Eine Erzählung macht aktuell die Runde, die so lautet: Millionen Häuser in Deutschland gehören den Babyboomern. Da diese immer älter werden, irgendwann pflegebedürftig sind oder versterben, werden ihre Immobilien in der Zukunft frei werden und für eine Marktschwemme sorgen, Preisrückgang inklusive. Vom „Silver Tsunami“ ist in Youtube-Videos, auf Instagram und in Blogbeiträgen die Rede.
Das ist eine sehr naive Annahme. Es mag zwar stimmen, dass gerade in ländlichen Regionen, die ohnehin schon mit Leerstand kämpfen, dieser Boomer-Effekt die Immobilienpreise noch stärker drücken könnte. Ansonsten wird von diesem angeblichen Tsunami wenig zu spüren sein. Die Babyboomer haben dank der gestiegenen Lebenserwartung noch einiges an Lebenszeit vor sich. Einen plötzlichen Massenabverkauf wird es aber auch dann nicht geben, es handelt sich um einen schleichenden Prozess.
Für den Aktienmarkt wurde vor einigen Jahren schon mal ein ähnliches Phänomen vorhergesagt, damals hieß es: Die alternde Gesellschaft werde einen Kurssturz verursachen, weil die Boomer allesamt zum Renteneintritt ihre Depots auflösen würden, um ihren Ruhestand zu finanzieren. Nun ist es zwar so weit, dass viele Menschen in Rente gehen, ein boomerbedingter Börsencrash zeichnet sich aber nicht ab.
Zudem ist fraglich, wie viele Häuser überhaupt auf den Markt kommen. Viele werden an Kinder und Enkel vererbt. Gleichzeitig ist die Nachfrage besonders in den Städten und im Umland so groß, dass die allmählichen Verkäufe keinen merklichen Preisrückgang verursachen dürften.
Vor allem gut erhaltene Häuser werden gefragt bleiben. Die unsanierten verlieren zwar an Wert, was sie aber wegen der hohen Kosten für Handwerker und Baumaterialien nicht unbedingt attraktiver macht. Auf den Tsunami wird man also vergeblich warten.
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