Krawalle in Belfast
«Die sozialen Zustände sind vielerorts prekär, auch in Belfast»
Wieso es in Grossbritannien öfter zu Krawallen nach Gewalttaten kommt, ergründet der Journalist Peter Stäuber.
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Nach einem brutalen Messerangriff kam es in Nordirland zu Ausschreitungen. Die meist jungen, männlichen Randalierer zogen durch die Stadt und setzten mehrere Fahrzeuge und Häuser in Brand. Es ist nicht das erste Mal, dass es nach einem Angriff zu Krawallen kommt. Der freie Journalisten Peter Stäuber, der in London lebt, erklärt die Dynamik.
Peter Stäuber
Journalist
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Der Ostschweizer Journalist lebt seit Jahren in London und berichtet unter anderem für die «Wochenzeitung WOZ» und «Zeit» aus der britischen Hauptstadt.
SRF News: Es kommt in Grossbritannien nach Gewalttaten häufig zu heftigen Ausschreitungen. Welche Muster lassen sich da erkennen?
Peter Stäuber: Man hat in den vergangenen Jahren immer wieder Krawalle erlebt, die auf eine Gewalttat durch einen nicht-weissen Bürger oder Migranten gefolgt sind.
Manchmal ist es keine konkrete Tat, die zu Protesten führt. Es kann auch ein blosses Gerücht sein.
Rechte Aktivisten oder auch Politiker von rechten Parteien wie zum Beispiel Reform UK oder Restore Britain schalten sich in den Sozialen Medien ein und ziehen schnell das Feindbild des gewalttätigen Ausländers herbei.
Manchmal ist es keine konkrete Tat, die zu Protesten führt. Es kann auch ein blosses Gerücht sein. Und die Situation in Grossbritannien ist derzeit so aufgeladen, dass schnell viele Leute auf die Strasse gehen. Dieses Muster hat sich seit einigen Jahren etabliert und es war auch wenig überraschend, dass es nach dem Messerangriff in Belfast zu solchen Szenen gekommen ist.
Legende:
Auch Fahrzeuge der Polzei wurden während den Krawallen attackiert.
Keystone/Peter Morrison
Weshalb ist die Reaktion auf Gewaltverbrechen in Grossbritannien so viel heftiger als anderswo in Europa?
Gerade die Tatsache, dass es in den vergangenen Jahren zu vielen solchen Krawallen gekommen ist, hat dafür gesorgt, dass fremdenfeindliche Gewalt in gewisser Weise normalisiert worden ist. Politiker, vor allem der Rechtsparteien, aber nicht nur, stellen Migration seit Jahren in erster Linie als ein Problem dar.
Die Regierung verspricht, die Zahl der Asylbewerber zu reduzieren. Extremismusforscher sagen, dass solche Rhetorik eine gewisse Legitimierung für Anti-Migrations-Proteste gibt. Dazu kommt die entscheidende Rolle der sozialen Medien: Rechte Influencer, nicht nur britische, sondern auch amerikanische, sind in Grossbritannien sehr aktiv. Sie prangern die multikulturelle Gesellschaft an und verbreiten haltlose Theorien.
Es gibt viele Studien, die belegt haben, dass die Rechte gerade dort Aufschwung hat, wo es den Leuten am schlechtesten geht. Und diese Tendenz sieht man in Grossbritannien deutlich.
Die Plattform X ist in dieser Hinsicht wichtig, nicht zuletzt, weil ihr Besitzer Elon Musk, immer wieder mit hetzerischen Kommentaren zur britischen Politik interveniert, auch im Fall der Messerattacke von Belfast. Dieser Online-Aktivismus ist ein wichtiger Grund, warum es so schnell ausarten kann.
Aus Untersuchungen früherer Gewaltausbrüche weiss man, dass unter den Rädelsführern der Krawalle überproportional viele Personen mit kriminellem und/oder rechtsradikalem Hintergrund sind. Reicht das als Erklärung für die Ausschreitungen?
Tatsächlich sind auch viele Leute an den Krawallen beteiligt, die nicht zur organisierten radikalen Rechten gehören. Viele machen sich Sorgen um ihre Kinder und um ihre Sicherheit. Das alles geschieht vor dem Hintergrund von sozialen Zuständen, die vielerorts prekär sind, auch in Belfast. Es gibt in Grossbritannien grosse soziale Probleme: Armut, Mangel an Bildungschancen, bezahlbarem Wohnraum und Zugang zum Gesundheitssystem.
Die Leute fühlen sich von der Politik verlassen. Und dieser Frust lässt sich einfach instrumentalisieren. Es gibt viele Studien, die belegt haben, dass die Rechte gerade dort Aufschwung hat, wo es den Leuten am schlechtesten geht. Und diese Tendenz sieht man in Grossbritannien deutlich.
Das Gespräch führte Matthias Kündig.
Echo der Zeit, 10.06.2026, 18 Uhr
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srf/lin;sche;noes
Read the full article at SRF News →📄Source document: Peter Stäuber Interview
5 reports
SRF NewsState / PublicRight11 days ago The social situation in Belfast is precarious in many places, including Belfast.The article discusses recent riots in Belfast following a violent knife attack, highlighting patterns of unrest in Great Britain after incidents involving non-white individuals or migrants. It features an interview with journalist Peter Stäuber, who explains how such events often lead to social tensions and riots, sometimes triggered by rumors rather than concrete acts. Right-wing activists and politicians from parties like Reform UK and Restore Britain are mentioned as contributing to the escalation through their rhetoric.
Bias read (Right): The article frames the riots as being linked to non-white individuals or migrants, emphasizing the role of right-wing activists and politicians in exacerbating tensions. The focus on 'non-white' individuals and the invocation of 'foreign agitators' suggest a narrative that aligns with right-leaning,
Official sources cited
- press release Peter Stäuber Interview
Neue Zürcher ZeitungIndependent🔒Center11 days ago Belfast knife attack: flames, protests and political tensionsA knife attack occurred in Belfast, leading to flames, protests, and heightened political tensions.
Bias read (Center): The article reports on an event without apparent ideological framing, focusing on the incident itself rather than taking a stance on related political issues.
SRF NewsState / PublicCenter11 days ago Northern Ireland – Vehicles and buildings burned during protests in BelfastFollowing a knife attack, protests in Belfast have escalated with burning buses and other vehicles. The report provides minimal detail about the incident or the context behind the violence.
Bias read (Center): The article uses neutral, factual language without loaded terminology, selective sourcing, or editorializing.
Official sources cited
- press release Sky News
- press release BBC
watsonIndependentCenter11 days ago After the Belfast knife attack: protests escalate bus set on fireProtests have escalated following a knife attack in Belfast, with a bus set on fire.
Bias read (Center): The article reports on an event without apparent ideological framing, focusing on the escalation of protests and a specific incident involving a bus being set on fire. No clear bias in language or emphasis is evident.
watsonIndependentCenter12 days ago The British are shocked by the knife attack in BelfastA knife attack in Belfast has shocked British people, raising fears of unrest.
Bias read (Center): The article reports on a knife attack in Belfast without apparent ideological framing, focusing on the event itself rather than taking a stance on related political issues.