Ein deutscher Experte für islamistischen Extremismus hat gewarnt, dass die Bedrohung durch radikale islamische Bewegungen, trotz wachsender Beweise für ihren Einfluss und ihre Aktivität in Europa, seit langem ignoriert wird. Die Bemerkungen kommen inmitten erhöhter Besorgnis nach einem Angriff während der Christopher Street Day Pride Parade in Berlin im vergangenen Juli, bei dem eine Person getötet und mehrere andere verletzt wurden. Der Täter wurde in einigen Online-islamischen Foren gelobt, was bei Sicherheitsanalysten und Experten Alarm auslöste. Der Angriff unterstrich die zunehmende Sichtbarkeit des islamistischen Extremismus in Deutschland und darüber hinaus, so Nina Scholz, eine Forscherin, die das Thema ausführlich untersucht hat.
Sie stellte fest, dass die Feier solcher Angriffe in Kommentaren auf sozialen Medien, unter Nachrichtenartikeln und sogar auf arabischen Straßen darauf hindeutet, dass Terroristen keine isolierten Individuen sind, sondern Teil eines breiteren Netzwerks. Diese Beobachtung stimmt mit den Warnungen des ehemaligen Staatsschutzchefs Omar Haijawi-Pirchner überein, der den islamistischen Extremismus als die größte Gefahr für die nationale Sicherheit bezeichnete. Scholz betonte, dass sich die Aufmerksamkeit oft auf den Rechtsextremismus konzentriert hat, die Bedrohung durch islamistische Gruppen jedoch weitgehend übersehen wurde.
Sie wies darauf hin, dass der politische Diskurs historisch den rechten Extremismus priorisiert hat, gefolgt vom linken Extremismus, was den islamistischen Extremismus, insbesondere seine heimtückischeren, in die Gesellschaft eindringenden Formen, als blinden Fleck zurücklässt. Sie forderte einen ausgewogenen Ansatz und forderte die Behörden auf, alle Formen des Extremismus ernst zu nehmen und erkannte Haijawi-Pirchners Behauptung an, dass der islamistische Extremismus derzeit die größte Herausforderung für offene, pluralistische Gesellschaften darstellt. Scholz' Interesse an dem Thema begann nach den Anschlägen vom 11. September in den Vereinigten Staaten, was sie und ihren Kollegen Heiko Heinisch dazu veranlasste, die Wurzeln extremistischer Ideologien zu untersuchen.
Während der Flüchtlingskrise von 2015 beobachtete sie, dass die bestehenden Herausforderungen durch die zunehmende Migration aus überwiegend muslimischen Ländern verschärft wurden. Dieser Zustrom schuf eine neue historische Situation, insbesondere in Bezug auf die Integration. Während die erste Generation muslimischer Einwanderer relativ klein war, haben die zweite und dritte Generation nach Scholz Anzeichen größerer fundamentalistischer Tendenzen gezeigt.
Diese Verschiebung hat zur Bildung von Parallelgemeinschaften oder sogar Gegengesellschaften in bestimmten Regionen geführt. Diese Gruppen lehnen häufig die gängigen gesellschaftlichen Normen ab und arbeiten innerhalb ihrer eigenen kulturellen Rahmenbedingungen, was die Integrationsbemühungen weiter erschwert. Trotz dieser Herausforderungen stellte Scholz fest, dass viele Muslime aufgrund der Möglichkeiten, die sie bieten, einschließlich Sicherheit, Wohlstand und der Fähigkeit, den Islam frei zu praktizieren, motiviert sind, in westliche Länder zu wandern. In einigen Fällen schließt dies die Anwesenheit radikaler Prediger und öffentliche Rituale wie Massengebete in öffentlichen Räumen ein, die in bestimmten Teilen der islamischen Welt schwierig wären.
Auf die Frage, ob der Islam selbst von Natur aus politisch sei, erkannte Scholz die Komplexität des Problems an. Sie bemerkte, dass einst in vielen muslimisch geprägten Ländern säkulare Regierungen existierten, aber seit den 1970er Jahren hat eine radikale Bewegung in der islamischen Welt an Bedeutung gewonnen.
Einzelpersonen oder kleine Gruppen, die von dieser Norm abweichen, werden häufig als Verräter bezeichnet und bedroht. Im Gegensatz dazu betonen westliche Gesellschaften die individuelle Würde, während viele islamische Gesellschaften um den Kollektivismus herum strukturiert sind, was zu einer harten Behandlung von Abweichungen führt. Während die Diskussionen darüber, wie der wachsende Einfluss des islamistischen Extremismus angegangen werden kann, fortgesetzt werden, unterstreicht Scholzs Analyse die Notwendigkeit umfassender Strategien, die die vielschichtige Natur der Bedrohung erkennen.
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