Bundesjugendspiele gab es auch in den vergangenen Jahren, sie waren nie abgeschafft, auch wenn die Debatte zwischen vermeintlich fortschrittlichen Reformern und konservativen Verteidigern des Leistungsgedankens diesen Eindruck bei vielen hinterlassen hat. Die Politik hat in genau der Debatte um Schulsport, die in den vergangenen Jahren die größte Aufmerksamkeit erzielt hat, versagt und sich damit eigentlich nicht mal die Teilnehmerurkunde verdient.
Während die Reformer sich mit einer jeder sprachlichen Vernunft spottenden Unterscheidung zwischen dem vermeintlich zu harten Wettkampf und dem sanfteren Begriff Wettbewerb befasst und darüber den Sportsgeist vergessen haben, ließen konservative Verteidiger zehntelexakter Sekundenangaben und zentimetergenauer Messungen unbedacht, welchen Schaden sie mit ihrer Häme gegenüber durchaus berechtigten Reformbemühungen angerichtet haben.
Wettkampf ist weder zu verbieten noch zu verordnen: Kinder untereinander wissen sowieso ziemlich genau, wer der Schnellste ist, wer besser springen und weiter werfen kann. In jeder Sportstunde und auch auf dem Pausenhof gibt es Sieger und Verlierer. Und die Kinder kommen erstaunlich gut damit zurecht.
Gemeinsam weinen, gemeinsam gratulieren
Die Politik hätte die vergeudete Zeit besser genutzt, um über wesentliche Aspekte des Sports gerade in der Grundschule zu debattieren und in einen Ideenwettstreit zu treten. Statt über die tatsächlich wichtigen Aspekte wie ein Mindestmaß an Bewegung im Lernalltag, am besten in sinnvoller Ergänzung zum Lernstoff, nachzudenken, blieb selbst aus dem Bundestagswahlkampf der Sport nur in einer Bemerkung des späteren Kanzlers Friedrich Merz in Erinnerung. Dieser blies ins Horn jener, die dem Sport eine Tendenz zur Aufweichung des Leistungsgedankens unterstellten. Er vermengte gerne den angeblichen Verzicht auf Wettkampf bei den Bundesjugendspielen mit einem angeblichen Verzicht aufs Torezählen bei den kleinsten Fußballern, um den Eindruck zu untermauern, dass in Deutschland Leistung nichts mehr zähle.
Genau das Gegenteil aber wäre im Sportunterricht oft festzustellen, wenn man die Mühe auf sich nähme, in Grundschulen zu gehen, die aus der Not des Betreuungsschlüssels beispielsweise Spiele wie Gefängnisball oder den guten alten Völkerball (Reformer mögen gerne einen anderen, weniger verfänglichen Namen dafür in die Sprache einführen) kultivieren, bei denen wirklich jedes Kind zum Zuge kommt.
Bei diesen Spielen herrscht Leistungsdenken pur, bei der Niederlage wird hemmungslos gemeinsam im Kreis des eigenen Teams geweint und nur eine halbe Minute später dem Sieger gratuliert. Die Sportpolitik sollte abgehobene Debatten beenden und lieber mit Entscheidungen jene stärken, die den Sportunterricht pragmatisch an die Gegebenheiten anpassen und den Kindern Spaß an Bewegung vermitteln, ganz gleich ob mit dem Maßband gemessen oder durch spielerischen Ehrgeiz angestachelt.
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