Alt und kalt
Auf dem rosafarbenen Planeten GJ504 bedecken Salzwolken den Himmel
Der vor 15 Jahren entdeckte ungewöhnliche Sternbegleiter gab der Wissenschaft bisher Rätsel auf. Einige konnte das Webb-Teleskop nun lösen
Reinhard Kleindl
Eine künstlerische Darstellung des rätselhaften pinken Himmelskörpers GJ504b.
In den Tiefen des Alls gibt es so manche Kuriosität, die ihre Geheimnisse nur nach und nach enthüllt. Als das Subaru-Teleskop auf dem Gipfel des hawaiianischen Vulkans Mauna Kea im Jahr 2011 nahe dem sonnenähnlichen Stern Gliese 504 einen auffälligen Lichtpunkt aufzeichnete, lag die Vermutung nahe, dass es sich um einen Planeten handeln könnte. 2012 konnte bestätigt werden, dass sich der Punkt tatsächlich bewegte, wie es sich für einen Planeten gehört.
Schon bald zeigte sich aber, dass das Objekt höchst ungewöhnlich ist. Seine Temperatur beträgt rund 240 Grad Celsius, was uns Erdenmenschen viel vorkommen mag, aber für einen direkt abgebildeten Planeten extrem niedrig ist – sofern es sich denn um einen Planeten handelt. Das Objekt ist zwar nur geringfügig größer als der Jupiter, ähnelt aber sonst eher einem zu klein geratenen Stern, einem sogenannten Braunen Zwerg.
Wolken aus Salz
Der Begriff "Brauner Zwerg" ist dabei irreführend, denn GJ504b, wie das Objekt genannt wird, ist nicht braun, sondern rosa gefärbt. Forschende waren neugierig, wie die Atmosphäre von GJ504b zusammengesetzt ist, doch trotz verschiedener Versuche gelang es nicht, das Lichtspektrum – also die genaue Farbzusammensetzung – aufzulösen. Es würde Aufschluss über die chemischen Elemente geben, die das Licht reflektieren oder aussenden. Obwohl GJ504b mit 57 Lichtjahren Entfernung sehr nahe liegt, war das Signal einfach zu schwach.
Es brauchte ein Teleskop außerhalb der Erdatmosphäre, um das Problem zu lösen. Das James-Webb-Weltraumteleskop lieferte die ersehnten Daten und offenbarte Überraschendes, wie eine neue Studie im Fachblatt The Astronomical Journal berichtet. Das von Webb ermittelte Spektrum verriet, dass die Atmosphäre von GJ504b unter anderem Wasserdampf, Methan, Kohlendioxid und Ammoniak enthält. Es gibt auch Anzeichen für einen ungewöhnlich hohen Anteil an Metallen.
Doch manche der Daten ergaben keinen rechten Sinn. Es musste ein weiteres Element geben. "Wir haben Simulationen mit Wolken durchgeführt", sagt Studienautor Aneesh Baburaj von der US-amerikanischen Northwestern University. Plötzlich stimmten die Ergebnisse mit dem überein, was man über kalte Planeten weiß. "Wir haben drei verschiedene Wolkentypen ausprobiert, und Salzwolken passten am besten." Es sei das erste Mal, dass Salzwolken in einem Modell so wichtig sind, betont der Forscher.
Auch das Alter des Objekts konnte abgeschätzt werden. Seine geringe Temperatur deutet auf ein vergleichsweise hohes Alter hin, laut der neuen Studie sind es 2,5 bis 4 Milliarden Jahre. Wie es sich gebildet hat, ist weiterhin unklar. Seine Vorgeschichte könnte der eines Planeten oder der eines Sterns ähneln.
Weltraumteleskop
Das neue Ergebnis unterstreicht wieder die große Bedeutung des Webb-Teleskops für die Astrophysik. "Früher haben andere Astronomen den Begleiter eine ganze Nacht lang mit einigen der größten Teleskope der Welt beobachtet, um ein Spektrum zu erhalten", sagt Baburaj. "Mit dem James-Webb-Weltraumteleskop dauerte unsere gesamte Beobachtung etwa zwei Stunden." Baburaj hofft, dass dieser Erfolg hilft, auch mehr über andere kalte Planeten herauszufinden. (Reinhard Kleindl, 18.6.2026)
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