Klimafreundliches Heizen : Basis für Fernwärme ist oft schon da
Die Voraussetzungen für einen Fernwärme-Anschluss sind meist gut – und sie werden bis 2045 noch besser. Das zeigt eine neue Studie.
Noch ist Fernwärme vorwiegend fossil. Das muss sie aber nicht bleiben
Sebastian Willnow/dpa
Fast jede zweite Wohnung in Deutschland könnte bis 2045 einen Anschluss für Fernwärme erhalten. Das ist die Botschaft des am Mittwoch vorgestellten „Fernwärmeatlas“ des Beratungsunternehmens Prognos . Für ihn wurden erstmals Daten für alle 401 Kreise und kreisfreien Städte in Deutschland ausgewertet.
Danach sind in beinahe der Hälfte der Kommunen die Voraussetzungen für den Ausbau der Fernwärme und die Dekarbonisierung der Wärmeerzeugung gut oder sehr gut. Prognos hat den Wärmeatlas gemeinsam mit dem Handelsblatt und dem Newsletterdienst „Background“ des Tagesspiegels veröffentlicht.
Bei Fernwärme wird in Kraftwerken, durch Abwärme etwa von Industrieanlagen oder mithilfe erneuerbarer Quellen Wasser erhitzt oder Wasserdampf erzeugt und über Rohre in Gebäude geleitet. Hausbesitzer:innen benötigen also keine eigene Heizung, müssen aber in der Regel hohe Anschlussgebühren zahlen. Die Anbieter haben zurzeit noch ein Monopol, sodass Kund:innen ihnen bei hohen Preisen ausgeliefert sind. Verbraucherschützer:innen und die Monopolkommission der Bundesregierung drängen deshalb auf eine kundenfreundlichere Marktgestaltung.
Ein großer Vorteil der Fernwärme: Durch die zentrale Erzeugung ist die Umstellung auf klimafreundliche Wärme einfacher als der Austausch vieler einzelner Heizungen etwa gegen Wärmepumpen. Deutschland will bis 2045 klimaneutral sein. Bis dahin müssen die Heizungen klimafreundlich Wärme erzeugen.
Fernwärme aus erneuerbaren Quellen
„Das Potenzial für Fernwärme in Deutschland ist groß“, sagt Studienleiterin Noha Saad. Allerdings seien die Voraussetzungen nicht überall gleich gut. Würden alle für die Fernwärme geeigneten Gebiete erschlossen, könnten 48 Prozent der Gebäude damit versorgt werden. Das entspräche einer Steigerung von jetzt 6,4 Millionen angeschlossenen Wohnungen auf 20 Millionen. In Berlin, Hamburg, Brandenburg, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen sind die Voraussetzungen für den Ausbau besonders gut.
In 55 kreisfreien Städte könnte der Anteil der Fernwärme auf mehr als 75 Prozent steigen, wenn die Potenziale vollständig erschlossen würden. Als positive Beispiele nennen die Studienautor:innen Flensburg, Kiel, Wolfsburg, Mannheim und Rostock. Dort hat die Fernwärme bereits heute einen Anteil von mehr als 50 Prozent.
In 7 Prozent der Kreise, vor allem in kleineren Kommunen, ist der Ausbau der Fernwärme jedoch schwierig. „Diese Kreise und Gemeinden stehen vor der Grundsatzentscheidung, ob sie in die Fernwärme einsteigen wollen“, sagt Nils Thamling, Leiter Wärme-Team von Prognos.
Der Studie zufolge kann vielerorts Fernwärme zu großen Teilen aus lokal vorhandenen erneuerbaren Quellen gewonnen werden. Dazu gehören Geothermie, Gewässerwärme, industrielle Abwärme, Kläranlagen oder Solarthermie. In zehn Bundesländern könnte mehr als 50 Prozent der Fernwärme daher stammen, in Hamburg und Bremen sogar 100 Prozent. Industrielle und gewerbliche Abwärme nutzen könnten zum Beispiel Duisburg, Gelsenkirchen, Karlsruhe oder Ludwigshafen.
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