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GermanyCulture3 days ago

Solidarity with the protests in Georgia: Europe's spiritual weapons

An academic event titled 'The Tbilisi Debate on Europe' took place at the State University of Tbilisi. German historian Karl Schlögel was awarded an honorary doctorate by the university's rector, Nino Doborjginidze. Schlögel spoke about his personal connection to Tbilisi, having studied there over six decades ago, and expressed solidarity with Georgia's civil society. The event featured both Georgian and European Union flags, highlighting themes of shared values and European identity.

Solidarität mit Protesten in Georgien : Die geistigen Waffen Europas

Die diesjährige „Debatte über Europa“ fand in Tbilissi statt. Karl Schlögel und Michal Hvorecký riefen dazu auf, der Zivilgesellschaft genau zuzuhören.

Viele Ge­or­gie­r*in­nen machten sich auf nach Europa. Das Regime schaut eher nach Moskau. Szene vor dem Parlament, Tbilissi, 2024

Tim Wegner/laif

Der Veranstaltungssaal der Staatlichen Ilia-Universität in der georgischen Hauptstadt Tbilissi ist gut gefüllt. Gerade hat die Rektorin der Hochschule, Nino Doborjginidze, dem 78-jährigen Karl Schlögel die Ehrendoktorwürde verliehen. Als Schlögel etwas unbeholfen in den schwarzen Talar schlüpft, legt auch sie Hand an. Schließlich sitzt das ungewohnte Kleidungsstück nebst passender Kopfbedeckung.

Dann tritt der Hauptredner des heutigen Abends ans Pult – links davon stehen eine georgische und eine EU-Fahne, daneben ein Aufsteller mit der Aufschrift „The Tbilisi Debate on Europe“. Er habe keine Worte und sei nervös, sagt Schlögel zu Beginn seiner Keynote Speech. Das sei die größte Ehre, die ihm diese Universität habe zuteilwerden lassen können – ihm, der Tbilissi als Student zum ersten Mal vor 60 Jahren besucht habe. Jetzt sei er wieder in Georgien, einem freien, unabhängigen Land und einem Teil Europas. „Ich fühle mich verpflichtet, gemeinsam mit Ihnen für die Werte zu kämpfen, die wir teilen“, sagt Schlögel.

In seiner Rede macht er sich auf die Suche nach neuen Narrativen für eine Zeit, in der einst untergegangene Imperien vielleicht wieder zurückkehren könnten. Für Schlögel rührt diese Suche an seinem Selbstverständnis als Historiker. Für die Vergangenheit gilt es eine Sprache zu entwickeln, um zu erzählen, was war. Gleichzeitig sind His­to­ri­ke­r*in­nen Zeitgenoss*innen, was Chancen, aber auch Risiken birgt: Nähe versus die Gefahr, Distanz und Objektivität einzubüßen.

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Die geistigen Waffen

Russlands Annexion der Krim 2014 sei für ihn der Auslöser gewesen, sich der ukrainischen Geschichte als solcher zuzuwenden, sagt Schlögel – einer Geschichte der Ukraine als eigenständige Entität und politisches Gemeinwesen mit einer eigenen, spezifischen und authentischen Geschichte, Sprache und Kultur.

Das russische Regime unter Wladimir Putin klassifiziert Schlögel als „postmodernen Totalitarismus“. Fester Bestandteil sei ein ideologisches oder kulturelles Hybrid, mit dem der Herrscher sowohl im Inland als auch gegenüber der Außenwelt spielen könne. Die scharfe Trennlinie zwischen Realität und Fiktion, zwischen Wahrheit und Lüge sei aufgehoben. Ergo habe man es nicht mit der alten Art sowjetischer Propaganda zu tun, sondern einem raffinierteren Einsatz von Bildern, Rhetorik und Praktiken, um die „große Lüge“ zur „neuen Normalität“ zu machen. Die geistigen Waffen und Instrumente müssten neu geordnet werden, nicht nur die militärischen Waffen.

„Putins Krieg gegen die Ukraine ist kein regionaler Konflikt an der Grenze Europas, sondern ein Angriff auf eine Art zu leben und nicht bloß die Verteidigung abstrakter Prinzipien“, sagt Schlögel. „Putin ist dazu verdammt, diesen Krieg fortzusetzen, da ein Frieden das Ende seiner Herrschaft bedeuten würde.“

Und genau das tue Putin. Europa hingegen sei sich trotz eines neuen Realitätsbewusstseins nicht im Klaren darüber, wie es die ihm zur Verfügung stehenden Potenziale mobilisieren solle. Europa habe zwar dazugelernt, aber nicht schnell, nicht tiefgreifend und nicht radikal genug. „Hier in Georgien müssen wir lernen, lernen zuzuhören“, sagt Schlögel zum Abschluss seiner Rede.

„Wir gehen hin“

Voneinander lernen, einander zuhören, sich austauschen und nachhaltige Netzwerke schaffen: Das ist die Kernidee der Veranstaltungsreihe „Debatten über Europa“, bei der Fachleute verschiedener Disziplinen aus Ost und West für mehrere Tage zusammenkommen. Initiatoren der Plattform sind die S. Fischer Stiftung und die Deutsche Akademie für Sprache und Dichtung. Das erste Treffen ging 2012 in Budapest über die Bühne, in diesem Jahr fiel die Wahl auf Tbilissi als 16. Austragungsort. Antje Contius, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der S. Fischer Stiftung, sagt: „Wir begnügen uns nicht mit Solidaritätsadressen, wir gehen hin.“

Und das ist bitter nötig. Nach dem russisch-georgischen Krieg um die Region Südossetien 2008, der bei vielen Ge­or­gie­r*in­nen bis heute nachwirkt, und dem demokratischen Machtwechsel vier Jahre später schien sich die Südkaukasusrepublik auf den Weg nach Europa zu machen. 2023 erkannte Brüssel Geo…

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taz – die tageszeitungIndependentCenter3 days ago
Solidarity with the protests in Georgia: Europe's spiritual weapons

An academic event titled 'The Tbilisi Debate on Europe' took place at the State University of Tbilisi. German historian Karl Schlögel was awarded an honorary doctorate by the university's rector, Nino Doborjginidze. Schlögel spoke about his personal connection to Tbilisi, having studied there over six decades ago, and expressed solidarity with Georgia's civil society. The event featured both Georgian and European Union flags, highlighting themes of shared values and European identity.

Bias read (Center): The article reports on an academic event focusing on cultural and intellectual exchange between Europe and Georgia. It includes direct quotes from participants without overtly biased language or selective emphasis. The framing appears balanced, presenting the event as a dialogue on shared values and