An einem Montagmorgen im Frühsommer stehen wir in der Ambulanz einer spezialisierten Klinik und zögern. Haben wir gerade richtig gehört? „ePA?! Was ist ePA?“ Die elektronische Patientenakte, erklären wir vorsichtig, darin seien die gewünschten Laborergebnisse zu finden. Ein müdes Lachen ist die Antwort. Der Facharzt solle die Ergebnisse per Fax schicken oder sie diktieren. Hilfsbereit bekommt die Patientin einen Bleistift zugesteckt. Auf die ePA könne man nicht zugreifen. Also alle zehn Minuten Anrufversuch beim Facharzt. Die Uhr tickt derweil, die Wartezeit schwindet, die Ergebnisse sind nötig.
Tuut. Tuut. Seit dem 1. Oktober 2025 sind Krankenhäuser und Arztpraxen gesetzlich zur Nutzung der elektronischen Patientenakte verpflichtet. Der Zeitplan zur ePA-Einführung sei zu ambitioniert gewesen, schreibt die Deutsche Krankenhausgesellschaft (DKG) im März dieses Jahres. Die Anforderungen der Software in einem Krankenhaus sind höher als die einer normalen Arztpraxis. Laut der DKG erwarten 43 Prozent von 489 befragten Krankenhäusern, dass erst im dritten Quartal 2026 eine krankenhausweite Nutzung der ePA möglich sein wird.
Digitales Gesundheitsland
Tuut. Tuut. Das alles lesen wir zwischen zwei Anrufen und einer Mail an den Facharzt. Niemand zu erreichen, nur der freundliche KI-Anrufbeantworter, der uns zuverlässig den letzten Nerv raubt. Die Mailadresse der Praxis, unter der einst alle Anfragen schnell erledigt wurden, funktioniert nicht mehr. Die Praxis hat auf eine Online-Rezeption umgestellt. Dort klickt man sich durch Anfragemöglichkeiten und eröffnet einen Chat. Die Antworten kommen ähnlich schnell wie früher.
Immerhin brüllen wir so nicht mehr in den Telefonhörer, auf dass der manchmal schwerhörige KI-Helfer den Nachnamen richtig verstehe. Auch können Anfragen in der Mittagspause verschickt werden, ohne dass neugierige Kollegen alle Details hören. Damit die Antwort der Praxis nicht für jeden zugänglich ist, bekommt der Anfragesteller einen Code an seine Mailadresse zugeschickt. Ein reibungslos ablaufendes System. Blöd nur, dass der Code streikt. Es ist zum Verrücktwerden.
Tuut. Tuut. Die Tür zum Behandlungszimmer geht auf. Wir laufen dem Mann im weißen Kittel hinterher. Im gleichen Augenblick blinkt der Handybildschirm auf. Der Facharzt schickt die Ergebnisse. Ob mit dem Faxgerät oder als Mail, bleibt offen. Wir erholen uns jetzt in seliger Ahnungslosigkeit von diesem Stress.
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