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Bei Strom und Gas lässt sich viel sparen, doch kaum jemand wechselt den Anbieter – warum?
Laut einer Umfrage fühlt sich die Hälfte der Österreicher von den Energiekosten belastet. An Sparpotenzial bei einem Lieferantenwechsel glauben viele aber nicht
Nicolas Dworak
Die aktuellen Neukundenangebote weichen stark voneinander ab. Wer den günstigsten Anbieter wählt, kann sich mehrere hundert Euro jährlich sparen.
Die Inflation steigt wieder stetig. Regierung und Bevölkerung greifen zum Sparstift. Und auch wenn Strom und Gas zuletzt nicht die großen Preistreiber waren: Für viele bleibt die monatliche Energierechnung eine Belastung. Umso erstaunlicher ist es, dass sich nur wenige Österreicherinnen und Österreicher die Mühe machen, den Anbieter zu wechseln.
Laut einer Umfrage von Marketagent im Auftrag der Vergleichsplattform "tarife.at" fühlen sich 53 Prozent der 1000 Befragten von den Energiekosten belastet. Tatsächlich tätig wurden aber nur die wenigsten. Die Wechselrate lag laut der Regulierungsbehörde E-Control im Vorjahr bei 6,3 Prozent bei Gas und 5,4 Prozent bei Strom. Der Anteil der Wechselwilligen stieg zuletzt zwar stetig, bleibt aber auf niedrigem Niveau – auch im Vergleich mit anderen EU-Staaten.
Dabei ließe sich reichlich Geld sparen, zeigt die Vergleichsplattform auf. Bei einem typischen jährlichen Stromverbrauch von 3500 Kilowattstunden könne man inklusive Neukundenrabatt bis zu 500 Euro sparen. Bei Gas sei aktuell eine Ersparnis von bis zu 700 Euro bei 12.000 kWh pro Jahr möglich.
Zu geringe Ersparnis?
Wieso wird trotzdem nicht gewechselt? Laut dem Umfrageergebnis haben sich 22,5 Prozent noch nie mit einem Anbieterwechsel beschäftigt. Weitere 23,5 Prozent der Befragten schätzen, dass die Ersparnis zu gering ist, als dass sich ein Wechsel auszahlen würde.
Das mag auch daran liegen, dass 56 Prozent ihrem derzeitigen Stromanbieter ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis attestieren. Das geht aus einer weiteren Umfrage hervor, die vom Gallup-Institut für den Interessenvertreter Oesterreichs Energie durchgeführt wurde. Befragt wurden ebenfalls 1000 Menschen in Österreich. Nichts ist den Befragten demnach wichtiger als ein niedriger Preis. Verständliche Rechnungen, Klimaschutz – und ja, auch ein einfacher Lieferantenwechsel – sind diesem Ziel deutlich untergeordnet.
"Das Sparpotenzial ist real. Trotzdem glauben viele Menschen noch immer, ein Wechsel lohne sich nicht oder sei mit großem Aufwand verbunden", konstatiert tarife.at-Geschäftsführer Michael Kreil.
Zuspruch für Ökostrom
Eine weitere Erkenntnis der alljährlichen Befragung von Oesterreichs Energie: So viele Menschen wie nie zuvor, nämlich 57 Prozent, sind der Meinung, dass das Stromnetz ausgebaut werden muss. Auch die Zahl jener, die der Überzeugung sind, dass die Stromerzeugungskapazitäten erweitert werden sollten, befindet sich auf dem Höchststand seit Beginn der Energiepreiskrise 2022 infolge des russischen Einmarschs in die Ukraine.
Ob dafür Windparks errichtet, PV-Module installiert oder Wasserkraftwerke ausgebaut werden sollen, da scheiden sich die Geister. Am unbeliebtesten sind Gaskraftwerke, für die sich nur ein Fünftel der Befragten vorrangig ausspricht. Den größten Zuspruch als Treiber der Energiewende erhält die Wasserkraft, gefolgt von Photovoltaik, Erdwärme und Geothermie. Windkraftwerke bleiben im Mittelfeld, wenngleich sich im Vergleich zur vorjährigen Befragungswelle mehr Menschen für einen Ausbau aussprechen. (Nicolas Dworak, 17.6.2026)
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