von Ingrid Greisenegger
Ab dem Frühsommer stehen sie in prachtvoller Blüte – lilafarbener Cardy und die weiße Kugel der Winterheckenzwiebel, umschwirrt von allen Arten an Wildinsekten. Diese essbaren Eyecatcher spielen aber im Hausgarten bisher kaum eine Rolle. Das sollte behoben werden, meint Wolfgang Palme, Gemüse-Experte der Gartenbauschule Schönbrunn und Leiter der City Farm Augarten. „Wir sind viel zu sehr auf einjähriges Gemüse ausgerichtet, das im selben Jahr gesät und geerntet wird“, stellt er fest. Mehrjährige Gemüse hingegen sind mindestens drei Jahre lebensfähig, das macht sie produktiver.
Sie bilden nutzbare Blätter, Triebe, Stängel, Wurzeln, Knollen oder Blüten und sind unter mitteleuropäischen Bedingungen frosthart. Einmal pflanzen und über Jahre ernten, bringt einfach mehr ein.
Die Blüten von Cardy und der Winterheckenzwiebel ziehen Insekten magnetisch an.
©Kurier/Jeff Mangione
Bodenschonend
Doch da sind auch noch beeindruckende ökologische Vorzüge. Dauerhaft bedeckter und nicht bearbeiteter Boden wird geschont. Das stärkt das Bodenleben und hat Humusaufbau und Strukturverbesserung zur Folge. Weniger Nährstoffe gehen verloren, das Wasserhaltevermögen wird verbessert. Dass dadurch auch mehr CO 2 im Boden gebunden wird, ist in Zeiten des Klimawandels ein positiver Nebeneffekt.
Auch an der Ernte kann man einen Mehrwert ablesen: die Mehrjährigen sind reicher an wertgebenden Inhaltsstoffen als herkömmliches Gemüse. So enthält der mehrjährige „Gute-Heinrich-Spinat“ gleich drei- bis viermal so viel Vitamin A wie Kopfsalat und beim Vitamin C-Gehalt ist der Sauerampfer dem Kopfsalat gleich rund um das Zehnfache überlegen.
Auch Schildampfer sind sehr beliebt.
©Ingrid Greisenegger
Permaveggies als Trend
Lange Zeit wurde die deutlich unterschätzte Gemüsegruppe mit dem Begriff Dauergemüse abgetan, aber später als „Permaveggies“ trendiger und interessanter gemacht. Rhabarber gehört zu den Permaveggies, auch Spargel, Sauerampfer, sogar die Funkie (Hosta), eine Zierpflanze an Schattenplätzen im Garten. Wer jetzt Winterheckenzwiebel oder Etagenzwiebel pflanzt, kann noch im Herbst ernten.
Wer Platz hat, könnte es mit Cardy versuchen. Die distelartige Pflanze braucht mindestens 1m 2 Standfläche und wird locker 1,5 m hoch. Mit der Artischocke ist Cardy zwar verwandt, hat aber keinen vergleichbaren Blütenboden zum Verspeisen. Kulinarisch begehrt sind seine Stiele, die man vor der Ernte bleicht und deren Geschmack an Artischocke erinnert. Man brät ihn in Öl an oder überbäckt ihn im Ofen mit Käse.
Die Stiele der lilablütigen Cardy werden die letzten drei Wochen vor der Ernte gebleicht, indem man sie umwickelt.
©Ingrid Greisenegger
Wolfgang Palme empfiehlt, beim Erstversuch den Permaveggies im Garten ein eigenes Beet zu gönnen, das sich zum essbaren Staudenbeet entwickelt. Pflegearbeiten fallen nach einigen Jahren praktisch keine mehr an.
Wolfgang Palme und Ingrid Greisenegger von der City Farm tragen den Garten in die Stadt.
©Kurier/Gerhard Deutsch
Programm auf der City Farm Augarten
Die City Farm Augarten ist ein Zentrum für urbanes Gärtnern und zukunftsweisende Landwirtschaft.
Bio-Kohl & Co. Jungpflanzenmarkt: Freitag , 26. Juni von 14-18 Uhr; Samstag, 27. Juni von 10-18 Uhr; Kohlklassiker und Kohlraritäten, Blattzichorien, Salate, Winterheckenziebel, Ampfer und Cardy.
Schichtwechsel am Beet: Nachpflanzen, Wintergemüse aussäen. Am 20.Juni , 9-17 Uhr; Leitung: Wolfgang Palme, Kosten: 160€, für Arche-Noah Mitglieder: 148€
Erntefrisches Innenstadtgemüse: Der Marktstand der Bio-Marktgärtnerei auf der City Farm ist jeden Freitag von 12-17 Uhr geöffnet
Gemüsekisterl-Abholung von 14-17 Uhr
www.cityfarm.wien Obere Augartenstraße 1/8, 1020 Wien; info@cityfarm.wien
Read the full article at Kurier →