Der Niedersächsische Datenschutzbeauftragte, Denis Lehmkemper, hat eine vorgeschlagene Änderung des Niedersächsischen Gesetzes über die öffentliche Sicherheit und Ordnung (NPOG) stark kritisiert. Der von der Landesregierung in Hannover vorgelegte Gesetzentwurf zielt darauf ab, die Befugnisse der Polizei durch neue Überwachungsinstrumente, einschließlich künstlicher Intelligenz und biometrischer Technologien, zu erweitern. In seinem Anfang 2025 veröffentlichten Jahresbericht warnte Lehmkemper vor erheblichen Verstößen gegen Grundrechte und betonte die Notwendigkeit einer strengeren Aufsicht.
Die vorgeschlagenen Änderungen umfassen Bestimmungen für "intelligente" Videoüberwachung, Echtzeit-biometrische Identifizierung in öffentlichen Räumen und Post-hoc-Daten, die mit öffentlich verfügbaren Internetinformationen übereinstimmen. Die Gesetzgebung zielt auch darauf ab, Rechtsgrundlagen für die automatisierte Datenanalyse zu schaffen, die Nutzung von Drohnen durch die Polizei zu erweitern und die Verwendung elektronischer Knöchelarmbänder bei häuslicher Gewalt zu erweitern. Diese Maßnahmen werden von der Regierung als notwendig begründet, da sie aufgrund des raschen technologischen Fortschritts und der sich entwickelnden Bedrohungsszenarien erforderlich sind. Kritiker argumentieren jedoch, dass sie eine erhebliche Ausweitung der staatlichen Kontrolle über personenbezogene Daten und Privatsphäre darstellen.
Lehmkemper's offizielle Haltung, die in seinem Bericht skizziert ist, hebt mehrere wichtige Einwände hervor. Er äußerte besondere Besorgnis über den Umfang der Videoüberwachung und argumentierte, dass die aktuellen Anforderungen angesichts der potenziellen Auswirkungen auf die Privatsphäre der Einzelpersonen unzureichend sind. In Bezug auf die Echtzeit-biometrische Identifizierung hielt er den Anwendungsbereich für zu weit gefasst und stellte die große Anzahl der betroffenen Personen und die große räumliche Reichweite einer solchen Technologie fest. Für die Post-hoc-Datenanpassung an Internetquellen wies er auf einen Mangel an klaren Richtlinien für die Verwendung von KI hin, was zu Verstößen gegen bestehende Vorschriften führen könnte.
Darüber hinaus stellte er fest, dass die beschriebenen Datenmengen zweideutig definiert sind, was weitere Bedenken hinsichtlich der Einhaltung der Datenschutzgesetze aufwirft. Das vorgeschlagene automatisierte Datenanalysesystem, das alle gespeicherten Polizeidaten auf einer Plattform zentralisieren würde, hat scharfe Kritik ausgelöst. Lehmkemper nannte dies einen Paradigmenwechsel in der Polizeiarbeit und warnte, dass es die Anforderung einer zweckspezifischen Datenspeicherung, ein Kernprinzip des deutschen Datenschutzrechts, beseitigen würde. Er betonte, dass das System nicht nur Daten im Zusammenhang mit Verdächtigen, sondern auch Informationen von Zeugen, Opfern und unschuldigen Zuschauern verarbeiten würde.
Dazu gehören Telekommunikationsdaten wie Anrufaufzeichnungen und Gesprächsinhalte, was ernsthafte ethische und rechtliche Fragen aufwirft. Das Fehlen klarer Grenzen für KI-Systeme verschärft diese Bedenken.
Trotz dieser Vorschläge ignorierte das Innenministerium sie weitgehend, was Lehmkemper veranlasste, seine Kritik während einer öffentlichen Anhörung im Februar 2025 im Innenkomitee des Landesparlaments zu erneuern. Seine Ergebnisse stimmen mit breiteren Bedenken überein, die von außerparlamentarischen Gruppen wie der NoNPOG-Allianz geäußert wurden, die sich seit langem gegen die geplanten Überwachungsmaßnahmen aussprach und den Mangel an Transparenz im Gesetzgebungsprozess kritisierte.
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