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GermanyCulture8 days ago

Exhibitions on sick beds: living in the horizontal

An exhibition in Berlin explores the theme of life in a horizontal position, focusing on hospital beds and their impact on perception and worldview.

Wenn das Krankenbett zum Zentrum der Existenz wird, verändert das auch Wahrnehmung und Weltbezug. Davon erzählt in Berlin eine Ausstellung.

Vielleicht würde man nicht gleich darauf kommen, aber die US-amerikanische Dichterin Anne Boyer hat gute Gründe zu behaupten, dass es kein tragischeres Möbelstück gebe als das Bett. Sie schreibt das in ihrem Buch „Die Unsterblichen“ (im Original „The Undying“) und führt als Begründung sogleich aus, wie es sich wandelt, wenn die Person erkrankt, die sich darin bettet: „Wie leichthin es stürzt – von dem Ort, an dem wir Liebe machen, zu dem anderen Ort, an dem wir vielleicht sterben. Und von dem Ort, an dem wir schlafen, zu dem Ort, an dem wir irrewerden.“

Boyer, die für „Die Unsterblichen“ 2020 mit dem Pulitzerpreis ausgezeichnet wurde, berichtet in ihrem Buch vom Leben im US-amerikanischen Gesundheitssystem mit einer hochaggressiven Brustkrebserkrankung und ihrem Überleben. Sie schildert die Folgen ihrer Diagnose und ihrer Therapie, es ist ein so persönliches wie hochpolitisches Buch. Das eben auch davon handelt, wie sich urplötzlich alles verschiebt, wenn das Bett zum Lebensmittelpunkt wird, wenn sich die Körperhaltung von der Vertikalen in die Horizontale verlagert.

Für das, was Boyer mit Worten beschreibt, sucht die neue Wechselausstellung im Berliner Medizinhistorischen Museum nach Bildern und Belegen. „Horizontal“, kuratiert von Museumsdirektorin Monika Ankele, widmet sich dem Mikrokosmos Krankenbett in Länge und Breite. Die Schau bietet einen Abriss der Geschichte des Objekts – schließlich ist die Aufbereitung von Medizingeschichte zentrale Aufgabe des Museums, das sich auf dem Gelände der Charité befindet.

Die Ausstellungen

„Horizontal. Das Krankenbett und die Welt im Liegen“. Berliner Medizin­historisches Museum, bis 2. Mai 2027

„Kunst im Westend“. DRK Kliniken Berlin Westend

Es geht um seine Entwicklung seit der Gründung allgemeiner Krankenhäuser im 18. Jahrhundert, um die „Geburt des Klinikbetts“, frei nach Foucault, samt seiner horizontalen Ordnung, der man liegend ausgeliefert ist.

Normierung des Möbels

Überaus erhellend ist, was man da so erfahren kann über die Normierung des Möbels und seiner Ausstattung, darüber, wie sich mit dem Krankenbett auch die medizinische Ausbildung veränderte, über die therapeutische Bedeutung des Liegens ab dem späten 19. Jahrhundert. Für Letzteres steht stellvertretend eine „Davoser Liege“ im Raum, wie sie der deutsche Lungenfacharzt Peter Dettweiler für an Tuberkulose Erkrankte entwickelte, eine Leihgabe aus dem Germanischen Museum und zentrales Requisit des von Thomas Mann im „Zauberberg“ verklärten Lebens „auf horizontale Art“.

Wie das dauerhafte Liegen, nicht nur auf dem „Zauberberg“, eine Veränderung der Wahrnehmung, des Weltbezugs und der sozialen Beziehungen mit sich bringt, zieht sich als Fragestellung durch. Sich beim Besuch Zeit zu lassen, empfiehlt sich, dann treten Details hervor, die schon in der Architektur der Ausstellung – die Gestaltung stammt von der Künstlerin Kathrin Mayer – angelegt sind. Sie ahmt die Blickrichtungen nach, die man einnimmt, wenn man aus dem Bett heraus- oder ins Bett herabschaut. Um die Tafeln lesen zu können, muss man den Kopf regelmäßig heben oder senken, so, wie die Patient:innen auf Ärzt:innen und Pflegepersonal blicken und umgekehrt.

Überhaupt das Schauen vom Bett aus, für das man beim Kranksein so viel Zeit hat: aus dem Fenster, an die Decke, in den Raum. Auf Kunst vielleicht auch. Von Kunst im Bett berichten in der Ausstellung Künstler:innen, die ihre chronische Erkrankung künstlerisch verarbeiten. Fürs Kunstmachen ist das Im-Bett-Liegen eine Herausforderung – abgebildete Spezialkonstruktionen, mittels derer Frida Kahlo weiterarbeitete, zeugen davon.

Angenehmeres gibt es, mit dem man sich beschäftigen kann, als die eigene Verwundbarkeit. Dennoch nehmen sich Gegenwartsliteratur und Kunst, wo care sich schon seit Längerem als Buzzword vordrängt, häufiger als zuvor des Themas an. Seltener zwar widmet man sich dabei so konkret Krankheiten wie kürzlich in Berlin mit „Sick Days“, einer weiteren kleinen, aber sehr feinen Gruppenausstellung der beiden jungen Kurator:innen Philipp Lange und Sophia Yvette Scherer im Projektraum Studio Hannibal, aber es tut sich etwas.

Chronisch Kranke werden lauter

Vielleicht liegt es an der alternden Gesellschaft oder an lauter werdenden chronisch Kranken oder an der Erkenntnis, dass es – wie es Lange und Scherer im Vorwort der Publikation zu „Sick Days“ schreiben – das ist, was menschliche Körper gemein haben: „die Vergänglichkeit und das Potential einer Erkrankung“.

Nicht zuletzt hat Covid den Blick auf Krankheit nachhaltig verändert. Und Long Covid. Ivna Žic, die selbst daran erkrankt ist, setzt sich in ihrem literarischen Essay „Die Unversehrten“, der gerade mit dem Wortmeldungen-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, mit ihrer chronischen Erschöpfung auseinander.

Eindrücklich beschreibt sie auch ihr Bett, wie es sich Platz verschafft, mit ein…

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taz – die tageszeitungIndependentCenter8 days ago
Exhibitions on sick beds: living in the horizontal

An exhibition in Berlin explores the theme of life in a horizontal position, focusing on hospital beds and their impact on perception and worldview.

Bias read (Center): The article discusses an art exhibition focused on cultural and philosophical themes related to hospital beds. The subject matter is not politically charged, and there is no evident framing or slant in the summary provided.