Die Krisenzeichen sind unübersehbar: Die Volkswagen-Tochtergesellschaft Porsche verbuchte im Jahresabschluss 2025 Sonderabschreibungen in der Modellentwicklung und für Zulieferprojekte von 2,4 Milliarden Euro. Europas zweitgrößter Autokonzern Stellantis schrieb vor allem für Europa und Nordamerika 18,8 Milliarden Euro ab. Mercedes warnt in der Bilanz vor Risiken in der Absatzentwicklung, die sich negativ auf das Ergebnis auswirken könnten. Bei Ford in Köln ist die schlechte Lage unmittelbar an den Arbeitsplätzen abzulesen. Dort hat eine weitere Runde des Arbeitsplatzabbaus begonnen, es geht um 3700 Stellen.
Überraschend ist die Ursache dieser Krisenszenarien: Sie liegt nicht in den Folgen des Abschieds von der Verbrennertechnik, sondern ist im politisch verordneten Hochlauf für die Elektroautos zu suchen. Um ihren großen Ambitionen Nachdruck zu verleihen, hat die Europäische Union ihre Ziele für den Umstieg auf den batterieelektrischen Antrieb mit der Androhung von Strafzahlungen ab 2025 versehen sowie einem faktischen Verbrenner-Aus von 2035 an. Die Ampelkoalition schrieb im Koalitionsvertrag von 2021, dass 2030 rund 15 Millionen rein elektrische Autos auf Deutschlands Straßen fahren sollten.
Die Autohersteller waren zu gutgläubig und bezahlen nun dafür
Die europäischen Hersteller haben auf diese Perspektiven vertraut. Manche waren zu gutgläubig, etwa Porsche, wo man die Produktion der absatzstarken, preisgünstigeren Baureihen mit Verbrennermotor einstellte, um sie durch Elektroautos zu ersetzen. Das kleinere SUV Macan wurde mit Elektroantrieb vorgestellt, erreichte aber trotz allen Lobes der Autotester nicht die Verkaufszahlen des Verbrenner-Vorgängers. Die Präsentationen der Elektro-Nachfolger des Einstiegscoupés Cayman und des Einstiegsroadsters Boxster wurden nun aufgeschoben.
Mit 700 Millionen Euro Abschreibungen, also finanziellem Aufwand, ohne am Ende etwas davon zu bekommen, hat sich Porsche vom Projekt einer eigenen Batteriefertigung verabschiedet. Ähnlich hat sich Stellantis mit zwei Milliarden Euro Abschreibungen aus Projekten für Batteriefabriken zurückgezogen. In Köln büßten Tausende Ford-Mitarbeiter mit dem Verlust ihres Arbeitsplatzes dafür, dass die Konzernleitung an eine schnelle Transformation zum Elektroantrieb glaubte und die gesamte Fertigung in Köln auf Elektroautos umstellte. Die Nachfrage blieb weit unter selbst minimalen Erwartungen, weshalb die Beschäftigung drastisch reduziert wird.
Genau 100 Elektromodelle von Europas fünf Autokonzernen
In der Öffentlichkeit werden die schlechten Nachrichten allzu leicht mit dem parallel stattfindenden Niedergang der Nachfrage nach Verbrennertechnik verbunden. Immer wieder wird – weit entfernt von den Fakten – kommentiert, das komme eben davon, wenn die europäische Autoindustrie das Verbrennerauto bis zum Ende totreiten wolle.
Das Gegenteil ist wahr: Im Moment bieten die fünf europäischen Autokonzerne genau 100 Modelle mit batterieelektrischem Antrieb an, dabei sind unterschiedliche Motor- und Ausstattungsversionen nicht mitgerechnet. Die Autohersteller haben sich schon vor Jahren darangemacht, diese Modelle zu entwickeln. Doch in der Zwischenzeit wurden nicht die nötigen Voraussetzungen für einen richtigen Hochlauf des Elektroantriebs geschaffen, wie Ladenetz und ausreichende Stromversorgung für Millionen von Autos in Deutschland und ganz Europa .
Der im Gegensatz zu den Ambitionen überschaubare Aufschwung der Nachfrage nach E-Autos kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass der angestrebte Umstieg auf Elektroantrieb bisher kein „Hochlauf“, sondern ein Flop war. 2030 wird es auf Deutschlands Straßen statt 15 Millionen Elektroautos vielleicht sechs Millionen geben. In Ost- oder Südeuropa ist die Umstellung noch am Anfang.
Skandalös ist der Umstand, dass die Verantwortlichen für diese Pleite, EU-Umweltkommissare, EU-Bürokraten, aber auch Umweltpolitiker der Grünen und der SPD, für diesen Flop keinerlei Verantwortung übernehmen. Im Gegenteil: Ihr Plan ist „weiter so“, mit noch mehr Forderungen und natürlich so streng wie möglich gegenüber den angeblich innovationsfeindlichen Autoherstellern.
Die nächsten Ziele sind Ausmerzen des Plug-in-Antriebs, E-Auto-Pflicht für Unternehmensflotten und Autovermieter. Zugleich sollen aus der Perspektive der bisherigen Regulierer etwaige Lockerungen am Verbrennerverbot 2035 nur symbolisch bleiben. Stattdessen wäre längst ein Offenbarungseid der bisherigen Architekten von Klimastrategien für Autos fällig und ein völliger Neuanfang – ohne all die Vorschriften, sondern alleine gestützt auf günstigen Ladestrom und reichlich E-Fuels.
Read the full article at Frankfurter Allgemeine (FAZ) →