Im Bundesland Hessen wird ein Rabbiner vor den Augen seiner Kinder gestoßen, das Handy wird ihm entrissen. Die Täter machen den jüdischen Gelehrten in Deutschland für das Handeln der israelischen Regierung verantwortlich. Ein vergleichsweise harmloser Vorfall, für die Betroffen dennoch erschreckend.
Auch online werden Jüdinnen und Juden in Deutschland beschimpft oder sogar mit Morddrohungen konfrontiert. Eine Jüdin erhielt auf der Plattform Facebook das Bild einer Zyklon-B-Dose geschickt. Zyklon B, das Gas, das die Nationalsozialisten in den Konzentrationslagern nutzten , um im Holocaust Juden und Jüdinnen und andere Verfolgte zu ermorden. Der Post endete mit dem zynischen Kommentar: "Noch auf Lager."
Insgesamt rund 8700 solcher oder ähnlicher Fälle von antisemitischem Hass haben die Meldestellen des Vereins RIAS allein im vergangenen Jahr gesammelt. RIAS ist die Abkürzung für den "Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus" . Der Verein, 2018 in Berlin gegründet, erfasst Anfeindungen in Wort oder Tat gegen Jüdinnen und Juden in Deutschland und Einzelpersonen oder Institutionen, die als jüdisch wahrgenommen werden. Er orientiert sich an der Antisemitismus-Definition der "International Holocaust Remembrance Alliance" (IHRA) .
RIAS hat regionale Meldestellen in 11 der 16 Bundesländer. Jetzt hat der Verein seinen Bericht für Deutschland im Jahr 2025 vorgelegt. Repräsentativ sind die Angaben nicht, der Verein fungiert als Sammelstelle von Beschwerden und versucht, die Ergebnisse zu kategorisieren.
Für den Verein RIAS beginnt Antisemitismus vor der Strafbarkeit
Immer wieder gibt es Kritik an der Erfassung von Vorfällen durch die Organisation. Nicht jeder Vorfall ist strafrechtlich relevant, also formell eine Straftat. Julia Kopp, Projektleiterin bei RIAS Berlin , sagt, dass Antisemitismus nicht erst an einer bestimmten Schwelle wie der Strafbarkeit beginne. Nach ihrer Einschätzung näherten sich in Berlin die Gesamtzahlen von Polizei und RIAS mittlerweile an.
Kritik an der Arbeit von RIAS kam in der Vergangenheit auch von der internationalen Organisation "Diaspora Alliance" mit Sitz in Berlin. Sie warf dem vom deutschen Staat geförderten Verein vor, israelbezogenen Antisemitismus zu stark zu betonen und rechtsextreme Aktivitäten zu unterschätzen. RIAS hat diese Vorwürfe zurückgewiesen.
Das bundesweite RIAS-Ergebnis für 2025: Die Zahl der gemeldeten Anfeindungen liegt ungefähr auf dem Niveau von 2024. Erkennbar ist aber, dass die Vorfälle stark zugenommen haben, seit die islamistische Gruppe Hamas und andere am 7. Oktober 2023 Israel überfielen, mehr als 1200 Israelis töteten und 251 Menschen als Geiseln verschleppten. Im darauf folgenden Krieg Israels gegen die Hamas im Gaza-Streifen wurden mehr als 71.000 Menschen getötet, darunter viele Zivilisten.
Entwicklung im Krieg im Nahen Osten hat kaum Auswirkungen
Dass auch manche Jüdinnen und Juden in Deutschland die aktuelle israelische Regierung kritisch sehen, kümmert die Absender von Hass-Botschaften offenbar wenig. Auch aktuelle Entwicklungen im Nahost-Konflikt, etwa die Waffenruhe zwischen Israel und der Hamas im Oktober vergangenen Jahres , spiegeln sich in Zahl, Zeitpunkt und Intensität der Angriffe so gut wie gar nicht wieder.
