Essen & Trinken
Was ist Subzero-Kaffee – und warum pilgert die Gen Z dorthin?
Das neueste Trend-Getränk in Wien ist eiskalter Kaffee. Wir haben probiert, was die Jungen und Influencer derzeit richtig feiern
Kevin Recher
Kaffee mit minus 80 Grad und cremiger Basque-Cheesecake, quasi das 1er-Menü im neuen Lightsout-Café.
Zuerst eine Triggerwarnung: Das ist kein Boomer-freundlicher Artikel. Hier geht es um den neuesten "heißen Scheiß" – wobei man es eigentlich gar nicht so nennen kann, denn beim aktuellsten Trend der Stadt geht es um eiseiskalten Kaffee. Und die Influencer und die Gen Z pilgern regelrecht dorthin. Was ist da los auf Social Media?
Vor knapp zwei Wochen hat das Lightsout Café in der Josefstädter Straße 42 eröffnet. Dort gibt es Kaffee, Matcha, Snacks wie Kuchen und Bagels und abends auch Drinks. Auf den ersten Blick wie jede andere Café-Neueröffnung auch. Es ist ein Ableger des Truth Cafés, das es in Wien bereits an drei anderen Standorten gibt und für seinen cremigen Basque Cheesecake bekannt ist (haben wir auch probiert: schmeckt dekadent, aber 5,90 Euro ist schon crazy, was Kuchen mittlerweile überall kostet).
Nur: Beim Besuch sieht man hier die Gen Z an einem Montagvormittag sitzen und übermäßig viele Fotos und Videos machen. Da wird das Kaffeeschlürfen und Cheesecake habern dramatisch inszeniert. Und ein Blick auf Instagram und TikTok zeigt, dass jede Influencerin und alle, die sich noch ein bisschen Fame im Internet erhoffen, hier waren. Kein Wunder also, dass die Bude seit der Eröffnung mit den Girls und Boys voll ist, wie auch eine Anrainerin erzählt. Der Grund ist der sogenannte Subzero Coffee.
Das Café im derzeit angesagten Chrom-Look.
Eiskalt, baby!
Dabei geht es gar nicht um den Kaffee per se, sondern um das Gefäß. Bei Lightsout wird das Kaffeeglas bei minus 86 Grad tiefgefroren. Dort hinein werden dann Milch und Kaffee gefüllt. Zu Tisch gebracht bekommt man die Anleitung gleich mitgeliefert: Zehn Sekunden warten, dann umrühren und genießen. Aber nicht in Wiener Kaffeehausmanier! Wehe! Innerhalb einer Minute genießt man den eiskalten Kaffee am besten, heißt es, denn am Boden und an den Wänden des Glases gefriert die Kaffee-Milch-Mischung sonst zu einer Art Freddo, das anschließend ausgelöffelt werden kann. Je länger man wartet, desto mehr gefrorenen Kaffee entsteht. Aber wie gesagt: Man sollte den Kaffee mit Timer trinken und runterzischen, wie man es al banco aus Italien kennt. Das gehört zur Experience dazu.
Und wie schmeckt's? Man will den Kaffee mehr hassen, als er es verdient hat. Klar, er ist ein Gimmick, niemand braucht ihn so wirklich (aber was braucht man schon wirklich-wirklich?), er ist Social-Media-tauglich und lockt deswegen gerade alle U30-Leute in den achten Bezirk, die für ihren Feed mal ein Cleansing vom Iced Matcha brauchen. Aber der Polar-Kaffee schmeckt halt auch. Er ist cremig, super erfrischend, besonders an viel zu heißen Sommertagen, nicht zu süß, und wer auf Kaffeeeis und Eiskaffee steht, bekommt hier ein gutes Zwei-in-eins-Angebot, das es übrigens auch mit Matcha, Kakao oder Ube gibt. Ach ja: Der Spaß, der in wenigen Minuten vorbei ist, startet bei 6,50 Euro. Der tiefgefrorene Matcha geht um 7,90 Euro über die Budel.
Man will den Influencer selten recht geben. Aber der Hype um den tiefgefrorenen Kaffee ist nicht ganz unbegründet. Nein, man muss nicht extra in die Josefstädter Straße pilgern. Aber ist man mal in der Nähe und die Sonne knallt unbarmherzig auf die Asphaltwüste des Achten, kann man ruhig einkehren und den trendigen Kaffee probieren. Aber wie beim Aufriss im Club gilt auch hier: Einmal ist schön und gut, ein zweites Treffen braucht es nicht notwendigerweise. Da ist der Zauber bereits verflogen. (Kevin Recher, 9.6.2026)
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