Endlich endet der sinnlose Krieg zwischen Iran und den USA, der das Regime womöglich noch stabilisiert hat. Vieles ist noch unklar, trotzdem ist es ein Grund zum Aufatmen.
Unterschrift in historischer Kulisse: Donald Trump ist in Gedanken schon woanders, während Präsident Macron ihm das Schloss zeigt
Anna Moneymaker/Pool Getty
O b der US-Präsident wusste, welche Assoziationen die geschichtsträchtige Kulisse weckt? Ausgerechnet in Versailles setzte Donald Trump seine Unterschrift unter das Rahmenabkommen, das den Irankrieg beenden soll. Und so, als wäre es 1919, fielen manche Reaktionen aus: Kritiker auch hierzulande sprachen von „Katastrophe“ und „Kapitulation“. Die Falken und Kriegstreiber sind enttäuscht, denn sie hatten sich zu viele Illusionen gemacht.
Noch sind viele der Fragen offen, über die in den nächsten 60 Tagen in der Schweiz verhandelt werden soll. Die Zukunft des iranischen Atomprogramms ist unklar, auch über sein Raketenprogramm will Teheran nicht verhandeln . Unklar ist ebenso, ob Trump Israels Premier Benjamin Netanjahu dazu bewegen kann, seine Truppen aus dem Süden des Libanons abzuziehen, wie es das Abkommen vorsieht. Klar ist aber, dass dessen hochfliegende „Regime Change“-Fantasien nun zerschellt sind. Es waren Luftschlösser, in die sich Schah-Sohn Reza Pahlavi und seine Anhänger schon eingerichtet hatten.
Trump begründet sein Einlenken damit, dass sonst eine Weltwirtschaftskrise wie 1929 gedroht hätte. Er wolle kein Herbert Hoover sein, der damals US-Präsident war, sagte er. Was er unterschlägt: Es war kein plötzlicher Börsencrash, der diese Krise ausgelöst hat, sondern er selbst mit seinem unbedachten Angriff auf Iran. Die Energiepreise sind deshalb explodiert, Düngemittel wurden knapp . Es kann zwar noch Monate dauern, bis sich die Handelsströme normalisieren und die Welt sich vom Energieschock erholt. Aber immerhin bleibt der Welt damit eine dramatische Hungerkrise erspart – vorausgesetzt, das Abkommen hält.
Es ist gut, dass dieser Krieg endet. Er war völkerrechtswidrig, hat zu viele Tote gefordert und hätte nie begonnen werden dürfen. Um die Menschen in Iran ging es Trump und Netanjahu nie – das war nur eine nützliche Lüge. Vielmehr hat es dieser dumme Krieg den Menschen erschwert, sich aus dem Griff ihres Regimes zu lösen. Am Ende hat er das Regime womöglich stabilisiert.
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Daniel Bax
Redakteur
Daniel Bax ist Journalist und Autor und schreibt über Politik, Kultur und Gesellschaft in Deutschland. Er arbeitet als Themenchef im Regieressort der taz und hat mehrere Bücher veröffentlicht: “Angst ums Abendland” (2015) über antimuslimischen Rassismus und “Die Volksverführer“ (2018) über den grassierenden Rechtspopulismus. Sein aktuelles Buch "Die neue Lust auf Links" über das Comeback der Linkspartei ist Ende 2025 im Goldmann Verlag erschienen. Impressum: Daniel Bax c/o taz, die tageszeitung. taz Verlags- und Vertriebs GmbH, Friedrichstr. 21, 10969 Berlin
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