Kann sich das Parlament einen Scherbenhaufen leisten? Kann es zwar einen Volksentscheid umsetzen, aber dessen Finanzierung auf Jahre hinaus offenlassen? Oder ist es sogar richtig, eine Lösung scheitern zu lassen, wenn sie den Überzeugungen einer Ratsmehrheit widerspricht? Diese Fragen werden sich in Bezug auf die Finanzierung der 13. AHV-Rente einige im Nationalrat in den nächsten Tagen stellen.
Denn die Einigungskonferenz hat sich heute für eine Lösung entschieden, die der Überzeugung einer Mehrheit im Nationalrat zuwiderläuft. Und zwar soll die 13. AHV-Rente dauerhaft finanziert werden mit einer Mischlösung, bestehend aus höherer Mehrwertsteuer und leicht höheren Lohnbeiträgen.
Keine wirkliche «Einigung»
Insofern ist der Begriff Einigungskonferenz im konkreten Fall irreführend, suggeriert er doch, dass sich die beiden Räte auf einen Kompromiss geeinigt hätten. Tatsächlich aber blieben in der Einigungskonferenz die Fronten so starr wie bisher: Die Mehrheit der Ständerätinnen und Ständeräte (Mitte-links) votierte für eine zeitlich unbegrenzte Mischlösung mit dem Argument, diese sei sozialer, weil nicht nur Jung und Alt mit zahle – über die Mehrwertsteuer –, sondern auch die Reichen überproportional dazu beitrügen – über die Lohnbeiträge.
Die Mehrheit der Nationalratsdelegation (SVP, FDP und GLP) hingegen votierte für eine zeitlich begrenzte reine Mehrwertsteuerlösung. Ihr Argument: Bei der Mehrwertsteuer würden auch die Älteren mitzahlen, die ja schliesslich von der 13. AHV-Rente profitierten. Lohnbeiträge hingegen seien besonders schädlich, weil sie die Arbeit verteuern würden.
Und eine zeitliche Befristung dieser Lösung sei sinnvoll, weil damit der Druck für eine grosse AHV-Reform hoch bleibe und auch andere Lösungen wie eine Lebensarbeitszeit oder ein höheres Rentenalter ins Spiel kämen.
Alle Augen auf den Nationalrat
Durchgesetzt hat sich die Position des Ständerats. Nicht, weil sich die beiden Lager darauf geeinigt hätten, sondern weil die Mehrheit im Ständerat – und damit auch in der Ständeratsdelegation in der Einigungskonferenz – zahlenmässig grösser ist als diejenige im Nationalrat.
Morgen stimmt der Ständerat über den Vorschlag der Einigungskonferenz ab. Die Zustimmung ist Formsache. Spannend wird es nächsten Mittwoch im Nationalrat. Sollten FDP, SVP und GLP weiterhin hart bleiben und geschlossen Nein stimmen, wäre die Finanzierungsvorlage beerdigt. Allerdings braucht es für ein Ja nur eine Handvoll Abweichler. Insbesondere Mitglieder der SVP-Fraktion aus der Romandie liebäugeln mit einem Ja, da für einige von ihnen höhere Lohnabzüge nicht dasselbe Tabu darstellen wie für ihre Kolleginnen und Kollegen aus der Deutschschweiz.
Der Krimi geht weiter
Neben Ja und Nein gibt es sogar noch eine dritte Möglichkeit: Jein. Da die Vorlage aus zwei separaten Erlassen besteht, könnte der Nationalrat nur die Erhöhung der Lohnbeiträge ablehnen, die Erhöhung der Mehrwertsteuer aber annehmen. SVP, FDP und GLP könnten damit ihre deklarierte rote Linie bei den Lohnbeiträgen einhalten. Allerdings war bisher auch die zeitliche Befristung einer Finanzierungslösung zentral für die drei Parteien.
Der Krimi um die AHV-Finanzierung geht also auch nach der Einigungskonferenz weiter. Und die Vorlage bleibt akut absturzgefährdet. Die Mehrheit im Nationalrat wird sich in den nächsten Tagen die Frage stellen, was ihr wichtiger ist: Prinzipientreue oder das Signal an die Bevölkerung, dass das Parlament fähig ist, sich zu einer Lösung durchzuringen.
Georg Halter
Bundeshausredaktor
Personen-Box aufklappen
Personen-Box zuklappen
Georg Halter ist seit Anfang 2022 Bundeshausredaktor des Schweizer Fernsehens. Zuvor hat er in der Tagesschau als Redaktor und Moderator gearbeitet sowie als Basel-Korrespondent. Georg Halter ist seit 2005 für SRF tätig.
Wählen Sie SRF als Ihre bevorzugte Quelle bei Google
Box aufklappen
Box zuklappen
Schneller das sehen, was für Sie relevant ist: Mit wenigen Klicks können Sie bei der Google-Suche Ihre bevorzugten Nachrichtenquellen hinterlegen. So auch SRF.
Über diesen Link gelangen Sie zu den Quelleneinstellungen in Ihrem Google-Konto, wo SRF zur Auswahl bereit steht . Klicken Sie das Kästchen an – nun wird die Zusammenstellung der Nachrichtenquellen personalisiert. Sie sehen häufiger Inhalte von SRF in den Ergebnissen.
Read the full article at SRF News →📄Source document: Corina Gredig
3 reports
SRF NewsState / PublicLeft8 days ago Financing of the 13th AHV pension – Are you willing to accept a pile of shards, Mrs. Gredig?The Swiss parliament is divided on how to fund the 13th AHV pension. The Council of States proposes increasing both VAT and wage deductions, while the National Council wanted only a temporary VAT increase. The Green Liberal Party (GLP), led by Corina Gredig, opposes wage deductions and demands a temporary solution. Gredig criticized the proposed compromise as not being a true compromise and stated that neither of the GLP's demands have been met.
Bias read (Left): The article presents the positions of different political groups and quotes Corina Gredig without editorializing. It provides a balanced overview of the debate without favoring any side.
SRF NewsState / PublicCenter11 days ago Financing of the 13th AHV pension The potential for collapse remainsThe article discusses the financing of the 13th AHV pension in Switzerland, highlighting the disagreement between the National Council and the Federal Council over a mixed solution involving higher value-added tax and slightly increased wage contributions. The National Council majority (SVP, FDP, GLP) supported a temporary solution with only VAT increases, while the Federal Council proposed a permanent mixed approach. The article criticizes the term 'consensus conference' as misleading, noting that no real compromise was reached.
Bias read (Center): The article presents both sides of the debate without overtly favoring one perspective. It critiques the terminology used by officials but does not take a clear stance on which policy option is better. The tone remains analytical and balanced.
Official sources cited
- government Einigungskonferenz
- government Nationalrat
- government Ständerat
Tages-AnzeigerParty-alignedCenter11 days ago The decision of the Conference of the Parties: Poker to finance the 13th AHV pension: the GLP will probably end upThe conciliation conference proposes a mix of higher wage contributions and increased value-added tax to fund the 13th pillar of the Swiss pension system. However, it appears that only the tax increase may remain.
Bias read (Center): The article presents the proposed solutions neutrally without apparent bias toward any specific political group or outcome. It reports on the potential compromise and possible outcome without using loaded language or emphasizing one side over another.