Straße von Hormus
Am Freitag soll im Zuge des Abkommens zwischen dem Iran und der USA die Straße von Hormus wieder geöffnet werden. Zunächst müsste man jedoch die vom Iran gelegten Seeminen räumen, wie US-Präsident Donald Trump erklärte. Europäische Verbündete sagten ihre Unterstützung zu, doch die Mission könnte heikel werden – wie auch die Öffnung selbst. Strittig ist vor allem die Frage der Gebühren.
Online seit gestern, 23.09 Uhr
Trump zufolge hätten bereits am Montag die ersten Schiffe begonnen, die Meerenge zu passieren, „viele voll beladen mit Öl“. Man suche zwar noch Minen, „aber im Grunde genommen fahren die Schiffe jetzt wieder raus“, sagte Trump auf dem G-7-Gipfel zu Beginn der Woche. Derzeit sei die Straße teilweise geöffnet. Am Freitag, wenn das Abkommen unterzeichnet wird, soll sie ganz geöffnet werden.
Iranische Medien berichteten unterdessen am Dienstag, drei Öltanker und zwei beladene Frachtschiffe hätten das Gebiet passiert, in dem die USA eine Seeblockade aufrecht gehalten hatten. Das US-Militär hatte am Montag noch mitgeteilt, dass die Blockade der iranischen Häfen noch bis Freitag in Kraft bleibe.
Man suche zwar noch Minen, „aber im Grunde genommen fahren die Schiffe jetzt wieder raus“, sagte Trump am Beginn der Woche
Nach wochenlangen Verhandlungen hatten sich die USA und der Iran in der Nacht auf Montag auf ein Rahmenabkommen hin zu einem Kriegsende verständigt. Der Iran versprach die Öffnung der Straße von Hormus. Im Gegenzug dafür ordnete Trump nach eigenen Angaben an, die US-Seeblockade iranischer Häfen umgehend aufzuheben. Damit wurde eine der Hauptforderungen der Iraner erfüllt.
Internationale Marinemission geplant
Unter der Führung von Frankreich und Großbritannien wurde bereits seit Längerem eine neutrale Marinemission geplant und vorbereitet, die nach einem Ende der Kampfhandlungen beginnen soll. Ziel ist das Räumen von Minen in der Meerenge und das Begleiten von Handelsschiffen für eine sichere Durchfahrt. Mehr als 40 Länder sicherten ihre Unterstützung zu, laut „Bloomberg“ hätten konkret 15 Länder Ausrüstung und Personal für die Mission zugesagt.
Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagte am Montag: „Wir werden zunächst alles tun, damit dieses Abkommen in Kraft tritt und die Straße von Hormus somit friedlich geöffnet wird und der Schiffsverkehr wieder aufgenommen werden kann.“ Und weiter: „Wir sind bereit, sehr schnell zu handeln.“ Man habe bereits Schiffe in die Nähe der Straße von Hormus verlegt. Auch andere Länder wie Großbritannien, Italien und die Niederlande seien bereits in der Region präsent.
Europäer knüpfen Unterstützung an Bedingungen
Doch die europäischen Länder verlangen ein endgültiges Abkommen sowie ein Ende der Kampfhandlungen, bevor sie sich wirklich zu der Marinemission verpflichten, so der Tenor. Vor allem Deutschland und Italien beharren auf diesem Standpunkt.
Die europäischen Verbündeten, so ist etwa bei „Bloomberg“ zu lesen, „haben praktische Fragen dazu, was genau vereinbart wurde, bevor sie sich zu Minenräumungsmissionen und Patrouillen verpflichten können“. Auch würden sie bezweifeln, dass der Handel bis Ende der Woche wieder aufgenommen werden könne.
Doch als Macron Trump seine Unterstützung angeboten habe, lehnte der US-Präsident das Angebot ohnehin weitgehend ab: „Ich denke, wir brauchen nicht viel Hilfe, da wir ja ein Abkommen haben“, sagte Trump. Es sei aber „keine schlechte Idee, ein, zwei Schiffe von einigen Ländern dort zu haben“, fügte er hinzu.
„Ich denke, wir brauchen nicht viel Hilfe“, lehnte Trump Macrons Angebot ab
Minenräumung „mühsame Angelegenheit“
Und das, obwohl die Minenräumung laut Experten und Expertinnen alles andere als einfach werden dürfte. Bei „Bloomberg“ wird hierbei etwa die Politologin Caitlin Talmadge vom Massachusetts Institute of Technology (MIT) zitiert: „Die Sicherstellung der Minenfreiheit in der Meerenge wird eine mühsame Angelegenheit sein.“ Die Arbeit werde schneller vonstattengehen, wenn der Iran alle ihm vorliegenden Informationen über die Minenverlegung zur Verfügung stelle.
Die Unterstützung der europäischen Länder sei jedenfalls von Bedeutung, schließlich würden diese über „beträchtliche Minenräumkapazitäten“ verfügen, so Talmadge. Im Falle der Wiederaufnahme der Kämpfe seien die europäischen Schiffe jedoch in einer misslichen Lage, da sie leicht angreifbar seien.
Die Frage nach den Minen
Die „New York Times“ („NYT“) schrieb, es sei nicht einmal ganz sicher, dass die Iraner überhaupt Minen gelegt hätten: „Zahlreiche Schiffe passierten die Straße während des Krieges, ohne auf Minen zu stoßen.“ Dennoch: Dass der Iran prinzipiell über Minen verfüge, stehe außer Frage, schätzte der US-Geheimdienst deren Zahl vor Kriegsbeginn doch auf rund 5.000. „Von relativ einfachen Varianten, die knapp unter der Wasseroberfläche treiben, bis hin zu weitaus fortschrittlicheren, die auf dem Meeresboden verankert werden.“
Um nach den Minen zu suchen, müsse die US-Marine also sowohl aus der Luft suchen als auch das Meer…
Read the full article at ORF News →