Ida
Die ID Austria bekommt im Sommer einen KI-Chatbot
Hinter "Ida" steckt ein Modell von Mistral. Ältere Mitmenschen können in der ID Austria bald Vollmachten erteilen. Der App-Wildwuchs bleibt
Peter Zellinger
Die ID Austria wird im Sommer durch "Ida", einen KI-Chatbot, verstärkt. Auch Vollmachten kann man künftig ausstellen.
Neun Millionen digitale Identitäten sollen bis Ende 2029 ausgestellt werden, wenn es nach Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll geht. Alle Menschen in Österreich sollen also über die ID Austria verfügen. Ganz erreicht ist dieses Ziel noch nicht: Aktuell nutzen sechs Millionen Menschen die digitale ID des Bundes. Aber die Tendenz steigt: Noch vor zwei Jahren war die ID Austria 3,8 Millionen Mal ausgestellt.
Die ID Austria steht aber seit jeher in der Kritik, komplizierter als nötig zu sein. Deshalb soll die Handhabung bürgerfreundlicher werden. Dafür hat man eigens ein Bürgerforum eingerichtet, um Verbesserungsvorschläge zu sammeln. Neben einer österreichweiten Service-Tour kündigte Pröll drei zentrale Neuerungen an.
KI soll beim Reisepass helfen
Die wichtigste ist bestimmt der KI-Chatbot "Ida" (für ID A ustria). Österreich positioniert sich damit laut Pröll als erster EU-Mitgliedstaat, der Künstliche Intelligenz direkt in eine staatliche digitale Identitäts-Plattform integriert. Der Chatbot soll den Bürgern rund um die Uhr zur Verfügung stehen – erreichbar über die ID Austria App sowie die Webportale oesterreich.gv.at und id-austria.gv.at.
Die Zielsetzung ist klar: "Ida" soll nicht nur passiv informieren, sondern aktiv bei digitalen Behördenwegen unterstützen. So liefert der Bot beispielsweise kompakte Schritt-für-Schritt-Anleitungen für eine Reisepassverlängerung oder erstellt individuelle Checklisten für die Adressummeldung bei einem Umzug.
Modell von Mistral
Angetrieben wird "Ida" von dem Sprachmodell des französischen Herstellers Mistral. Das KI-Modell läuft ausschließlich auf den Servern des österreichischen Bundesrechenzentrums (BRZ), wie Pröll betont. Damit sei eine Datenübertragung ins Ausland ausgeschlossen.
Personenbezogene Dialogdaten werden nicht gespeichert und es erfolge kein Tracking oder Profiling der Nutzer. Die Datenbasis des Chatbots bilden zudem ausschließlich "qualitätsgesicherte" Inhalte, so Pröll. Dass dieser Schritt womöglich auf Skepsis stößt, ist Pröll bewusst: "Wir haben hier natürlich als Start eine besondere Verantwortung Vertrauen zu schaffen und richtige Informationen zu geben".
Lizenzkosten entstehen dadurch nicht, da die Open-Weight-Variante von Mistral benutzt wird, wie auf STANDARD-Nachfrage aus dem Staatssekretariat zu erfahren war. "Kosten entstehen lediglich durch die Betriebe, die die BRZ leistet, wartet und weiterentwickelt", hieß es.
Vollmachten für ältere Menschen
Neben der künstlichen Intelligenz soll ein lange bestehendes Praxisproblem der ID Austria angegangen werden: die Vertretung von Personen im digitalen Raum. Bislang stießen Nutzer schnell an ihre Grenzen, wenn sie beispielsweise für ältere Familienmitglieder Behördenwege erledigen wollten.
Mit der Einführung der mobilen Vollmachten in der neuen App-Version können Nutzer nun offiziell andere Personen bei digitalen Services vertreten. Die einzige Voraussetzung: Sowohl die vollmachtgebende als auch die bevollmächtigte Person müssen über eine registrierte ID Austria verfügen.
Ein Enkel kann künftig in Vertretung für seine 80-jährige Großmutter, die digital weniger affin ist, deren elektronische Rezepte einsehen, Rechnungen bei der Krankenkasse einreichen oder Leistungsinformationen abrufen. Dieser Service funktioniert im engen Zusammenspiel mit den Systemen der Sozialversicherung und soll kontinuierlich auf weitere Amtswege ausgeweitet werden.
Um diese neuen Funktionen in die Breite zu tragen, tourt das Digitalisierungsministerium im Juli und August 2026 erneut mit Service-Bussen durch Österreich. Zudem wurde das Netz der ausstellenden Stellen massiv verdichtet: Mittlerweile bieten knapp 1.350 von über 2.000 österreichischen Gemeinden die Registrierung der ID Austria an.
App-Wildwuchs bleibt
Ein spürbares Manko in der österreichischen E-Government-Strategie bleibt aber bestehen: Die Zersplitterung der Anwendungen auf den Smartphones der Bürger.
Zwar wurde als dritte Neuerung ein direkter Zugang aus der ID Austria App zur eAusweise-App (welche für den digitalen Führerschein oder Zulassungsschein benötigt wird) geschaffen, um die Bedienung etwas flüssiger zu gestalten. Dennoch bleibt es bei getrennten Applikationen. Der erhoffte "One-Stop-Shop" lässt weiterhin auf sich warten.
"Wenn ich es mir alleine aussuchen könnte als Digitalisierungsstaatssekretär, dann wüsste ich, wie ich es bauen würde", so Pröll
Wer sich digital ausweisen möchte, nutzt die eAusweise-App. Wer sich am Computer bei Ämtern anmeldet, braucht die ID Austria App. Wer Gesundheitsdaten, die E-Card-Nutzung oder E-Rezepte einsehen will, benötigt wieder…
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