Die Aussicht auf ein mögliches Friedensabkommen zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Optimismus an den Finanz- und Rohstoffmärkten. Im Zentrum steht die Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten der Welt, auch und vor allem für Ostafrika. Durch die Meerenge zwischen dem Persischen Golf und dem Golf von Oman wird ein erheblicher Teil des weltweit gehandelten Erdöls transportiert. Jede Krise in der Region treibt die Energiepreise nach oben, jede Entspannung wirkt preisdämpfend.
Am Freitag wollen USA und Iran eine Rahmenvereinbarung unterzeichnen. Sollte anschließend auch das von US-Präsident Donald Trump angekündigte Abkommen tatsächlich zustande kommen und die Straße von Hormus wieder vollständig für den internationalen Schiffsverkehr geöffnet werden, würde die Menschen in Afrika davon besonders entlastet. Viele Volkswirtschaften des Kontinents leiden besonders stark unter importierter Inflation bei Energie, Düngemitteln und Lebensmitteln - genau jene Bereiche, die von den Spannungen am Persischen Golf besonders betroffen waren.
Ein mögliches US-Iran-Abkommen käme für viele afrikanische Staaten daher einem Konjunktur- und Ernährungspaket gleich. Die größten Gewinner wären energie- und düngerabhängige Importländer in Ostafrika, Nordafrika und der Sahelzone. Auch afrikanische Fluggesellschaften könnten sich wieder Luft verschaffen. Ölproduzenten wie Nigeria, Angola oder Algerien könnten dagegen deutlich weniger profitieren, sagen Experten im Gespräch mit der DW.
Warten auf eine Einigung: Noch ankern viele Schiffe im Persischen Golf, anstatt Waren über die Weltmeere zu transportieren Bild: AFP
"Die beste Nachricht für Afrika seit Langem"
Besonders groß ist die Hoffnung in Ostafrika. Dort verfolgen Regierungen, Unternehmen und Verbraucher die Berichte über eine mögliche Einigung zwischen Washington und Teheran mit großer Aufmerksamkeit.
"Das ist die beste Nachricht für Afrika seit Langem", sagt Samuel Nyandemo, Wirtschaftsprofessor an der Universität Nairobi, der bedeutendsten Hochschule der ostafrikanischen Region.
Aus seiner Sicht würde eine Wiederöffnung der Straße von Hormus weit über die Energieversorgung hinauswirken. "Sobald die Route geöffnet wird, erwarten wir eine einfache Mobilität von Waren und Dienstleistungen", sagt Nyandemo. Afrikanische Exporte nach Europa und Asien könnten wieder ohne Umwege transportiert werden, Lieferketten würden sich stabilisieren und Transportkosten sinken.
Der Krieg im Persischen Golf hat in vielen afrikanischen Ländern eine Energiekrise ausgelöst. Foto: Autoschlangen vor einer Tankstelle in der mosambikanischen Stadt Chimoio Bild: DW/B. Jequete
Gerade die gestiegenen Frachtkosten hätten viele Volkswirtschaften zuletzt schwer belastet. "Durch die Störung dieser Route sind die Transportkosten stark gestiegen, weil wir nun längere Umwege fahren müssen", erklärt der Ökonom.
Ostafrika besonders stark betroffen
Das gilt insbesondere für Länder wie Kenia, Äthiopien und Tansania sowie ihre Nachbarn: "Während westafrikanische Staaten und Südafrika auf andere Routen ausweichen können, sind wir in Ostafrika hauptsächlich auf diese Route angewiesen", sagt Nyandemo. Das betreffe insbesondere Energieimporte, Düngemittel und bestimmte Lebensmittel.
Die Abhängigkeit ist erheblich. Nach Schätzungen internationaler Handelsbeobachter passieren rund 26 Prozent der kenianischen Düngemittelimporte die Straße von Hormus. Im Sudan liegt der Anteil sogar bei mehr als der Hälfte. Gleichzeitig wird rund ein Drittel des weltweiten Seehandels mit Düngemitteln über die Region abgewickelt.
Besonders sichtbar seien die Folgen in der Landwirtschaft geworden. In Kenia hätten vor allem Exporteure von Blumen, Gemüse und anderen Gartenbauprodukten unter den gestiegenen Transportkosten gelitten.
"Wir haben große Verluste im Agrarsektor erlitten", sagt Nyandemo. Gleichzeitig hätten die höheren Importkosten die Inflation auf den lokalen Märkten angeheizt. Die Folgen reichen nach seiner Einschätzung weit über einzelne Branchen hinaus. "Wenn die Treibstoffpreise sinken, bremst das die Inflation - sei es im Transport, in der Produktion oder bei Lebensmitteln."
Gerade für viele afrikanische Staaten ist Energie ein zentraler Inflationstreiber. Höhere Diesel- und Benzinpreise verteuern Transporte, Stromproduktion, Landwirtschaft und Industrie zugleich. Entsprechend stark könnten sinkende Ölpreise auf Verbraucherpreise durchschlagen.
Wenn Wirtschaftspolitik zur Innenpolitik wird
In Kenia haben die gestiegenen Energiepreise inzwischen auch politische Auswirkungen, die bis hin zu Staatschef William Ruto reichen. "Die Menschen leiden darunter, und auch der Präsident leidet politisch", sagt Nyandemo. Die Regierung müsse zusätzliche Mittel für Treibstoffsubventionen bereitstellen, was den Staatshaushalt belaste und die Unzufriedenheit in der Bevölkerung erhöhe.
Iran-Krieg: Ein Problem für Kenias Blumenexporteure
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