Stand: 08.06.2026 • 20:38 Uhr
Um den Eröffnungstermin vom S21 zu halten, hat die Bahn in der Hektik falsche Kabel verlegt - und kann nun erst 2031 den Bahnhof in Betrieb nehmen. Hinzu kommen weitere Gründe.
Von Frieder Kümmerer
Wären die Folgen nicht so fatal, würde man gern darüber lachen und sagen: Fehler passieren. Aber Baden-Württemberg leidet seit 16 Jahren unter den Folgen von Stuttgart 21. Und eine SWR-Recherche zeigt: Die Bahn wollte dem Elend ein Ende bereiten und S21 schnell in Betrieb nehmen. Aus diesem Eifer heraus traf man eine fatale Fehlentscheidung: Von mehr als 1.000 Kilometern verlegten Kabeln und Schächten muss nun der Großteil getauscht werden. Auch deswegen verzögert sich die vollständige Inbetriebnahme wohl bis 2031.
Stuttgart 21: Digitale Technik und falsche Kabel
Wie so oft hängen die Probleme bei S21 mit dem Digitalen Bahnknoten zusammen. Erstmals soll ein gesamter Knoten digitalisiert werden: Die Strecken und Züge werden mit dem European Train Control System (ETCS) ausgestattet und von einem digitalen Stellwerk gelenkt. In dieser Kombination ist das ein Pilotprojekt. Doch vor vier Jahren stellte die Bahn fest: Im Randbereich des Bahnknotens fahren noch jahrelang Güterzüge ohne ETCS. Dort braucht es neben der digitalen Technik herkömmliche Signale.
Digitaler Knoten Stuttgart
Der sogenannte Digitale Knoten Stuttgart ist ein bundesweites Pilotprojekt der Deutschen Bahn. Dabei werden alle S21-Strecken und große Teile des S-Bahn-Netzes der Region Stuttgart mit dem digitalen Bahnleitsystem ETCS (European Train Control System), digitalen Stellwerken und automatisiertem Zugbetrieb ausgestattet. Mit ETCS werden die Signale entfernt und die Blockabschnitte digital gesteuert. Alle Züge senden ihre genaue Position an ein digitales Stellwerk. Darüber empfangen die Lokführer auch die Position von anderen Zügen. Durch das ETCS weiß der Lokführer stets, wie weit der nächste Abschnitt frei ist, wie schnell er fahren darf und wann er abbremsen muss. Bisher wurden Eisenbahnstrecken in Blöcke eingeteilt und diese durch Signale voneinander getrennt.
Dafür musste die Bahn kilometerweise zusätzliche Kabel verlegen und Kabelschächte bauen. Allein zwischen Stuttgart-Bad Cannstatt und Waiblingen (Rems-Murr-Kreis) sind es rund 1.200 Kilometer. Doch der Großteil der schon verlegten Kabel und gebauten Schächte passen nicht. Sie müssen getauscht werden beziehungsweise werden gerade getauscht. Das haben mehrere Insider dem SWR bestätigt. Auch deswegen platzte der Eröffnungstermin im Dezember 2026.
Aus Termindruck wohl falsche Entscheidung getroffen
Das Zusammenspiel zwischen der Bahn, dem Hersteller der digitalen Stellwerkstechnik und den Baufirmen soll schief gelaufen sein. Normalerweise läuft der Bau eines Bahnknotens so ab:
Bahn gibt ein neues Stellwerk und Zugsicherungstechnik (Signale, ETCS) in Auftrag.
Die gemeinsame Planung ergibt, welche Kabel, Schächte, Verteilerkästen und mehr gebraucht werden.
Bahn beauftragt entsprechend die Baufirmen.
Der Hersteller installiert die Zugsicherungstechnik und schließt sie an.
Laut Insidern ist dieser Ablauf aber nicht eingehalten worden. Noch bevor die Planungen abgeschlossen waren, hat die Bahn das Verlegen von Kabeln in Auftrag gegeben. "Streckensperrungen waren eingerichtet, Baufirmen beauftragt", so ein Insider. Hätte man diese Gelegenheit nicht genutzt, wäre das S21-Projekt erheblich in Verzug gekommen: "Man hätte wieder neue Streckensperrungen einrichten müssen."
Die Bahn hat beim Digitalen Bahnknoten von Stuttgart 21 viele Kilometer Kabel und Kabelschächte falsch verlegt - ein Großteil muss jetzt getauscht werden.
Eine unternehmerische Entscheidung also: die Kabel verlegen, die am wahrscheinlichsten sind, die Standardkabel für Signaltechnik. Das Bizarre: "Wir wollten den Eröffnungstermin von Stuttgart 21 nicht gefährden", so der Insider. Dabei wird etwas später klar: Wegen der falschen Kabel und teils zu kleinen Schächte verschiebt sich das Bahnprojekt um mehrere Jahre.
Panne bei ETCS: Was sagen die Bahn und Hitachi?
