Gipfeltreffen in Évian : G7 festigen Paradigmenwechsel bei Entwicklungspolitik
Die Zusammenarbeit mit dem Globalen Süden soll effizienter und effektiver werden. Dafür wollen die Industrienationen mehr privates Kapital nutzen.
Die Entwicklungsorganisation Oxfam kritisiert die „Großköpfe“ der G7-Staats- und Regierungschef vor dem Gipfeltreffen in Évian
Christophe Ena/ap
Die Staats- und Regierungschefs der G7-Staaten wollen die Entwicklungszusammenarbeit reformieren, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung von Dienstagabend. Sie soll effizienter und effektiver werden. Im Kern wollen die Industrienationen mehr auf privates Kapital setzen, dass über Garantien abgesichert wird, und „beidseitige Interessen“ stärker in den Vordergrund stellen.
Damit schreiben die Industrienationen einen Paradigmenwechsel fort, der bereits von den G7-Entwicklungsminister*innen beim Treffen in Paris im April verabschiedet wurde. Auf explizite Verweise zu Geschlechtergerechtigkeit und Klimaschutz wurde hierbei verzichtet, um die USA unter Präsident Trump nicht zu verlieren .
An erster Stelle der G7-Erklärung steht ein „Bekenntnis zur internationalen Zusammenarbeit im Bereich der Entwicklungs- und Investitionsfinanzierung als Motor für gemeinsamen Wohlstand“. Die Industrienationen betonen weiter ihre „Bereitschaft, die am stärksten benachteiligten Menschen zu unterstützen“.
Mehr Transparenz bei Schulden
Bisherige Maßnahmen hätten wichtige Ergebnisse erzielt, führten aber zu finanzieller Abhängigkeit externer Hilfe. Ziel sei nun „die Stärkung der Eigenverantwortung der Länder und die Schaffung wachstumsfördernder Anreize“. Ein „komplexer“ Apparat der Entwicklungszusammenarbeit führe zudem zu Verschwendung von Ressourcen. Unter anderem wollen die Industrieländer ärmere Staaten dabei unterstützen, eigene Ressourcen zu mobilisieren, etwa über verbesserte Steuersysteme.
Im Hinblick auf die Schuldenkrise vieler Länder mit niedrigem und mittlerem Einkommen wollen die G7 für mehr Transparenz und Austausch von Daten über eine Initiative der Weltbank sorgen. Der bestehende Rahmen bei der G20 zum Umgang mit hochverschuldeten Staaten soll verbessert und ausgeweitet werden.
Ärmere Länder, die von „naturbedingten Schocks“ oder Konflikten betroffen sind, sollen weiterhin Ressourcen in den Bereichen Gesundheit, Bildung, frühkindliche Entwicklung oder Ernährungssysteme erhalten. Die G7-Staaten haben im Jahr 2025 ihre Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit um rund ein Viertel gekürzt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei!
Jetzt unterstützen
Mehr zum Thema
Oxfam zu G7-Gipfel in Frankreich
Einknicken vor Trump
48 Milliarden US-Dollar strichen G7-Staaten bei Entwicklungsgeldern. So viel Geld verdienen Milliardär*innen aus diesen Ländern in nur 9 Tagen.
Von
Leila van Rinsum
Kürzungen globaler Entwicklungsgelder
5,4 Millionen zusätzliche Kindstode
Dass Geberländer an humanitärer Hilfe und Entwicklungszusammenarbeit sparen, treffe vor allem globale Gesundheit und besonders Kinder, sagen Experten.
Von
Leila van Rinsum
Schuldenreport 2026
Schuldenkrise belastet den Globalen Süden
Verschuldete Staaten müssen bis zu 60 Prozent ihres Einkommens in die Schuldentilgung stecken. Welche besonders betroffen sind.
Von
Evke Bakker
10 Ausgaben für 10 Euro
Die Wochenzeitung mit taz-Blick
Unsere wochentaz bietet jeden Samstag Journalismus, der es nicht allen recht macht und Stimmen, die woanders nicht gehört werden. Jetzt zehn Wochen lang kennenlernen.
Jeden Samstag als gedruckte Zeitung frei Haus
Zusätzlich digitale Ausgabe inkl. Vorlesefunktion
Jetzt bestellen
0 Kommentare
Read the full article at taz – die tageszeitung →