Doppelbudget
Gute Rede, nicht gut genug: Warum es schade ist, dass Marterbauer nicht mehr gelungen ist
Der Finanzminister hat sein Sparpaket im Parlament bemerkenswert gut begründet. Dennoch ist das Ergebnis nicht zufriedenstellend: Es fehlte die politische Zielvorgabe, wohin Österreich steuern soll
Kommentar
/
Petra Stuiber
Finanzminister Markus Marterbauer hat am vergangenen Mittwoch im Nationalrat eine gute Budgetrede gehalten. Er hat Probleme benannt, Chancen skizziert, Risken nicht verschwiegen. Und: Die Rede hatte ein klares politisches Bekenntnis zum Sozialstaat europäischer Prägung, um den es sich zu kämpfen lohne.
Die Absicht hätte er wohl gehabt, allein, es fehlte der politische Wille: Finanzminister Markus Marterbauer hätte gerne mehr Reformen ins Budget gepackt.
Nun ist Marterbauer bekennender Sozialdemokrat, insofern ist sein Ja zum Sozialstaat weder wahnsinnig überraschend noch wahnsinnig mutig. Dennoch: In den vergangenen Jahren ist es üblich geworden, soziale Errungenschaften in Österreich grundsätzlich zu problematisieren, sogar schlechtzureden. Der Sozialstaat wurde und wird gleichgesetzt mit: zu teuer, zu großzügig, leistungsfeindlich, eigentlich unnötig.
Es war die FPÖ unter Jörg Haider, die damit begann – und es war die ÖVP, nicht zuletzt unter Sebastian Kurz, die da verbal oft kräftig mithalf. Die SPÖ, teils auch die Grünen, begaben sich in Verteidigungshaltung. Darüber vergaß man allzu oft, nüchtern zu überlegen, wo dieser tatsächlich großartige Garant für soziale Sicherheit und Frieden Reformen benötigt – und diese auch anzugehen. Umso weniger, als sich die Sozialpartner, auf Arbeitnehmer- wie Arbeitgeberseite, oft sehr zierten und das Althergebrachte bewahren wollten.
Am Ende spricht man dann lieber gar nicht mehr über den Sozialstaat, um keine (blauen) Begehrlichkeiten zu wecken. Das ist aber falsch. Man sollte stolz sein auf das, was man hat. Und dazu stehen, auch, wenn es ein wenig altmodisch daher kommt.
Liebe alte Privilegien
Stattdessen wirkt Österreich vielerorts erstarrt, liebevoll alte Privilegien streichelnd: etwa das Dieselprivileg für Bauern oder das Pendlerpauschale – oder auch Doppel- und Dreifachgleisigkeiten in der Verwaltung. Deshalb auch ist Marterbauer, trotz guter Rede, nicht zwangsläufig ein gutes Doppelbudget gelungen. Weil man sich zuvor politisch nicht einigen konnte, was eigentlich das Ziel dieser Dreierkoalition und ihr inhaltlicher Schwerpunkt sein sollte, hat man am Ende allen ein bisschen wehgetan. Das ergibt dann etwa ein wenig Unterstützung für klimafreundliche Investitionen, aber auch immer noch ziemlich viel Steuerbegünstigung für klimaschädliches Verhalten. Ein bisserl hier, ein bisserl da. Besser wäre gewesen, gezielt dort einzusparen, wo der Staat künftig nicht mehr unterstützen will.
Dabei sagte es der Finanzminister selbst in seiner Rede: "Ich hätte gerne mehr gemacht." Schade drum. (Petra Stuiber, 13.6.2026)
Die Kommentare im Forum geben nicht notwendigerweise die Meinung der Redaktion wieder.
Die Redaktion behält sich vor, Kommentare, welche straf- oder zivilrechtliche Normen verletzen,
den guten Sitten widersprechen oder sonst dem Ansehen des Mediums zuwiderlaufen
( siehe ausführliche Forenregeln ),
zu entfernen. Benutzer:innen können diesfalls keine Ansprüche stellen.
Weiters behält sich die STANDARD Verlagsgesellschaft m.b.H. vor, Schadenersatzansprüche
geltend zu machen und strafrechtlich relevante Tatbestände zur Anzeige zu bringen.
Read the full article at Der Standard →📄Source document: Budget Speech by Finance Minister Markus Marterbauer
4 reports
Der StandardIndependentLean Left8 days ago Good speech, not good enough: Why it's a pity that Marterbauer didn't succeed anymoreFinanzminister Markus Marterbauer delivered a well-reasoned speech in the National Council defending his budget proposal, which included recognition of the European-style social state. However, the article criticizes the lack of clear political direction and reform measures in the budget. The author notes that while Marterbauer's support for the social state is not surprising given his political affiliation, it is significant that he publicly defended it in the face of ongoing criticism from other parties.
Bias read (Lean Left): The article presents a balanced analysis of Marterbauer's budget speech, acknowledging its strengths while critiquing its lack of reform measures. It does not exhibit overt bias, loaded language, or one-sided sourcing. The framing is neutral, focusing on the content and implications of the speech without taking a clear political stance.
Official sources cited
- government Budget Speech by Finance Minister Markus Marterbauer
Kleine ZeitungParty-alignedCenter10 days ago Minister of Finance Marterbauer on the budget in ZiB2: Yes, this is a disastrous legacyAustrian Finance Minister Reinhold Lopatka (Maraterbauer) criticized the inherited budget situation during an interview with ZiB2, calling it 'a disastrous legacy.'
Bias read (Center): The article presents a direct quote from the Finance Minister without additional commentary or framing that would indicate a particular ideological slant. The minister's statement is reported factually.
Official sources cited
- press release Finanzminister Marterbauer zum Budget in der ZiB2: „Ja, das ist ein desaströses Erbe“
ORF NewsState / PublicCenter11 days ago Minister of Finance Markus Marterbauer is a guestAustrian Finance Minister Markus Marterbauer of the Social Democratic Party (SPÖ) delivered his budget speech in the National Council today, outlining spending plans for the next two years. Economic experts have mixed reactions to the proposed budget. Marterbauer will discuss the double budget for 2027/28 in the studio.
Bias read (Center): The article presents factual information about the finance minister delivering a budget speech without overtly biased language or framing. It mentions mixed expert reactions but does not take a stance or emphasize any particular viewpoint.
Official sources cited
- government Finanzminister Markus Marterbauer
KurierIndependentCenter13 days ago Budgetary discussionsThe article discusses Finance Minister Markus Marterbauer's upcoming budget speech in parliament, noting that it has already been prepared and will last approximately 80 minutes. The minister wrote the speech himself, which suggests that this is not a common practice. Other ministers have tried to convince him to cut spending in areas other than their own portfolios. The article also humorously compares the situation to household budgeting, where families must reduce expenses without increasing income.
Bias read (Center): The article provides a balanced view of the budget process, highlighting both the political dynamics among ministers and the personal experience of citizens managing budgets. There is no overtly biased language, one-sided sourcing, or editorializing that would indicate a clear ideological lean.