Der SWR hat die Bahn mit der Recherche konfrontiert. Auf eine schriftliche Anfrage antwortet die Bahn dazu lediglich: "Die Geschäftsführung der DB Projekt Stuttgart-Ulm GmbH ist damit beauftragt, bis spätestens Mitte 2026 ein neues Inbetriebnahmekonzept für S21 zu erarbeiten und mit allen Projektpartnern verbindlich abzustimmen." Man bitte um Verständnis, dass man sich bis dahin nicht äußern könne.
Auch Hitachi, den Hersteller der digitalen Leit- und Sicherungstechnik, hat der SWR angefragt. Immer wieder hat die Bahn die Firma für Probleme bei S21 verantwortlich gemacht. Hitachi selbst hat sich selten dazu geäußert - das Unternehmen darf es aus vertraglichen Gründen nicht. Jetzt durfte der SWR erstmals seit Jahren im April 2026 Hitachi am deutschen Standort in Ditzingen (Kreis Ludwigsburg) besuchen.
Hitachi: Es gibt manchmal Dissens - aber wir gehen das partnerschaftlich an
Klar ist: Hitachi scheint überzeugt zu sein, dass ETCS…
Read the full article at Tagesschau (ARD) →📄Source document: Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne)
5 reports
Der SpiegelIndependentCenter8 days ago Stuttgart 21: This follows from the German railway's megaflopThe article discusses the ongoing issues with the Stuttgart 21 railway project, highlighting its failure and the long-term consequences for passengers, the region, and the state-owned railroad company.
Bias read (Center): The article presents the situation objectively without overtly favoring any political side. It focuses on the consequences of the failed project without using biased language or selective sourcing.
Frankfurter Allgemeine (FAZ)Independent🔒Center12 days ago Stuttgart 21: Destructive news for the country and railway customersThe article discusses significant delays in the Stuttgart 21 infrastructure project, which has drawn sharp criticism from Baden-Württemberg's Minister President Cem Özdemir (Greens). The opening of the through station is now expected by the end of 2031, five years later than originally planned. Özdemir emphasized the need for reliable deadlines and high-quality execution of the project, with no compromises on digitalization, additional tracks on access routes (P-option), or the construction of the Pfaffensteigtunnel. He plans to speak with Deutsche Bahn CEO Evelyn Palla soon. Transport Minster
Bias read (Center): The article reports on delays in an infrastructure project without overtly favoring any political side. It quotes officials from different parties (Greens and CDU) and focuses on factual updates regarding the project timeline and requirements.
Official sources cited
- government Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne)
- government Verkehrsministerin Nicole Razavi (CDU)
Tagesschau (ARD)State / PublicCenter13 days ago SWR investigation: Railways have moved 21 wrong cables to StuttgartThe article reports that Deutsche Bahn made a critical error during the construction of Stuttgart 21 by laying incorrect cables, which has significantly delayed the project. The mistake was made in the rush to meet the opening deadline, and now most of the cables and shafts laid over more than 1,000 kilometers must be replaced. This delay is expected to push the full operational start of the station to 2031. The issues are linked to the implementation of the Digital Railway Node in Stuttgart, a nationwide pilot project involving the European Train Control System (ETCS).
Bias read (Center): The article presents factual information about technical errors in infrastructure development without overtly favoring any political side. It focuses on the consequences of the mistake and provides context about the broader project without using biased language or selective sourcing.
Official sources cited
- organisation SWR-Recherche
- organisation Deutsche Bahn
Der SpiegelIndependentCenter13 days ago Stuttgart 21: Railway project to be completed by the end of 2031 at the earliestThe article discusses the ongoing delays of the Stuttgart 21 railway project, which was originally scheduled to open in 2019 but has faced multiple postponements since construction began in 2010. The German Federal Railway Company (Deutsche Bahn) did not officially confirm the latest delay but indicated it would provide updates by late June. According to previous reports, the planned opening date of December 2026 is no longer feasible, with the new timeline potentially pushing the completion to as late as 2031.
Bias read (Center): The article provides factual information about project timelines and does not exhibit biased language, one-sided sourcing, or editorializing. It remains neutral in tone and focuses on reported facts without taking a stance on the issue.
Official sources cited
- organisation Deutsche Bahn spokesperson statement
- organisation SPIEGEL report on project delays
Frankfurter Allgemeine (FAZ)Independent🔒Center13 days ago Delayed construction: Stuttgart 21 will not be completed until the end of 2031The Stuttgart 21 project, a multi-billion euro railway infrastructure project in Germany, has been delayed again, with its opening now expected by the end of 2031 instead of earlier this year. The delay is attributed to 'drastic delays' by the responsible project company of Deutsche Bahn. The new CEO of Deutsche Bahn, Evelyn Palla, initiated a comprehensive review at the end of last year, which led to the revised timeline. Initial improvements are planned for the end of 2027.
Bias read (Center): The article presents factual updates on the project's timeline without overtly favoring any political side. It cites internal sources and mentions the involvement of the state government but does not frame the information with clear ideological bias. The tone remains neutral, focusing on logistical,
Official sources cited
- organisation Internal sources close to the project
- government Baden-Württemberg State Government