Teure WM-Tickets
Die Fußball-WM in den USA, Kanada und Mexiko nähert sich mit großen Schritten. Die Taktung der Spiele ist intensiv, drei Viertel der Partien finden in US-Stadien statt – es winkt ein großes Spektakel. Dass der Internationale Fußballverband (FIFA), wie am Freitag bekanntwurde, einige Tickets kostenlos abgab, war natürlich ein Fehler. Denn tatsächlich regt vor der WM wenig so auf wie die Wucherpreise, zu denen die Tickets vom Weltfußballverband verkauft werden. Für einen Experten ist klar: Es ist ein Ausloten von Grenzen.
7. Juni 2026, 0.00 Uhr
Für Schlagzeilen sorgte die WM in den vergangenen Wochen vor allem wegen teils exorbitant teurer Tickets. Jene, die sich eine oder gar mehrere WM-Partien live im Stadion anschauen wollen, mussten tief in die Geldtaschen greifen. Schließlich ist die Preisgestaltung eine Blackbox, denn erstmals brachte die FIFA das „Dynamic Pricing“ in den Verkaufsprozess ein.
Diese „dynamische“ Preisgestaltung richtet sich nach der Nachfrage: Ist das Interesse an einer Partie groß, steigt der Preis, schließlich – so sagt es die Marktlogik – sind mehr Menschen bereit, mehr für ein Ticket zu bezahlen. Die FIFA übernahm dieses Modell, das etwa bei Fluglinien, Hotels und Fahrtdiensten aber auch bei Spielen in den großen US-Profiligen üblich ist.
Hunderte bis Tausende Euro
Wie hoch die Preise mittlerweile sind, zeigt ein Blick auf den herausragenden Gruppengegner des ÖFB-Teams, den amtierenden Weltmeister Argentinien. Anfang Mai kostete das günstigste verfügbare Ticket für das Gruppenspiel Österreich gegen Argentinien 835 US-Dollar (über 710 Euro), für die weiteren Vorrundenpartien Argentiniens wurde ähnlich viel verlangt.
ÖFB-Aufsichtsratsvorsitzender Pröll zu WM-Austragungsort USA
Vor dem Start der Fußball-WM gibt es weiter Debatten über die USA als Austragungsort. ÖFB-Chef Josef Pröll erklärte, dass die Entscheidung für Nordamerika zu einer ganz anderen Zeit – vor dem teilweise brutalen Vorgehen der US-Einwanderungsbehörde ICE und dem Iran-Krieg – getroffen wurde.
Für das Finale lagen die günstigsten verfügbaren Karten bereits bei knapp 6.000 Dollar (über 5.100 Euro). Gerade Argentinien, das durchwegs stark nachgefragte Spiele bestreitet, zeigt die Dimension: Das US-Wirtschaftsmagazin „Business Insider“ errechnete, dass ein argentinischer Fan, der sein Team bis ins Finale begleitet, inklusive Reisen und Unterkünften mehr als 31.000 Dollar (über 26.000 Euro) ausgeben müsste.
Frage der Transparenz
„In der Theorie lassen sich für ein stark nachgefragtes Spiel höhere Preise realisieren als für ein weniger nachgefragtes Spiel“, sagt Dominik Schreyer gegenüber ORF.at. Schreyer ist Sportökonom an der deutschen Otto Beisheim School of Management (WHU). Er sagt: „Eine dynamische Bepreisung ist an sich weder neu noch illegitim. Im Idealfall richten sich Preise nach der tatsächlichen Nachfrage nach Tickets.“
Doch bleibe ein zentraler Punkt unklar – nämlich die Transparenz bei der Preisfindung. Es stelle sich die Frage, „ob Fans nachvollziehen können, wie Preise entstehen, wie knapp Tickets tatsächlich sind und welche Sitzplatzqualität sie am Ende kaufen“, so Schreyer. Am Ende drohe ein Vertrauensproblem, wenn nämlich Tickets teuer gekauft werden und sich dann Kategorien nachträglich ändern.
Böse Überraschungen
So erst zuletzt geschehen: Denn in einer früheren Phase waren von der FIFA WM-Tickets verkauft worden, in deren Kategorie später noch ein Premiumsegment angeboten wurde – zur bösen Überraschung jener, die sich davor bereits die vermeintlich besten Tickets gesichert hatten. Unter anderem hierzu leiteten zuletzt die Bundesstaaten New York und New Jersey Ermittlungen ein.
Für US-Präsident Donald Trump und FIFA-Boss Gianni Infantino sind beim WM-Finale schon Plätze reserviert
„Der Sport wird stärker als Premium- und Entertainmentprodukt vermarktet, und die Zahlungsbereitschaft verschiedener Zielgruppen wird systematischer abgeschöpft“, sagt Sportökonom Schreyer. Die Chancen für die Veranstalter seien damit klar: „Variable Preise können Nachfrage genauer abbilden, Erlöse erhöhen und verhindern, dass Tickets systematisch zu billig verkauft werden.“
Unklare Auslastung
Denn die Steuerung der Auslastung soll alle Szenarien abfedern: So hilft das System dem Veranstalter dabei, bei schwächer nachgefragten Spielen freie Plätze im Stadion zu füllen. Wie sich das Bild in den Stadien zeigen wird, ist noch nicht absehbar, sagt der Experte: „Ob diese Logik bei der WM am Ende durchgehend gut ausgelastete Stadien hervorbringt, werden wir sehen.“
Die FIFA jedenfalls verkündete zuletzt eine starke Buchungslage: Wie ein Sprecher des WM-Veranstalters in der Vorwoche mitteilte, seien bereits 90 Prozent der Tickets verkauft worden. Diese Tickets sollen zusammen mit Hospitality-Angeboten laut FIFA-Finanzberichten Einnahmen von über drei Mrd. US-Dollar (2,6 Mrd. Euro) generieren. Das wäre mehr als das Dreifache der Einnahmen der WM in Katar 2022.
„Soziale Selektion“
Gigantische Erlöse auf der ein…
Read the full article at ORF News →