Gesundheit
Transplantation für Mette-Marit: Wie lange wartet man auf eine Spenderlunge?
Ist eine Transplantation nötig, kommt man in ein entsprechendes Register. Dringliche Fälle werden vorgereiht. Bei einer Lunge müssen zudem Größe und Blutgruppe passen
Pia Kruckenhauser
Die norwegische Kronprinzessin Mette-Marit hatte schon länger Atemprobleme, auf dem Bild von Anfang April 2026 trägt sie bereits einen Sauerstoffschlauch. Nun hat sie eine neuen Lunge bekommen.
Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit hat eine neue Lunge bekommen und erholt sich derzeit von dem Eingriff. Das teilte das Königshaus am Mittwoch in einer Erklärung mit. Die Operation sei nach bisherigem Stand "erfolgreich verlaufen", erklärt der Herz-Thorax-Chirurg Arnt Fiane vom Nationalkrankenhaus in Oslo. Bei der 52-jährigen Ehefrau von Kronprinz Haakon, dem Thronfolger Norwegens, wurde 2018 eine Lungenfibrose diagnostiziert, eine chronische Erkrankung, die zu Vernarbungen in der Lunge führt und eine verminderte Sauerstoffaufnahme zur Folge hat.
Das Universitätsklinikum Oslo teilte am 5. Juni mit, dass Mette-Marit auf die Warteliste für eine Lungentransplantation gesetzt worden sei, nachdem sich ihr Gesundheitszustand zuletzt erheblich verschlechtert hatte. Demnach wäre ihr ohne Operation wahrscheinlich nur noch ein Jahr zu leben geblieben. Die Kronprinzessin wird nun noch mehrere Wochen im Krankenhaus bleiben, sagt der Lungenfacharzt Are Holm vom Universitätsklinikum Oslo in einer vom Palast bereitgestellten Erklärung. Erst bei ihrer Entlassung sei das nächste Update zu erwarten.
Die Transplantation passierte nun ziemlich rasch, das ruft auch einige kritische Kommentare auf den Plan. Der STANDARD distanziert sich ausdrücklich von diesen Stimmen. Doch das berechtigte Interesse an diesem lebensrettenden Eingriff ist ein guter Anlass, um darüber aufzuklären.
Länderübergreifend organisiert
Organtransplantationen sind mittlerweile schon fast ein Standardeingriff, die Lebenserwartung von Personen mit transplantiertem Organ ist praktisch gleich hoch wie die von Menschen mit dem eigenen Organ, berichtet Christoph Hörmann. Er ist Primar der Anästhesie und Intensivmedizin am Universitätsklinikum St. Pölten und war bis vor kurzem Präsident der ÖGARI, der Österreichischen Gesellschaft für Anästhesiologie, Reanimation und Intensivmedizin. Seine Informationen beziehen sich generell auf den Vorgang der Organtransplantation, nicht auf den Fall der norwegischen Kronprinzessin.
Die Organvergabe in Österreich ist international organisiert über das Register der Stiftung Eurotransplant mit Sitz im niederländischen Leiden. Neben Österreich sind Belgien, Deutschland, Kroatien, Luxemburg, die Niederlande, Ungarn und Slowenien Mitglieder der Organisation. Auf zentralen Wartelisten werden alle Personen, die auf ein Organ warten, erfasst. Steht ein Organ zur Verfügung, organisiert die Behörde die Weitergabe. Das läuft nach strengen Kriterien ab: Wartezeit, Blutgruppe und Größe des Organs müssen passen, aber auch der Zustand der wartenden Personen wird regelmäßig evaluiert. Bei akuter Lebensgefahr kann eine Person als 'high urgent' eingemeldet und auf der Warteliste entsprechend vorgereiht werden . Die Dringlichkeit wird auch von einem unabhängigen Gremium geprüft.
Norwegen ist nicht bei Eurotransplant dabei, die skandinavischen Länder haben ein eigenes Netzwerk, Scandiatransplant, mit Sitz im dänischen Aarhus. Beide Organisationen verteilen Spenderorgane nach dem gleichen, oben beschriebenen Grundsatz. Scandiatransplant führt für alle Mitgliedsländer jeweils eine große, länderübergreifende gemeinsame Warteliste pro Organ, was den grenzüberschreitenden Austausch von Organen innerhalb der nordischen Region eng und unkompliziert macht.
Größe muss passen
Bei der Lunge – ebenso wie bei Herz und Leber – muss dabei nicht nur die Blutgruppe des Spenders mit der des Empfängers übereinstimmen, auch die Größe des Organs muss passen. "Ist die Lunge zu klein, legt sie sich nicht gut an die Thoraxwand an. Dann tritt Luft in den Spalt zwischen Lunge und Brustwand ein und die Atmung funktioniert nicht reibungslos", erklärt Hörmann. Ist sie zu groß, wird sie regelrecht zusammengequetscht. "Dann kann sie sich nicht gut entfalten, wird nicht so gut belüftet und man bekommt sehr leicht eine Lungenentzündung."
Wie lange man im Durschschnitt auf ein Organ wartet, kann man nicht sagen. Zwar gibt es von Eurotransplant eine Statistik dazu, doch die ist für die einzelne Person nicht aussagekräftig, berichtet Hörmann. Einerseits müssen eben Größe und Blutgruppe passen, andererseits weiß man nicht, wann ein Organ zur Verfügung steht. "Man kann im Extremfall innerhalb von Stunden ein Organ bekommen, es kann aber auch mehrere Wochen dauern." Und es kommt auch vor, dass Menschen, die auf der Warteliste stehen, sterben, weil eben nicht rechtzeitig ein Organ zur Verfügung steht.
Gefahr der Abstoßung
Ist das Organ transplantiert, muss der Patient oder die Pati…
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