Online heißt, 270 Frauen seien während der Teilnahme an den Pfizer-Impfstudien während der Coronavirus-Pandemie schwanger geworden und mehr als 80 Prozent von ihnen hätten ihr Baby verloren. Die Behauptung kursiert seit Monaten auf X , Facebook und Instagram, meist mit Bild- oder Videoverweis auf Naomi Wolf, einer Autorin aus den USA.
Die Behauptung ist falsch. Die 270 Frauen haben nicht an einer Impfstudie teilgenommen, die Zahl stammt aus einem Pfizer-Sicherheitsbericht. Was dahinter steckt, zeigt der Faktencheck.
Die Behauptung kursiert meist zusammen mit Videoaufnahmen der US-Impfgegnerin Naomi Wolf. Sie hatte sich zwar anders geäußert, doch auch ihre Behauptungen sind falsch. (Quelle: Facebook; Screenshot: CORRECTIV.Faktencheck)
Was Naomi Wolf im Videoausschnitt über Covid-Impfungen von Schwangeren sagt
Wolf ist in den 90er Jahren als feministische Autorin und Journalistin bekannt geworden. Später verbreitete sie häufig Verschwörungstheorien, besonders zur Corona-Pandemie . Anfang September 2025 sprach Wolf auf Einladung der AfD- und EU-Politikerin Christine Anderson bei einem Treffen der rechten EU-Fraktion Europe of Sovereign Nations.
Wolf sagt in dem entsprechenden Videoausschnitt: „270 Frauen in der Studie – geimpfte Frauen – [wurden] schwanger. Nun gingen für 234 von ihnen die Aufzeichnungen darüber verloren, wie diese Schwangerschaften verliefen – was rechtswidrig ist. Pfizer sollte sie eigentlich während ihrer gesamten Schwangerschaft begleiten. Von den 36 Frauen, die ein Kind zur Welt brachten, verloren jedoch mehr als 80 Prozent ihr Baby“.
Diese Äußerungen werden in einigen deutschen Beiträgen falsch übersetzt. Dort heißt es: 234 von 270 Schwangerschaften – und damit mehr als 80 Prozent – wären in Fehlgeburten geendet oder die Schwangerschaften seien „verloren“ gegangen. Tatsächlich sagte Wolf, aber bei 234 der 270 Schwangerschaften seien die Aufzeichnungen über den Verlauf der Schwangerschaft „verloren“ gegangen – dazu später mehr.
Daten stammen nicht aus Studie, sondern Sicherheitsbericht von Pfizer
Unabhängig von der fehlerhaften Übersetzung sind auch Wolfs Behauptungen irreführend, weil sie den entsprechenden Pfizer-Bericht falsch darstellt. Der Bericht heißt „Cumulative analysis of post-authorization adverse event reports of pf-07302048 (BNT162B2) received through 28-FEB-2021“ (übersetzt: Kumulative Analyse von Meldungen über unerwünschte Ereignisse nach der Zulassung) und wurde nach einer Klage gegen die FDA, die US-Lebens- und Arzneimittelbehörde, Ende 2021 veröffentlicht. Wir berichteten damals darüber .
Vor und nach der Zulassung eines Impfstoffes müssen die Hersteller den Zulassungsbehörden im jeweiligen Land Dokumente wie Daten der klinischen Studie und Berichte über mögliche Nebenwirkungen zur Verfügung stellen. In dem hier relevanten Bericht geht es nicht – wie Wolf sagt – um eine Studie an Schwangeren, sondern Pfizer listet potenzielle Nebenwirkungen auf, die nach der ersten Notfallzulassung des Comirnaty-Impfstoffes am 1. Dezember 2020 bis zum 28. Februar 2021 nach eigenen Angaben bekannt waren.
Pfizer-Sicherheitsbericht enthielt 270 Meldungen zu Schwangeren
Das Dokument listet Meldungen aus einer Sicherheitsdatenbank von Pfizer über „unerwünschte Ereignisse“ – damit sind zum Beispiel mögliche Risiken und Nebenwirkungen gemeint – aus 63 Ländern, die meisten sind allerdings aus den USA und Großbritannien. Wichtig ist: Bei den im Dokument aufgeführten Meldungen handelt es sich um Verdachtsfälle, bei denen ein Zusammenhang mit der Impfung lediglich vermutet, jedoch nicht bestätigt ist. Jeder kann solche Fälle – ähnlich wie in Deutschland beim Paul-Ehrlich-Institut – melden. Diese Meldesysteme dienen dazu, mögliche Risikosignale frühzeitig zu erkennen und dann weiter in Studien zu untersuchen.
Tabelle 6 des Dokuments umfasst Meldungen zu schwangeren oder stillenden Frauen. Mit Bezug auf Schwangere gab es 270 Meldungen, aber nur ein kleiner Teil davon bezog sich tatsächlich auf Komplikationen der Schwangerschaft. Auch darüber berichteten wir bereits . Der Rest der Meldungen sind übliche Impfreaktionen, die nur die Mutter betrafen, wie etwa Kopfschmerzen.
Ausgang der Schwangerschaften war nur in 32 Fällen bekannt
Insgesamt war zum Zeitpunkt des Berichts – der einen Zeitraum von etwa 90 Tagen abdeckt – der Ausgang bei 32 Schwangerschaften bekannt, 28 davon endeten mit dem Tod des Fötus oder Babys. Anders als Wolf behauptet, waren keine Aufzeichnungen „verloren“ gegangen, sondern zum Zeitpunkt des Berichts lagen bei den anderen 238 Meldungen im Zusammenhang mit Schwangerschaften kein Ergebnis über deren Ausgang vor.
Sich bei der prozentualen Berechnung nur auf die 32 bekannten Ausgänge der Schwangerschaften zu beziehen, verzerrt das Bild, denn es ist unbekannt, was mit den restlichen 238 Schwangerschaften geschehen ist und wie viele geimpfte Schwangere es zu diesem Zeitpunkt insgesamt gab. „Was hier vor allem fehlt, sind die Zehntausenden von Menschen, die den Impfsto…
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