Als vor dem Brandenburger Tor in Berlin vor einem Jahr in Beton gegossene Plastikskelette aufgefunden wurden, hielt die Polizei dies für eine sonderliche Kunstaktion. An den Skeletten war der Spruch angebracht: „Warte immer noch auf meine Rente. Danke, Merz“.
Weitere rätselhafte Vorfälle kommen hinzu: Bereits im Mai 2025 waren das Holocaust-Museum und drei Synagogen in Paris mit grüner Farbe beschmiert worden. Im September wurden vor neun Moscheen und Kulturzentren in der französischen Hauptstadt Schweineköpfe hinterlassen.
Die Vorfälle in Paris und weitere Aktionen finden sich nun in einem russischen Leak wieder, das Anfang Mai im Internet verbreitet wurde. Die Dokumente liefern auch Hinweise auf die Aktion in Berlin.
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Ein gutes Dutzend Screenshots mit Chatnachrichten sowie Projektberichte geben einen tiefen Einblick in die Kommandozentrale des russischen Beeinflussungsapparats, der offenbar solche und andere Aktionen koordiniert. Zuerst hatte t-online darüber berichtet .
In Projektberichten werden verschiedene Aktionen dokumentiert, wie etwa hier das Platzieren von Schweineköpfen vor Moscheen in Paris (Screenshots, Verpixelung und Collage: CORRECTIV)
Das Leak liefert nicht nur fehlende Puzzleteile bei der Suche nach Verantwortlichen solcher Aktionen. Es zeigt auch, dass sich in Russlands hybridem Krieg verschiedenste Akteure enger koordinieren als bislang bekannt.
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Mit Einflussoperationen gegen den Westen versucht Russland die Stimmung zu seinen Gunsten zu drehen. Nun wird klar: Wenn Russland Aktionen gegen Deutschland, Frankreich, Armenien oder andere Staaten startet, ziehen Kreml, Geheimdienst und private Firmen an einem Strang.
Ein Leak aus dem Account einer Kreml-Mitarbeiterin
Das Leak, das CORRECTIV ausgewertet hat, wird auch als „SDA-Leak“ bezeichnet. Das Kürzel steht für die „Social Design Agency“, eine russische PR-Agentur, die – angeleitet vom Kreml – Desinformationskampagnen gegen den Westen durchführt. CORRECTIV fand zudem heraus , dass Zugriffe auf Konten der SDA von IP-Adressen der russischen Regierung erfolgten.
Ein erstes Datenleck aus der Agentur gab es bereits im September 2024. Das neue Dokumenten-Paket liefert noch tiefere Einblicke in ihre Arbeitsweise.
Screenshots zeigen die interne Kommunikation über die russische Slack-Alternative „VK Teams“, außerdem enthält das Leak Projektberichte, die offenbar über die Plattform ausgetauscht wurden. Die Dateien wirken authentisch, dieselbe Benutzeroberfläche hat CORRECTIV bei Recherchen zur Desinformationskampagne „Doppelgänger“ entdeckt, hinter der die SDA steckt.
Doch es handelt sich keineswegs um ein reines „SDA-Leak“. Denn in dem Arbeitschat finden sich auch Mitarbeiter anderer russischer Einrichtungen wie dem „Institut für die Entwicklung des Internets“, die wegen ihrer Tätigkeiten wie die SDA von der EU und den USA sanktioniert sind. Sie tragen alle Pseudonyme, doch mittels einer Mitgliederliste lassen sich einige von Ihnen realen Personen zuordnen.
So ist nachvollziehen, dass die Screenshots aus dem Leak aus der Perspektive von Sofia Sacharowa stammen, einer Mitarbeiterin der Präsidialadministration. Die Kreml-Verwaltung kuratiert die Arbeit der SDA. Sacharowa ist es auch, die von einer Verabredung mit dem AfD-Politiker Maximilian Krah schreibt, der offenbar bestimmte Inhalte über seine Kanäle verbreiten sollte. Krah spricht von einer „Ente“. So eine Abmachung gebe es nicht, Sacharowa kenne er nicht.
Zu erkennen ist: Verschiedene Akteure des russischen Beeinflussungsapparats arbeiten in einer gemeinsamen Arbeitsumgebung zusammen – und koordinieren sich dort womöglich auch mit dem militärischen Geheimdienst GRU.
Steckt die SDA hinter den Sabotage-Aktionen?
Hinweise auf Sabotage-Aktionen stammen aus einem Gespräch zwischen Sacharowa und einem Mitarbeiter mit dem Pseudonym „Edward Bernays“. Er berichtet ihr über die Farb-Attacken auf jüdische Einrichtungen: „Ziel der Aktion – Diskreditierung der französischen Behörden, die unfähig sind, die Welle des islamischen Antisemitimus in Paris zu stoppen“.
In einer anderen Nachricht von Anfang 2025 schickt „Bernays“ an die Kreml-Mitarbeiterin Sacharowa einen Bericht…
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