Jürgen Klopp tritt bei der Fußball-WM erneut als Experte auf. Aber sind dabei die eigenen Fußstapfen zu groß?
Jürgen Klopp macht ein Selfie
reuters/Annegret Hilse
Jürgen Klopp befindet sich auf Wiedergewinnungstour. Aus den Stadien Nordamerikas hinein in die Glotzen der Bundesrepublik – und hoffentlich zurück in die Herzen der Fans. Die Strategie: Back to the roots.
Schon bei der Heim-WM 2006 war Klopp für das ZDF als Experte an der Seite von Moderator Johannes B. Kerner unterwegs. Damals schuf er eine neue Form der medialen Fußballanalyse und gewann im Oktober 2006 den Deutschen Fernsehpreis. Es war der Startschuss für den Aufstieg der Kultfigur Jürgen Klopp , der als Trainer von Mainz 05, Borussia Dortmund und dem FC Liverpool die Herzen deutscher und englischer Fußballfans eroberte. Jürgen Klopp nicht sympathisch zu finden: ein Novum. Dass Klopp irgendwann einmal für den DFB an der Seitenlinie stehen würde: nur eine Frage der Zeit.
Doch die Zeiten haben sich geändert. Seit seinem Engagement bei Red Bull hat vor allem in Deutschland die Sympathie für den 59-Jährigen deutlich Federn lassen. Dementsprechend kam die Anfrage von Magenta TV , das die Rechte an allen Spielen der Klub-WM hält, wie gerufen. Gemeinsam mit Thomas Müller und Mats Hummels bildet Klopp das Expertentrio des Telekom-Senders.
Die taz bei der Fußball-WM
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Schon bei seiner Vorstellung Ende März lieferte Klopp sich mit Müller ein unterhaltsames Wortgefecht über die Schiedsrichterentscheidungen im Champions-League-Finale 2013. In den Stadien zeigt sich Klopp in lässigen Outfits, zum Auftakt der deutschen Mannschaft sogar im neuen DFB-Trikot. Optisch wirkt er verändert, inszenierter als noch vor 20 Jahren. Und doch gibt er sich betont locker, versucht an die Leichtigkeit früherer Tage anzuknüpfen. Aber funktioniert das heute noch genauso wie damals?
Jein. Das Gewicht seiner Worte hat sich verändert. Klopp ist nun einmal nicht mehr Trainer des – bei allem Respekt – Bundesliga-Zwergs Mainz 05, der wenig zu verlieren hatte. Und genau diese Veränderung scheint ihm jetzt ein Stück weit auf die Füße zu fallen. Zunächst sorgte er mit seiner Aussage, „noch“ stelle Julian Nagelsmann die Mannschaft auf, für Aufregung – und entschuldigte sich später. Dass Klopp, der seit Jahren als potenzieller Bundestrainer gehandelt wird, die deutschen Spiele, die Aufstellung und die Entscheidungen analysiert, wirkt heute eben anders als noch vor 20 Jahren.
Und da war ja auch noch sein Engagement bei Red Bull . Der in Deutschland nicht allzu beliebte Marketingklub aus Leipzig hat gerade Erfolgstrainer Ole Werner entlassen. Mutmaßlicher Strippenzieher hinter den Kulissen: Klopp, der sich mit Werner überworfen haben soll. Auch dazu muss er am Spielfeldrand der Klub-WM Stellung beziehen. So sehr Klopp versucht, an die Unbeschwertheit vergangener Tage anzuknüpfen – die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen. Im Gegensatz zu 2006 kann Klopp auch verlieren.
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