In Deutschland stehen Familien ohne cisgender Mann nach Ansicht von Aktivisten und Rechtsexperten erheblichen rechtlichen Hürden gegenüber, um die doppelte elterliche Anerkennung für ihre Kinder von Geburt an zu sichern. Das Thema hat nach dem jüngsten öffentlichen Diskurs über Adoptionsrechte und Familienrecht eine erneute Debatte ausgelöst, wobei Kritiker argumentieren, dass die derzeitigen Vorschriften eine systematische Diskriminierung von lesbischen und nicht-binären Paaren schaffen. Trotz jahrelanger Befürwortung besteht der politische Widerstand, insbesondere innerhalb der regierenden Koalition. Die Kontroverse tauchte vor drei Wochen erneut auf, nachdem Bilder von Gesundheitsminister Jens Spahn mit seinem Partner und einem Kinderwagen einen politischen Feuersturm entfachten.
Die Rechtsanwältin für Familienrecht Lucy Chebout kritisierte die Situation in den sozialen Medien und stellte fest, dass Spahns Beziehung von Anfang an als eine Familie mit zwei Vätern anerkannt wurde, eine ähnliche Anerkennung für Familien mit zwei Müttern jedoch im deutschen Recht fehlt. Diese Diskrepanz unterstreicht ein langjähriges Problem in den Elternschaftsgesetzen des Landes, die trotz anhaltendem Aktivismus weitgehend unverändert geblieben sind. Nach dem aktuellen deutschen Recht erhalten Kinder, die von verheirateten lesbischen oder nicht-binären Paaren durch Samenspende geboren werden, automatisch die gesetzliche Elternschaft nur für die Mutter, die sie zur Welt gebracht hat.
Im Gegensatz dazu gewähren heterosexuelle Paare dem Vater automatisch die gesetzliche Elternschaft, unabhängig von der biologischen Verbindung. Diese Ungleichheit schafft ein System, in dem einige Kinder sofort durch die gesetzlichen Rechte beider Elternteile geschützt werden, während andere zusätzliche rechtliche Schritte erfordern. Für homosexuelle männliche Paare sind die Optionen aufgrund des Verbotes der Leihmutterschaft in Deutschland unterschiedlich. Sie können entweder im Inland adoptieren oder im Ausland eine Leihmutterschaft suchen.
Ein homosexuelles Paar, das in den Vereinigten Staaten ein Kind durch Leihmutterschaft bekommen hat, wurde dort gesetzlich als Co-Eltern anerkannt, und diese Anerkennung wurde in Deutschland bestätigt. Das Gericht argumentierte, dass das Kind ein Recht auf zwei Elternteile hat und dass die Adoption keinen zusätzlichen Nutzen bieten würde. Ein anderes Szenario beinhaltet lesbische Paare, die eine Eizellspende im Ausland suchen, eine Praxis, die auch in Deutschland verboten ist. Bei der gegenseitigen Eizellspende trägt ein Partner das Kind, während der andere genetisches Material liefert. Allerdings wird nur die leibliche Mutter gesetzlich anerkannt, auch wenn der andere Partner genetisch verwandt ist.
Dies steht in scharfem Gegensatz zu den Entwicklungen bei den väterlichen Rechten, bei denen das Bundesverfassungsgericht 2024 die Fähigkeit der biologischen Väter, ihre legale Vaterschaft in Frage zu stellen, gestärkt hat. Ein entsprechendes Gesetz wurde 2026 vom Bundesparlament verabschiedet. Christina Klitzsch-Eulenburg, eine Anwältin und Gründerin der Organisation Nodoption, beschrieb das aktuelle System als eine Form der Bestrafung. Als sie und ihre Frau vor sechs Jahren ihr erstes Kind bekamen, mussten sie komplexe rechtliche Verfahren durchlaufen, um die volle elterliche Anerkennung zu erhalten. Sie betonte, dass es derzeit keinen Weg für lesbische oder nicht-binäre Paare gibt, um bei der Geburt eines Kindes eine sofortige rechtliche Elternschaft zu erreichen.
Rechtsexperten argumentieren, dass der bestehende Rahmen keinen gleichen Schutz für alle Kinder bietet, unabhängig von der Geschlechtsidentität oder sexuellen Orientierung ihrer Eltern. Während einige Fortschritte bei der Anerkennung der Rechte von biologischen Vätern erzielt wurden, bleiben ähnliche Fortschritte für Mütter in gleichgeschlechtlichen Beziehungen schwer fassbar. Aktivisten drängen weiterhin auf eine umfassende Reform und fordern die Gesetzgeber auf, diese Unterschiede zu beseitigen und sicherzustellen, dass alle Kinder gleichberechtigt Zugang zur rechtlichen elterlichen Anerkennung von Geburt an haben.
Da rechtliche Herausforderungen bestehen bleiben, konzentrieren sich Anwälte weiterhin darauf, die Gleichheit der elterlichen Anerkennung für alle Familien zu erreichen, unabhängig von der Zusammensetzung.
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