ist.
Sorge vor Kompetenzverlust
Nichtsdestotrotz werden KI-Modelle künftig eine noch stärkere Rolle einnehmen, da sind sich die Fachleute einig. "Ich erwarte, dass Künstliche Intelligenz ein Standardwerkzeug werden wird. Nicht nur in den IT-nahen Bereichen, sondern in der Breite - ähnlich wie bereits der Computer oder das Internet", sagt etwa KI-Professor Ommer. Als Konsequenz rechne er aber nicht mit einem kompletten Wegfall von Arbeit. "Ich sehe eher eine Transformation, eine Verschiebung von Tätigkeiten. So wie es mit technologischen Revolutionen in der Vergangenheit auch gewesen ist."
Mehr als 54 Prozent der Unternehmen in Deutschland nutzen KI bereits jetzt in ihren Geschäftsprozessen, wie aus einer aktuellen Umfrage…
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