Hans Rauscher
Russischer Krieg gegen ukrainische Kultur
Die Bedeutung der in Brand geschossenen Uspenski-Kathedrale in Kyjiw
Kolumne
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Hans Rauscher
Feuerwehrmänner auf dem Dach der schwer beschädigten Uspenski-Kathedrale.
Die Uspenski-Kathedrale in Kyjiw wurde dieser Tage durch einen Luftangriff in Brand gesetzt. Nach den Bildern zu urteilen, ist das historische orthodoxe Gotteshaus – ein UNESCO-Weltkulturerbe – schwer beschädigt. Der ukrainische Präsident Wolodymy Selenskij sprach von "einem der größten russischen Verbrechen gegen die ukrainische Kultur".
Es besteht wenig Zweifel, dass die Uspenski-Kathedrale (zu deutsch „Maria-Entschlafens-oder Maria-Himmelfahrt“) im Zuge des kriegsverbrecherischen russischen Bombardements gegen zivile Ziele getroffen wurde. Moskau behauptet zwar, dass der Brand durch herabfallende Teil von ukrainischen Abwehrraketen ausgelöst wurde, aber Wladimir Putin führt Krieg auch gegen ukrainisches Kulturerbe.
Zum zweiten Mal
Ein Aspekt dabei ist, dass die Uspenski-Kathedrale, die im sogenannten ukrainischen Barock erbaut ist, bereits zum zweiten Mal zerstört wird. Was da jetzt in Brand geriet, ist eine genaue Kopie des ursprünglichen Gebäudes, die etwa 30 Jahre alt ist.
Die Uspenski-Kathedrale ist die Hauptkirche des sogenannten "Höhlenkloster-Komplexes", einer ausgedehnten Klosteranlage am Ufer des Dnjepr (ukrainisch: Dnipro), die auf das 11. Jahrhundert zurückgeht. Der ursprüngliche Bau wurde im Zweiten Weltkrieg vollständig gesprengt, nach Angaben von Albert Speer, dem Architekten und Rüstungsbeauftragten Hitlers, von der Wehrmacht – um die kulturelle Identität der Ukraine zu vernichten. Die Ukraine war in Hitlers bereits sehr früh niedergelegten Plänen zur "Germanisierung" vorgesehen. Nach einer anderen, aber unglaubwürdigen Version, erfolgte die Sprengung durch sowjetische Saboteure. Es waren mit großer Sicherheit die Deutschen.
Kulturelle Vernichtungswut
Wer auf dem großen Gelände in Kyjiw herumgeht, trifft noch auf andere Beispiele von kultureller Vernichtungswut. Das Michaelskloster (das nicht zum Höhlenkloster gehört, aber auch im ukrainischen Barock errichtet wurde), wurde ebenfalls gesprengt, allerdings schon 1936 von Stalin. Der führte mit einer künstlich erzeugten Hungersnot ("Holodomor") ebenfalls einen Vernichtungskrieg gegen ukrainische Unabhängigkeit. Hingegen ließen sowohl Hitler wie Stalin die Sophienkathedrale stehen, bei der der byzantinische Baustil noch merkbar ist.
Es war der 1991 endlich unabhängig gewordenen Ukraine das wichtigste Anliegen, sowohl die Uspenski-Kathedrale wie die Michaelskathedrale so rasch und so detailgetreu wie möglich wieder aufbauen. Ein Ausdruck des unbändigen ukrainischen Unabhängigkeitswillens, den ich 2015 bei einer Informationsreise beeindruckt registrieren konnte. Überall sagte man uns: "Weg von Russland, wir wollen nach Europa".
Ein Mahnmal
Die Ironie bei dem jetzigen Brand der Uspenski-Kathedrale ist ja, dass das Höhlenkloster an sich zum moskautreuen Teil der orthodoxen Kirche in der Ukraine gehörte (es gibt ein "Moskauer Patriarchat" und ein "Kiewer Patriarchat" , dazu in der Westukraine noch die mit Rom unierte Kirche). Die ukrainische Regierung entzog der Ukrainischen Orthodoxen Kirche („Moskauer Patriarchat“) sogar schon vor einiger Zeit die Nutzungsrechte für das Höhlenkloster – wegen Verdachts russischer Einflussnahme. Russland hätte damit jetzt seine eigenen Sympathisanten bombardiert.
Die Kathedrale wird nun ein zweites Mal wiederaufgebaut werden – als Mahnmal für eine Kriegsführung, die sich auch gegen nationale Symbole richtet. (Hans Rauscher, 16.6.2026)
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