Rund tausend Kilometer westlich von Perth hat ein Forschungsteam Hunderte Walfossilien in großer Tiefe entdeckt, manche davon Millionen Jahre alt. Was über den »Walsturz-Superkorridor« im Indischen Ozean bekannt ist.
11.06.2026, 10.12 Uhr
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Im Februar 2023 erkundete das chinesische Tauchboot »Fendouzhe« die Diamantina-Bruchzone im Südosten des Indischen Ozeans, grob tausend Kilometer westlich der australischen Stadt Perth. Dabei stießen die Wissenschaftler in der Nähe des sogenannten Dordrechttiefs in rund 7000 Meter Tiefe auf Überreste von Walen. Die Knochen ragten aus Sedimenten hervor und waren bedeckt von einer schwarzen Schicht aus Eisen-Mangan-Oxiden. Nie zuvor waren Walfossilien auch nur annähernd in einer solchen Tiefe entdeckt worden.
Das Ausmaß des Walfriedhofs wurde erst nach 32 weiteren Tauchgängen in den folgenden Wochen deutlich. Die Nekropole – so der Jargon der Forscher – erstreckt sich entlang der Diamantina-Bruchzone über eine Länge von 1200 Kilometern und liegt in einer Tiefe von 4200 bis 7000 Metern. Es ist der mit Abstand tiefste, der mit Abstand größte und der mit Abstand älteste bekannte Walfriedhof: Insgesamt finden die Forscher 476 teils mehrere Millionen Jahre alte Fossilien von Walen.
Gleichzeitig ist der Walfriedhof ein hoch spezialisiertes, vielfältiges und weitgehend unbekanntes Ökosystem. So berichtet es jetzt das Team um Xiaotong Peng von der Chinesischen Akademie der Wissenschaften in Sanya im Fachjournal »Nature« .
Wenn ein Wal stirbt, sinkt der Kadaver gewöhnlich in die Tiefe, landet auf dem Meeresgrund und dient dort als Nahrungsgrundlage für eine Vielzahl von Organismen. Insgesamt seien solche sogenannten Walstürze zwar häufig, schreibt die Gruppe, dokumentiert seien bisher weltweit aber nur etwas mehr als 70 derartige Areale. Diese reichten von relativ flachen Zonen bis in maximal etwa 4000 Meter Tiefe.
Forschungstauchboot »Fendouzhe«: Spezielle Ökosysteme in der Nekropole
Forscher sprechen von »Walsturz-Superkorridor«
Rekordhalter diesbezüglich war bislang eine Stelle im Südwest-Atlantik vor der südbrasilianischen Küste mit 4204 Meter Tiefe, über die ein internationales Forschungsteam 2016 im Fachblatt »Scientific Reports« berichtet hatte. Das jetzige Gebiet – das Team spricht von einem »Walsturz-Superkorridor« – liegt noch bis zu 2800 Meter tiefer.
In der dort entdeckten Nekropole stießen die Forscher auf spezielle Ökosysteme. Diese würden von Quallen, Schlangensternen, Muscheln und Bartwürmern etwa aus der Gattung Osedax dominiert, sie seien auf die Besiedlung von Skeletten auf dem Meeresgrund spezialisiert.
Insgesamt identifizierte die Gruppe im lebendigen Ökosystem des Walfriedhofs 35 bekannte größere – mehr als 0,5 Millimeter messende – Arten. Auf einem Quadratmeter hätten teils bis zu 2840 Individuen gelebt. Die meisten gesammelten Arten seien aber wohl unbekannt, schreibt die Gruppe.
Forscher fanden Fossilien von ausgestorbenen Walen
Die entdeckten Walfossilien sind bis zu 5,3 Millionen Jahre alt, wie Datierungen anhand von Strontium-Isotopen ergaben. Fünf Areale seien noch aktiv, berichtet die Gruppe. Die dortigen jüngeren Knochen sind demnach von dichten weißlichen Mikrobenmatten bedeckt und von Osedax-Würmern besiedelt. Das tiefste aktive Areal lag ebenfalls nahe dem Dordrechttief, knapp 6800 Meter unter der Wasseroberfläche. Dort identifizierten die Wissenschaftler ein fünf Meter langes Skelett anhand der charakteristischen Ohrknochen und des Genoms als Südlichen Zwergwal (Balaenoptera bonaerensis).
Mancherorts hätten die Walfossilien schon das abschließende Riff-Stadium erreicht, heißt es weiter: Diese Knochen sind von Hartsubstrat und Tieren bedeckt, wie der Seeanemone Galatheanthemum profundale, Schwämmen der Gruppe Caulophacus und Tiefsee-Seesternen der Gattung Freyastera.
Noch spannender ist die Analyse der alten Walfossilien. Hier fand das Team zwei heute noch lebende Arten: sieben Individuen des Andrew-Schnabelwals (Mesoplodon bowdoini) und 14 Exemplare von Layard-Walen (Mesoplodon layardii). Andere Arten sind dagegen längst ausgestorben – etwa Vertreter der Schnabelwal-Gruppen Pterocetus und Izikoziphius.
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Warum wurde die Region zum Walfriedhof?
»Die Konzentration von Walstürzen und Fossilien in der Diamantina-Bruchzone wirft grundlegende Fragen zum Ursprung dieser Wal-Nekropole auf«, schreibt die Gruppe in »Nature«. Warum häufen sich ausgerechnet dort derart viele Walreste? Darauf haben die Forscher mehrere Antworten:
Eine Teilantwort liefert die Zusammensetzung der Walarten : Bartenwale wie etwa Seiwal (Balaenoptera borealis) und Südlicher Zwergwal sind sehr selten. Bei den weitaus meisten Tieren handelt es sich um die zu den Zahnwalen zählenden Schnabelwale (Ziphiidae): Diese jagen typischerweise bis in große Tiefen, etwa nach Kalmaren. Sie könnten mehr als eine Stunde die Luft anhalten und vermutlich bis in meh…
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