Wie ernst die Besatzer den Treibstoffmangel auf der Krim nehmen, zeigt ein kürzlich bekanntgewordener Vorfall aus der Stadt Kertsch. Sie liegt im Osten der 2014 von Moskau annektierten ukrainischen Halbinsel. Hier kommt an, wer über die Straßen- und Schienenbrücke aus Russland die Krim ansteuert.
Ein Mann überholt einen Tanklaster, dessen Tank unter einem Balkenaufbau versteckt ist. Er hält an und filmt für seinen Freund „Wowa“ eine „exklusive Sache“, wie er belustigt kommentiert: einen „Militärtanklaster“, den „die Clowns“ so „getarnt“ hätten. Noch am selben Tag wird der Mann von Sicherheitskräften festgenommen und zu Boden gepresst. Mit lädiertem Gesicht gibt er in eine Kamera zu, das Video einem Freund im Ausland geschickt zu haben – von wo aus es sich in ukrainischen Telegram-Kanälen verbreitete.
„Der Übeltäter hat dem Feind Taktiken und Methoden offenbart, die vom Verteidigungsministerium, von den unerschrockenen Bewohnern der Heldenstädte Kertsch und Sewastopol und von der gesamten Krimhalbinsel angewendet werden, die zum Schutz der Bevölkerung gegen die Versuche des Feindes aufgestanden sind, eine Treibstoffblockade zu errichten“, teilten die Besatzer in neosowjetischem Jargon mit.
Der „Feind“ sind die Ukrainer. Gefürchtet sind insbesondere deren Hornet-Drohnen, die seit Anfang Mai maßgeblich dazu beitragen, die Versorgung der besetzten süd- und ostukrainischen Gebiete und vor allem der Krim zu erschweren. Ein Unternehmen des früheren Google-Vorstandsvorsitzenden Eric Schmidt hat die Drohnen entwickelt, sie machen Ziele mithilfe von Künstlicher Intelligenz ausfindig und sollen eine Reichweite von 150 Kilometern haben. Maskeraden wie die von Kertsch dienen dazu, die Fahrzeuge und ihre Fahrer davor zu bewahren, in das Raster des auf russische Militärfahrzeuge und Tanklaster trainierten Algorithmus zu fallen.
Militärfahrzeuge, zivil getarnt
So groß sind die Schwierigkeiten der Invasoren auch in anderen besetzten Gebieten, dass Russlands Kriegsblogger seit Wochen über das Für und Wider der offenbar schon verbreiteten Praxis diskutieren, Personal und Fahrzeuge des Militärs zivil zu tarnen. Völkerrechtliche Fragen (Kombattanten in internationalen bewaffneten Konflikten müssen ein von Weitem erkennbares Zeichen tragen, darüber hinaus sind die Kennzeichnungspflichten begrenzt) spielen dabei charakteristischerweise keine Rolle. Sehr wohl aber das Risiko, dass die Drohnen zivile Fahrzeuge ansteuern könnten, wenn das Militär systematisch darauf setzt.
Mittlerweile sollen die Ukrainer alle Brücken, welche die Krim nach Norden hin mit dem besetzten Teil des Chersoner Gebiets verbinden, mindestens beschädigt haben. Sie wollen den „logistischen Lockdown“ der Besatzer. Auf der Krim bilden sich lange Schlangen vor Tankstellen, viele geben nur gegen Bezugsscheine oder QR-Codes Treibstoff aus. Zudem traf in der Nacht auf Samstag ein Drohnengroßangriff ein Chemiewerk in Armjansk im Nordwesten der Halbinsel, das nach ukrainischen Angaben kriegswichtige Bestandteile von Munition und Raketentreibstoff herstellt.
