Das iranische Regime hält nicht nur das eigene Volk und die Freiheit im Land in Geiselhaft, sondern mit der Blockade der Straße von Hormus auch Teile der Weltwirtschaft und Europas Sicherheit. Doch das Problem ist größer als das Thema dieser Meerenge. Das eigentliche Problem ist ein Regime, dessen Überleben auf innerer Repression, Terrorismus, Geiselnahmen und regionaler Destabilisierung beruht.
Teheran unterliegt dabei einem strategischen Irrtum. Die Führung glaubt, weil sie den Krieg überstanden habe, sei sie stärker geworden und könne die aktuelle Krise, die Drohung mit der Sperrung der Straße von Hormus und das Kriegsklima nutzen, um dem Westen und den Staaten der Region ihre Bedingungen aufzuzwingen. Doch echte Stärke ist etwas anderes als Machtdemonstration. Ein Regime, das seine Gesellschaft in Armut, Wirtschaftskrise und Unterdrückung gestürzt hat, kann keine stabile Regionalmacht werden.
Europa hat jedes Recht, sich um die Freiheit der Schifffahrt in Hormus zu sorgen. Auch Ursula von der Leyen betonte, jedes Abkommen müsse zur Deeskalation beitragen und die freie Schifffahrt garantieren. Tatsache ist jedoch: Solange dieses Regime existiert, bleiben die nukleare Bedrohung, regionale Instabilität und Terrorismus bestehen.
Lesen Sie auch
Das Grundproblem westlicher Politik war in den vergangenen vier Jahrzehnten die Fixierung auf zwei falsche Optionen: Beschwichtigung und Hoffnung auf eine „Verhaltensänderung des Regimes“ – oder Krieg. Beide Ansätze haben ihre Ziele verfehlt. Mehr als zwanzig Jahre Verhandlungen und Zugeständnisse haben das Regime weder moderater gemacht noch die Region stabilisiert. Die Erfahrungen mit Irak und Libyen haben gezeigt, dass militärische Interventionen nicht automatisch Freiheit und dauerhafte Stabilität bringen.
Die iranische Opposition schlägt deshalb einen dritten Weg vor: Veränderung durch das iranische Volk und seinen organisierten Widerstand.
Tatsächlich ist das Regime heute massiv geschwächt
Gerade die jüngste Welle politischer Hinrichtungen zeigt, wie sehr das Regime diese Perspektive fürchtet. In den vergangenen 45 Tagen wurden mindestens 39 politische Gefangene hingerichtet – vor allem junge Menschen und Unterstützer des organisierten Widerstands. Diese Hinrichtungen sind kein Zeichen von Stärke, sondern Ausdruck der Angst vor einer explosiven Gesellschaft.
Keine der Krisen, die zu den landesweiten Aufständen von 2018, 2019, 2022 und 2026 geführt haben, wurde gelöst: Inflation, Währungsverfall, Korruption, Wasser- und Energiekrise, Arbeitslosigkeit, Frauenunterdrückung und das Fehlen elementarer Freiheiten haben sich weiter verschärft. Die Welt konnte im landesweiten Januar-Aufstand den klaren Wunsch besonders der jungen Generation nach einem Regimewechsel erkennen.
Tatsächlich ist das Regime heute massiv geschwächt. Die Nachfolgekrise an der Staatsspitze, der Verschleiß der Repressionsorgane, interne Machtkämpfe, wirtschaftlicher Druck und militärische Rückschläge haben das System fragiler gemacht als je zuvor. Selbst ein mögliches Abkommen mit den USA würde weder die Legitimationskrise noch die gesellschaftliche Unzufriedenheit lösen. Entscheidend für das Überleben des Regimes ist nicht Außenpolitik, sondern die Frage, ob es seine inneren Krisen bewältigen kann. Die Antwort lautet klar: nein.
Lesen Sie auch
Der wichtigste Faktor bleibt jedoch die Existenz einer organisierten Kraft im Zentrum dieser explosiven Gesellschaft. Ein Blick auf die Opfer der jüngsten Hinrichtungswelle spricht für sich: Es handelt sich überwiegend um Mitglieder und Aktivisten der Volksmudschaheddin (MEK), um Angehörige sogenannter Widerstandseinheiten sowie um junge Menschen, die während des Aufstands 2026 verhaftet wurden. Das Regime fürchtet nicht allein soziale Unzufriedenheit, sondern ein organisiertes Netzwerk, das Proteste koordiniert und angeführt hat.
Diese Kraft ist kein Fremdkörper, sondern Teil derselben Gesellschaft, die unter Armut und Unterdrückung leidet. Deshalb reproduziert sich der Widerstand immer wieder – und deshalb kann das Regime ihn trotz Hinrichtungen nicht beseitigen. Europa muss diese Realität erkennen. Die Politik der Beschwichtigung hat weder die Menschenrechtslage verbessert noch Europas Sicherheit gestärkt. Im Gegenteil: Das iranische Regime greift inzwischen selbst auf europäischem Boden zu Terror- und Einschüchterungsnetzwerken.
Es ist Zeit für eine neue Politik
Europa ist gegenüber Teheran keineswegs machtlos. Bereits wenige diplomatische Schritte könnten viel bewirken: Die EU sollte das Recht des iranischen Volkes auf Widerstand gegen die Diktatur anerkennen, die Beendigung politischer Hinrichtungen zur zentralen Bedingung jeder Beziehung mit Teheran machen und die Verantwortlichen für Repression gezielt sanktionieren.
Lesen Sie auch
Zugleich muss Europa die Existenz einer demokratischen Alternative ernstnehmen. Der Zehn-Punkte-Plan von Maryam Rajavi, der Präsidentin des Nationalen Widerstandsrates Iran, – mit freien Wahlen, Trennung von Religi…
Read the full article at Cicero →