Josef Schuster: Große Sorgen unter deutschen Juden
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2025 registrierte der RIAS-Report bundesweit vier Fälle extremer Gewalt, bei denen glücklicherweise niemand ums Leben kam. Am meisten Schlagzeilen machte der Messer-Angriff auf einen spanischen Besucher des Stelenfelds, dem Holocaust-Mahnmal für die ermordeten Juden Europas in Berlin, im Februar 2025. Der Mann aus Spanien konnte durch einen Notarzt gerettet werden, der Täter wurde im März diesen Jahres zu 13 Jahren Haft verurteilt . Der Verurteilte stammt aus Leipzig und hielt den Spanier für einen Juden.
Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter von RIAS ordnen 68 Prozent aller Vorfälle dem auf Israel bezogenen Antisemitismus zu. Der Staat Israel als Heimstätte jüdischer Menschen nach dem Zweiten Weltkrieg wird als Staat aller jüdischen Menschen weltweit verstanden. Aber längst nicht alle Jüdinnen und Juden weltweit sind Israelis und umgekehrt sind längst nicht alle Menschen mit israelischem Pass jüdischen Glaubens.
Darauf wies jetzt auch Josef Schuster hin, der Vorsitzende des Zentralrates der Juden in Deutschland . Er sagte im Interview mit der DW vor wenigen Tagen: "In Israel gibt es eine gar nicht so kleine christliche und auch muslimische Minderheit. Und Juden in Deutschland haben primär einen deutschen Pass."
Felix Klein: "Antisemitismus bedroht unsere Demokratie"
Das Bundesamt für Verfassungsschutz hat in einer Broschüre, die vor einem Monat erschien, Antisemitismus so definiert: "Antisemitismus bezeichnet negative bis feindselige Vorstellungen, Haltungen und Gewalt gegenüber Jüdinnen und Juden oder Menschen, die als jüdisch angesehen w…
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Deutsche Welle (English)State / PublicCenter4 days ago Germany: Reports of antisemitism in 2025 remain highDeutsche Welle reports on a 2025 study by RIAS, a German government-funded organization, documenting high levels of antisemitism in Germany. The report includes incidents such as a rabbi being physically assaulted and receiving death threats online. RIAS collects and classifies antisemitic incidents nationwide through its regional offices.
Bias read (Center): The article presents factual information based on RIAS' documented incidents without overtly favoring any political perspective. It describes events neutrally and does not include explicit commentary or framing that suggests a particular ideological stance.
Official sources cited
- organisation RIAS Annual Report 2025
Tagesschau (ARD)State / PublicCenter4 days ago Number of anti-Semitic incidents remains highThe annual report by the RIAS (Federal Association of Research and Information Centers Against Antisemitism) indicates that the number of antisemitic incidents in Germany remained high in 2025, with a total of 8,725 cases recorded. These include verbal attacks, threats, and vandalism, with some incidents involving physical assaults and extreme violence, including a terrorist knife attack in Berlin. The report highlights that antisemitism has become a daily reality for many Jews in Germany.
Bias read (Center): The article presents factual data from the RIAS report without overtly biased language or selective sourcing. It reports on the findings objectively, citing the RIAS organization and quoting Felix Klein, the federal government commissioner against antisemitism. There is no clear ideological framing,
Official sources cited
- organisation RIAS Annual Report 2025
- government Felix Klein, Federal Commissioner Against Antisemitism
Deutsche Welle (Deutsch)State / PublicCenter4 days ago Anti-Semitism report: A can of Zyklon B used as a Facebook postThe article discusses incidents of antisemitism in Germany, including a physical attack on a rabbi in Hesse and online harassment involving a post with an image of a Zyklon-B gas canister, referencing the Holocaust. The report by the organization RIAS highlights over 8,700 cases of antisemitic hate in Germany last year. RIAS, established in 2018, tracks verbal and physical attacks against Jews and those perceived as Jewish, using the IHRA definition of antisemitism.
Bias read (Center): The article presents factual information about antisemitic incidents without overtly favoring any political perspective. It reports on events and data collected by RIAS, maintaining neutrality in tone and framing.
Official sources cited
- organisation RIAS Report on Antisemitism in Germany
- organisation International Holocaust Remembrance Alliance (IHRA)