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KI-Revolution: Welche Berufe werden unsere Kinder in Zukunft noch ausüben können?
Junge Menschen müssen heute auf eine Arbeitswelt vorbereitet werden, die wir noch nicht kennen. Viele Auswirkungen von KI sind unklar, doch es gibt einige Hinweise
Reinhard Kleindl
Geistige Arbeit ist aktuell stärker davon bedroht, durch KI übernommen zu werden. Geschickte Hände können von Computern – bisher– nicht ersetzt werden.
Auch schnelllebige Zeiten erfordern langfristige Entscheidungen. Wer Eichenwälder pflanzt, die Jahrhunderte bis zur Erntereife brauchen, oder wer Kinder erzieht, muss Weichen für eine Zukunft stellen, die er oder sie noch nicht kennt.
Aktuell befinden wir uns in einem technologischen Wandel, dem viele das Potenzial einer neuen industriellen Revolution bescheinigen – zehnmal größer und schneller als die letzte industrielle Revolution, wenn es nach Google-Deepmind-Gründer und Chemienobelpreisträger Demis Hassabis geht. Industrielle Revolutionen gingen in der Vergangenheit mit starken Umwälzungen auf dem Arbeitsmarkt einher, wenn auch letztlich die Zahl der Jobs insgesamt trotz wiederholter Befürchtungen nicht sank.
Disruptiver
Diesmal könnte das anders sein. Der auf KI spezialisierte Ethiker Peter G. Kirchschläger von der Schweizer Universität Luzern ließ im STANDARD-Interview mit der Aussage aufhorchen, wonach von heutigen Schulkindern 50 bis 70 Prozent künftig keine Arbeit haben würden. Er identifiziert zahlreiche Unterschiede zu früheren gesellschaftlichen Disruptionen und argumentiert, dass das Ziel der aktuellen KI-Entwicklung sei, Menschen nicht zu unterstützen, sondern zu ersetzen.
Auch die Ökonomin und Sozialforscherin Ljubica Nedelkoska, die in Wien am Complexity Science Hub forscht, sieht deutliche Unterschiede zu Technologiesprüngen der Vergangenheit. "Sehr wenige Aufgabenbereiche sind (...) nicht in Reichweite dieser Technologie", sagte sie dem STANDARD . Noch sei unklar, wo überhaupt die Grenzen liegen. Wir würden den Arbeitsmarkt in 40 Jahren wohl nicht wiedererkennen. Sogar Papst Leo XIV. machte schon kurz nach seiner Wahl auf die kommenden sozialen Verwerfungen durch KI aufmerksam und widmete seine erste Enzyklika dem Thema.
Geistige Arbeit
Dass bestimmte Jobs wegfallen werden, ist mittlerweile unbestritten. Doch welche Jobs haben Zukunft? Wer eine KI wie Vibe fragt, erfährt durchaus Überraschendes: Dort steht Softwareentwicklung ganz oben auf der Liste der exponiertesten Berufsgruppen. Tatsächlich wird bereits heute überraschend viel Code KI-generiert – in den USA etwa 30 Prozent . Auffällig ist aber, dass erfahrene Programmiererinnen und Programmierer höhere Effizienzsteigerungen erzielen als unerfahrene.
Die KI zitiert aus einer Studie des KI-Unternehmens Anthropic ( Massenkoff und McCrory, 2026 ). In dieser Analyse wird der theoretisch mögliche KI-Einsatz ermittelt. Besonders betroffen sind demnach Management, Finanzsektor, der Computersektor, Architektur und Ingenieurwesen, Bürotätigkeiten, Sozialwissenschaften sowie Recht, Bildung oder Kunst und Medien.
Menschen werden künftig nicht nur mit Maschinen konkurrieren, sondern auch vermehrt zusammenarbeiten müssen.
Mehr Ausschreibungen
Eine wissenschaftliche Einschätzung präsentierten Forschende auch im Jahr 2025 bei der Americas Conference on Information Systems . Das Team um Wilbur Xinyuan Chen von der Hong Kong University of Science and Technology zeigte am Beispiel der USA, dass die Stellenausschreibungen für Jobs, die besonders gut durch KI ersetzbar sind, seit dem Start von ChatGPT um 17 Prozent pro Quartal zurückgingen. Ausschreibungen für Jobs, die sich besonders gut durch KI unterstützen lassen, nahmen um 22 Prozent pro Quartal zu.
In der Studie heißt es: "Generative, KI-gestützte Automatisierung senkt den Arbeitskräftebedarf und die Qualifikationsanforderungen in Berufen mit strukturierten kognitiven Aufgaben, während sie gleichzeitig sowohl die Nachfrage als auch die Komplexität der erforderlichen Qualifikationen in Positionen erhöht, die eine Zusammenarbeit zwischen Mensch und KI erfordern."
Strukturierte kognitive Aufgaben sind also betroffen. Das bedeutet nicht nur, dass diese Jobs weniger werden. Auch die Qualifikationsanforderungen gehen zurück. Müssen Kinder also in Zukunft ohnehin nichts mehr lernen? Jedenfalls scheint ein akademischer Abschluss nicht mehr so viel zu bringen wie in der Vergangenheit. Das zeichnet sich schon jetzt in einer Umfrage des Münchner Ifo-Instituts unter deutschen Unternehmen ab. 20 Prozent der Unternehmen, die KI einsetzen, halten es für leicht oder sehr leicht, Menschen mit Studienabschluss durch weniger qualifizierte, KI-unterstützte Mitarbeitende zu ersetzen. Im Handel sind es sogar fast 30 Prozent der Unternehmen. Zu bemerken ist, dass es sich hierbei um eine aktuelle Umfrage handelt, die KI als wachsenden Bereich und das Hochschulsystem in seiner aktuellen Form betrifft. Beides kann sich über die Jahr…
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