Auch in Russland beschädigen ukrainische Drohnen und Marschflugkörper Raffinerien, Chemiefabriken, Rüstungswerke. In mehreren Regionen gelten mittlerweile Höchstabgabemengen von Treibstoff. Sie variieren je nach Tankstellenbetreiber und richten sich offiziell gegen Panikkäufe. So in der ölreichen Teilrepublik Tatarstan. Dort dürfen Tankstellen der Kette Tatneft derzeit nur höchstens 20 Liter Benzin und 40 Liter Dieselkraftstoff je Auto verkaufen, für Lastwagen bis zu 200 Liter Diesel. Die Regionalregierung teilte am Samstag mit, die Obergrenzen dienten dazu, einen „künstlichen Ansturm“ zu vermeiden. Tags zuvor hatten ukrainische Drohnen zwei Raffinerien in der Stadt Nischnekamsk getroffen.
Putin kündigt noch heftigere Gegenschläge an
Schon 2025 war in Russland auch infolge ukrainischer Drohnenangriffe der Treibstoff knapp geworden , aber erst im Spätsommer, wenn der Bedarf in der Ernte- und Urlaubssaison am höchsten ist. Jetzt beginnt die Knappheit früher. Es gelten Treibstoffexportverbote, erstmals auch für Kerosin. Laut der amerikanischen Nachrichtenagentur Bloomberg hat die Ukraine im Mai acht von zehn der führenden russischen Raffinerien angegriffen, manche davon wie Werke in Jaroslawl, Nischnij Nowgorod und Perm mehrfach. Im Mai seien 13 Prozent weniger Rohöl verarbeitet worden als im Vorjahresmonat.
Im Herbst 2022 hatte Russland mit systematischen Schlägen gegen die ukrainische Energieinfrastruktur begonnen und diese im vergangenen Winter noch ausgeweitet, um die Ukrainer auch durch Kälte zu zermürben. Jetzt dienen die ukrainischen Gegenangriffe auf russische Anlagen nicht allein dazu, Moskaus kriegswichtige Einnahmen aus dem Ölverkauf zu verringern . Sie sollen auch den Druck auf Wladimir Putin erhöhen, wenigstens einer Waffenruhe für die Energieinfrastruktur zuzustimmen.
Aber als der russische Herrscher zum „Tag Russlands“ am Freitag Frontsoldaten im Kreml empfing, eine symbolträchtige Premiere zu dies…
Read the full article at Frankfurter Allgemeine (FAZ) →📄Source document: Statement by Russian authorities regarding the incident in Kertsch
3 reports
Focus OnlineParty-alignedCenter4 days ago Drones target Russian chemical giants: Crimean 'Titan' has to stop production after 23 hitsThe article reports that drones have targeted a major Russian chemical company known as the 'Titan of Crimea,' forcing it to halt production after sustaining 23 hits.
Bias read (Center): The article presents a factual report without overtly biased language or framing. It focuses on the impact of drone attacks on a specific industrial target without taking a stance on the geopolitical implications or assigning blame.
Frankfurter Allgemeine (FAZ)Independent🔒Right5 days ago Drone attacks: they hit refineries, chemical plants, weapons factoriesThe article discusses recent drone attacks targeting refineries, chemical plants, and arms factories on the Crimean Peninsula, which has been under Russian occupation since 2014. It describes an incident in Kertsch where a man filmed a camouflaged military fuel truck and shared it with a friend abroad, leading to his arrest by Russian forces. The article highlights the use of Ukrainian Hornet drones in disrupting Russian supply lines and mentions the Russian authorities' response using neo-Soviet rhetoric.
Bias read (Right): The article uses terms like 'Besatzer' (occupiers), 'Feind' (enemy), and 'Clowns' to refer to Ukrainian forces, which frames Russia as the legitimate authority defending against aggression. The narrative emphasizes Russian actions as protective measures and portrays Ukraine’s tactics as threats to '
Official sources cited
- government Statement by Russian authorities regarding the incident in Kertsch
Focus OnlineParty-alignedCenter5 days ago Drones targeting Putin's chemists: Titan of Crimea must stop production after 23 hitsThe article reports that drones have targeted a major chemical plant in Crimea, known as the 'Titan of Crimea,' which has been forced to halt production after sustaining 23 hits.
Bias read (Center): The article presents factual information without overtly biased language or framing. It focuses on the impact of drone attacks on an industrial facility without taking a stance on geopolitical issues or attributing blame.