Russlands Zentralbank hat den Leitzins am Freitag nur leicht gesenkt, um 25 Basispunkte auf 14,25 Prozent. Dies begründete der Regulator damit, dass für dieses Jahr weiterhin mit einer Inflation zwischen vier und fünf Prozent gerechnet werde. Zu den Risikofaktoren für eine höhere Teuerung zählt die seit 2013 von Elwira Nabiullina geführte Zentralbank auch die „zeitweilige Senkung“ der Treibstoffproduktion in Russland und erkennt damit indirekt die Auswirkungen der ukrainischen Drohnenangriffe auf russische Raffinerien an. Der Kraftstoffmangel hat vielerorts zu Verkaufsbeschränkungen geführt. In ihrer Pressekonferenz zur Leitzinsentscheidung sagte Nabiullina am Freitagnachmittag, ein jäher Anstieg der Treibstoffpreise beeinflusse die Inflation im Juni.
Die Entscheidung des Regulators war mit Spannung erwartet worden, weil Präsident Wladimir Putin vorige Woche entgegen den Gepflogenheiten persönlich dafür plädiert hatte, den Leitzins zu senken. Tags darauf hatte einer der Stellvertreter Nabiullinas, Alexej Sabotkin, aber zu bedenken gegeben, dass der Inflationsdruck weiter hoch und der Spielraum für Zinssenkungen daher gering sei, auch weil die Staatsausgaben hoch blieben. „Die Haushaltspolitik wird über einen Zeitraum von drei Jahren stärker konjunkturfördernd ausfallen als zuvor erwartet“, teilte die Zentralbank nun mit. Gemeint ist der Krieg gegen die Ukraine, der die Staatsausgaben in die Höhe schnellen lässt .
„Alle arbeitenden Hände einsetzen“
Russlands Wirtschaft wachse „mit maßvollem Tempo“, befand der Regulator nun, während die Investitionsaktivität „zurückhaltend“ bleibe. Russlands Wirtschaft leidet unter einem eklatanten Arbeitskräftemangel. Nabiullina forderte jetzt, „alle arbeitenden Hände maximal dort einzusetzen, wo es der Wirtschaft am meisten bringt“. Zudem lähmen die hohen Kosten für Kredite Russlands Wirtschaft. Eine Mehrheit der Analysten hatte damit gerechnet, dass die Zentralbank nun den Leitzins nicht um 25, sondern um 50 Basispunkte auf 14 Prozent senken werde.
Gleich nach Russlands Überfall auf die Ukraine Ende Februar 2022 hatte Nabiullina den Leitzins auf 20 Prozent hochgerissen, ihn bald aber wieder gesenkt bis zum Niveau von 7,5 Prozent. Von Sommer 2023 an musste sie dann den Zinssatz wieder schrittweise auf bis zu 21 Prozent Ende 2024 erhöhen, weil die Staatsausgaben für die Rüstung die Inflation anheizten. Seither senkt Nabiullina das Niveau wieder allmählich ab, zuletzt vor zwei Monaten von 15 auf 14,5 Prozent.
Ebenfalls mit Spannung erwartet worden war, ob Nabiullina wie angekündigt am Freitag auftreten werde. Sie hatte seit Anfang Juni offiziell wegen Krankheit mehrere Termine versäumt. Die „Financial Times“ berichtete nun von einer „schweren Atemwegsinfektion“ Nabiullinas. Deren Abwesenheit hatte Spekulationen befeuert, ob sie noch Putins Rückhalt habe. Die Amtszeit der 62 Jahre alten Ökonomin läuft in einem Jahr ab.
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