Eine kürzlich durchgeführte Studie unter der Leitung von Ziliang Xiong und Konstantina Kilteni vom Donders-Institut der Radboud-Universität in Zusammenarbeit mit dem Karolinska Institutet hat ergeben, dass Menschen mit unterschiedlichem kulturellem Hintergrund bemerkenswert ähnliche Erfahrungen mit Kitzeln haben.
Teilnehmer aus allen drei kulturellen Gruppen berichteten, dass sie vor allem durch Interaktionen mit Familienmitgliedern oder engen Freunden kitzeln. Über 95% der Befragten hatten entweder jemanden kitzeln lassen oder selbst kitzeln lassen, was darauf hindeutet, dass Kitzeln ein weithin anerkanntes und sozial eingebettetes Verhalten ist. Die Studie ergab auch, dass Kinder typischerweise von älteren Personen kitzelt werden, während Erwachsene häufiger von Gleichaltrigen kitzelt werden. Dies deutet darauf hin, dass sich die soziale Dynamik rund um das Kitzeln mit dem Alter entwickelt und sich verändernde Beziehungen und Rollen innerhalb von Gemeinschaften widerspiegelt. Trotz der Universalität des Kitzels variiert die emotionale Reaktion.
Während fast die Hälfte der Teilnehmer in der Kindheit berichtete, dass sie Spaß daran hatte, kitzelt zu werden, sank diese Zahl im Erwachsenenalter leicht auf etwa 35% zurück. Ein bemerkenswerter Teil der Befragten fand kitzeln unangenehm, und viele Erwachsene beschrieben ihre Erfahrungen als neutral. Diese Divergenz unterstreicht die Komplexität der menschlichen Wahrnehmung und Emotionen im Zusammenhang mit kitzeln.
Die Studie untersuchte auch die spezifischen Körperregionen, in denen sich die Menschen am meisten kitzlig fühlen. Die Teilnehmer wurden gebeten, Körperdiagramme zu färben, um ihre kitzligsten Bereiche zu identifizieren, was eine auffällige Konsistenz in allen drei kulturellen Gruppen ergab. Die Achseln, Fußsohlen, Bauch und Seiten des Rumpfes wurden konsequent als die kitzligsten Regionen markiert. Diese Ergebnisse stellen mehrere langjährige Theorien über Kitzligkeit in Frage. Zum Beispiel wurde der Glaube, dass dünne Haut zu Kitzligkeit beiträgt, widerlegt, da Bereiche mit dünnerer Haut, wie z. B. die Lippen und Augenlider, nicht häufig als kitzlig bezeichnet wurden.
Ebenso wurde die Vorstellung in Frage gestellt, dass Verletzlichkeit eine Schlüsselrolle beim Kitzeln spielt, da die kitzligsten Regionen nicht mit den verwundbarsten Teilen des Körpers übereinstimmen. Vergleiche mit Karten anderer Sinneserfahrungen wie Schmerz und angenehmer Berührung unterstrichen die Einzigartigkeit von Kitzeln weiter. Die Forscher fanden heraus, dass kitzlige Regionen nicht mit Bereichen mit hoher Empfindlichkeit gegenüber regelmäßiger Berührung oder mit denen, die typischerweise mit Vergnügen verbunden sind, übereinstimmen. Stattdessen deuten die Beweise auf Charles Darwins Hypothese hin, dass Körperteile, die weniger oft berührt werden, kitzliger werden können.
Xiong betonte jedoch, dass keine einzelne Theorie das Phänomen vollständig erklären könne, was darauf hindeutet, dass mehrere Faktoren, einschließlich sozialer, sensorischer und physiologischer Einflüsse, wahrscheinlich zum Kitzeln beitragen. Die Ergebnisse der Studie eröffnen neue Wege für die wissenschaftliche Untersuchung des Kitzels und bieten eine Grundlage für systematischere und standardisierte Forschung. Durch die Kartierung des Kitzels über Kulturen hinweg und die Untersuchung seiner psychologischen und physiologischen Dimensionen hoffen die Forscher, unser Verständnis dieser faszinierenden menschlichen Empfindung zu vertiefen.
Während das Feld weiterhin die Nuancen des Kitzelns erforscht, könnten zukünftige Studien die evolutionären und neurologischen Mechanismen beleuchten, die dieser universellen und dennoch rätselhaften Erfahrung zugrunde liegen.
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