Diese parteiübergreifende Einigkeit sieht man im politischen Berlin nur selten: Vier Bundestagsabgeordnete von CDU, SPD, Grünen und Linken wagen gemeinsam einen Vorstoß zur Organspende. Sie wollen die Widerspruchsregelung einführen – das hieße, dass jeder Organspender wird, der zu Lebzeiten nicht aktiv widersprochen hat. Vorausgesetzt, die Person kommt aus medizinischer Sicht als Organspender infrage.
Diese Regelung ist in Deutschland umstritten. Im Jahr 2020 scheiterte sie bei einer Abstimmung im Bundestag und auch aktuell gibt es Kritik am Gesetzesentwurf und der Idee der Widerspruchslösung.
Rund 8.000 Menschen warteten in Deutschland im Jahr 2025 auf ein Spenderorgan, die meisten davon auf eine Niere, gefolgt von Leber und Herz. Insgesamt gab es im selben Jahr 985 postmortale Organspender. Aktuelle Zahlen zeigen, dass es in den ersten fünf Monaten dieses Jahres mehr Spender gab – im Vergleich zum Vorjahr.
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Trotzdem reicht das laut der Deutschen Stiftung Organtransplantation (DSO) nicht aus, um den Bedarf zu decken. In Deutschland kamen 2025 durchschnittlich 13,1 Spender auf eine Million Einwohner. In anderen Ländern liegen diese Werte teils deutlich höher in Spanien etwa viermal so hoch. Dort gibt es eine Widerspruchsregelung bereits seit 1979.
Doch warum tut sich Deutschland beim Thema Organspende so schwer? Die eine Antwort scheint es darauf nicht zu geben. Zum einen fehlt der politische und gesellschaftliche Anreiz, denn niemand muss sich aktuell mit dem Thema auseinandersetzen, wenn er nicht möchte. Für Axel Rahmel, medizinischer Vorstand der DSO, sei die Entscheidung aber auch eng mit der Auseinandersetzung mit dem eigenen Tod verknüpft.
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Dieser stehe hinter jeder Organspende und viele Menschen würden dieses Thema gerne verdrängen. Zudem seien noch immer viele Ängste und Sorgen mit Organspende verbunden, sagt Felix Braun, Leiter der Sektion Klinische Transplantationsmedizin bei der Bundesärztekammer. Er betont: „Niemand kommt ins Krankenhaus, um Organspender zu werden. Es wird um jeden einzelnen Patienten gekämpft.“
Die geringe Bereitschaft zur Organspende ist auch deshalb erstaunlich, weil 85 Prozent der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland sie befürworten. Das geht aus einer Befragung der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung hervor. Doch nur 45 Prozent der Befragten haben ihre Entscheidung dokumentiert, 35 Prozent haben sich noch nicht entschieden.
Laut Rahmel könnte die Widerspruchsregelung zu einer „gesteigerten Motivation“ in der Bevölkerung führen, sich mit der Organspende zu beschäftigen, sich zu entscheiden und den Willen am Ende auch zu dokumentieren.
Bilanz nach zwei Jahren: Es geht schleppend voran
Möglich ist dies seit März 2024 auch über das Organspenderegister. Die Bilanz nach gut zwei Jahren: Es geht eher schleppend voran. Bisher haben sich knapp 560.000 Menschen registriert.
Doch sollte die Widerspruchslösung beschlossen werden, wird das Register ein zentraler Baustein sein. Es dokumentiert sicher für alle, was nach dem Tod mit den Organen passieren soll – sowohl für einen selbst, Angehörige, als auch für die Ärztinnen und Ärzte. Organspendeausweise, Patientenverfügungen und andere Willensbekundungen sind aber immer noch möglich.
Was sagen die Kritiker?
Die Deutsche Stiftung Patientenschutz sieht die Widerspruchslösung als verfassungsrechtlich bedenklich an. Die Widerspruchslösung greife erheblich in die körperliche Unversehrtheit ein. Wer schweigt, würde nicht automatisch zustimmen. Es bräuchte eine selbstbestimmte Aufklärung.
Eine weitere fraktionsübergreifende Gruppe an Abgeordneten hat ebenfalls einen Antrag zur Organspende eingebracht. Sie sprechen sich auch für Organspende aus, kritisieren aber Widerspruchsregelung. Sie sei ein Eingriff in das Selbstbestimmungsrecht. Schweigen dürfe hier nicht als Zustimmung gewertet werden. Jeder hätte demnach das Recht, sich, ohne persönliche Konsequenz nicht mit der Organspende beschäftigen zu müssen.
Die beiden großen christlichen Kirchen sprechen sich allgemein für die Organspende als Form der praktizierenden Nächstenliebe aus. Die Widerspruchslösung lehnen sie aber ab, da dort „der Charakter ei…
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