Seifenblase am Brandenburger Tor / picture alliance / Wolfgang Maria Weber | Wolfgang Maria Weber
Erschöpft vom Versprechen
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Über die Kunst des politischen Ankündigungsmanagements
Die Bundesregierung kündigt an, verspricht und beschwört. Aber permanente Reformrhetorik führt auf Dauer zu öffentlicher Erschöpfung. Wenn es dann tatsächlich zu Einschnitten und Zumutungen kommt, sind die Bürger längst lethargisch geworden.
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Autoreninfo
Prof. Dr. Oliver Errichiello ist Markensoziologe und lehrt an Universitäten in Deutschland und der Schweiz. Er leitet das Büro für Markenentwicklung in Hamburg. Sein Buch „Werbung für den Zeitgeist“ sorgte für kontroverse Diskussionen in der Branche.
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Die Psychologie weiß um ein Phänomen, das jeder aus Parkspaziergängen am Sonntagnachmittag kennt: Man wandert durch die städtischen Grünanlagen und denkt: „Man müsste eigentlich mal wieder laufen gehen“ oder „Klavier spielen“ oder „die Italienischkenntnisse auffrischen“, und genau in dem Moment, in dem man es denkt, vielleicht sogar ausspricht, sich also die Vorstellung gedanklich entfaltet, vollzieht sich etwas Merkwürdiges: Ein leises Wohlgefühl stellt sich ein, denn die Vorstellung ist zur Aktion geworden. Die Forschung nennt diesen Sachverhalt „Substitutionsbefriedigung“. Die Vorstellung einer Handlung aktiviert dieselben Belohnungskreisläufe wie die Handlung selbst und senkt damit genau die Wahrscheinlichkeit, dass man sie wirklich umsetzt. Das Versprechen ersetzt das Tun, und das fühlt sich, jeder mag es für sich prüfen, zumindest kurzfristig erstaunlich gut an.
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