Aktualisiert am 10. Juni 2026, 16:15 Uhr
Der italienische Esa-Astronaut Luca Parmitano wird als erster Europäer beim Nasa-Mondprogramm «Artemis» mitfliegen.
© Handout / Berlin/Esa/Nasa/dpa
Als erster Europäer fliegt nicht wie vorab angekündigt ein Deutscher bei einer « Artemis »-Mondmission der Nasa mit, sondern überraschend ein Italiener. Luca Parmitano sei als einer von vier Astronauten für die Mission «Artemis 3» ausgewählt worden, teilte die US-Raumfahrtbehörde Nasa mit.
Auch dass schon bei «Artemis 3» und nicht erst bei späteren Missionen ein Europäer an Bord sein soll, kam überraschend. Für weitere Startplätze möglicherweise für einen deutschen Astronauten gibt es derzeit nach Angaben von Josef Aschbacher, Chef der europäischen Raumfahrtagentur Esa, keine Zusagen der Nasa. Darüber solle aber verhandelt werden.
Der Start von «Artemis 3» ist für 2027 vorgesehen, mit zur Crew sollen auch die US-Astronauten Andre Douglas, Frank Rubio und Randy Bresnik gehören. Bresnik ist laut Nasa offiziell Kommandant der Mission, Parmitano Pilot, die beiden anderen sind als «Missionsspezialisten» im Einsatz.
Anders als ursprünglich geplant ist bei der rund zweiwöchigen Mission keine Mondlandung vorgesehen. Stattdessen soll das Koppeln des Raumschiffs «Orion» mit Mondlandesystemen getestet werden. Die Mission soll dazu dienen, die Technik für eine geplante Mondlandung vorab zu testen, möglichst nahe an der Erde. Im Fall von Problemen soll die Crew innerhalb von Stunden in Sicherheit gebracht werden können.
Was genau war ursprünglich angekündigt?
Esa-Chef Aschbacher hatte Ende 2025 gesagt: «Ich habe entschieden, dass die ersten Europäer, die auf einer Mondmission fliegen werden, Esa-Astronauten deutscher, französischer und italienischer Nationalität sein werden.» Zuerst sei Deutschland an der Reihe, sagte er bei der Esa-Ministerratskonferenz in Bremen. Die beiden deutschen Esa-Astronauten Alexander Gerst und Matthias Maurer hatten anschließend mehrfach betont, diese Chance sehr gern wahrnehmen zu wollen.
Der Raumfahrtexperte Ludwig Moeller hält es weiter für möglich, dass ein Deutscher als erster europäischer Astronaut Richtung Mond fliegt. Der Leiter des Raumfahrt-Thinktanks Espi mit Sitz in Wien betonte, die Auswahl von Parmitano stehe «nicht in Konflikt mit dem Ziel eines deutschen Astronauten als erstem Europäer auf dem Mond, da "Artemis-3" keine Mission zum Mond ist».
War Aschbachers Ankündigung also falsch?
Das ist eine Frage der Interpretation - aber Aschbacher selbst sagt nein. «Die Aussage steht weiterhin», sagte der Esa-Chef nach der Verkündung der «Artemis 3»-Crew der Deutschen Presse-Agentur. Weil «Artemis 3» in der Erdumlaufbahn bleibe, sei es «natürlich nicht ein Flug zum Mond wie wir ihn klassischerweise sehen würden».
Außerdem sei die Aussage auf Basis des «Lunar Gateway»-Projekts getroffen worden - einem geplanten Außenposten am Mond, an dem die Esa maßgeblich beteiligt war, den die Nasa nun aber zumindest vorerst eingestampft hat. Deswegen müsse man nun «neu diskutieren und neu beginnen». Die Esa sei in einer «guten Ausgangsposition», sagte Aschbacher, es gebe aber noch keinerlei Zusagen und «ein Flug zur Mondoberfläche ist noch nicht garantiert».
Parmitano ist nun zwar erster Esa-Astronaut bei einer «Artemis»-Mission - aber er fliegt nicht zum Mond. Nasa-Chef Jared Isaacman hatte Ende Februar überraschend eine komplette Strategieänderung angekündigt: «Artemis 3» starte schon 2027, lande aber anders als vorgesehen nicht auf dem Mond.
Stattdessen soll das Raumschiff «Orion» nur in einer Erdumlaufbahn (Low Earth Orbit, LEO) fliegen, die Crew soll die Kopplung mit einer oder zwei Mondlandefähren erproben.
Die Abstände zwischen den einzelnen Missionen seien bisher zu groß gewesen, hatte Isaacman erklärt. «Mit stetig zunehmender glaubhafter Konkurrenz von unserem größten geopolitischen Kontrahenten müssen wir uns schneller bewegen, Verzögerungen eliminieren und unsere Ziele erreichen.»
Warum starten nicht Gerst oder Maurer mit «Artemis 3»?
Parmitano (49), Gerst (50) und Maurer (56) besitzen alle drei Erfahrungen mit Weltraumflügen. Parmitano flog 2013 und 2019 zur Raumstation ISS, Gerst 2014 und 2018, Maurer 2021.
Den Ausschlag für Parmitano habe das von der Nasa vorgegebene Anforderungsprofil gegeben, sagte Aschbacher. «Sie haben ganz konkret einen Testpiloten gesucht und in unserem Astronautencorps gibt es nur einen Testpiloten und das ist Luca Parmitano.»
Der Italiener ist verheiratet und hat zwei Kinder. Er wurde an der italienischen Luftwaffenakademie ausgebildet und hat einen Abschluss in experimenteller Flugtest-Technik. Parmitano war Testpilot der italienischen Luftwaffe. Er wurde 2009 als Esa-Astronaut ausgewählt und war mehrfach an Andockmanövern an die ISS beteiligt.
Außerdem ist mit Parmitano ein ganz besonderes Stück Raumfahrtgeschichte verbunden: Er wäre 2013 beinahe der erste Mensch geworden, der im Weltall ertrank. Bei einem Außeneinsatz hatte sich sein Helm mit Wasser…
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