Am Sonntagabend zeigte das Salzburger Fest seine neueste Produktion von Elfriede Jelineks provokativem Stück Unter Tieren auf der Perner Inselbühne in Hallein. Die von Nicolas Stemann inszenierte, vierstündige Aufführung erregte große Aufmerksamkeit, insbesondere aufgrund ihrer unkonventionellen Struktur und der angeblichen Beteiligung des Tech-Milliardärs Peter Thiel. Das Stück, das als scharfe Kritik am Kapitalismus und der finanziellen Ausbeutung dient, wurde als eine weitläufige "Text-Happening" ohne geplante Pause präsentiert, obwohl Monitoren in Pausenbereichen Live-Aufnahmen während der optionalen Abfahrten des Publikums übertragen.
Dieses Format erinnert an die frühere Arbeit von Stemann an Jelinek's Die Kontrakte des Kaufmanns im Jahr 2009, in der ähnliche Dynamiken erforscht wurden. Die Produktion umfasst eine Besetzung, darunter Mavie Hörbiger, und enthält Elemente der Satire und Kommentare zu modernen Finanzen.
Das Stück selbst dreht sich um eine Kritik des globalen Finanzsystems, die Verbrechen wie Betrug, Geldwäsche, Steuerhinterziehung und den undurchsichtigen Kapitalfluss aufdeckt. Jelinek, bekannt für ihre unerschütterlichen Darstellungen von Machtstrukturen, verwendet die Metapher von Tieren wie Füchsen, Eseln, Kaninchen und sogar einem symbolischen "Lamm Gottes", um das menschliche Verhalten unter kapitalistischen Druck zu kommentieren. Die Erzählung entfaltet sich durch die Perspektiven dieser Kreaturen, die die von menschlicher Gier und technologischem Fortschritt verursachte Zerstörung beobachten und beklagen.
Die Inszenierung war ehrgeizig, mit einem großen Ensemble, das in aufwendigen Kostümen auftrat und Multimedia-Elemente verwendete, um das Theaterausleben zu verbessern. Dies führte zur Einführung eines Platzhalters, einer digitalen Darstellung von Thiel, die durch KI-Technologie erzeugt wurde. Die KI-Version antwortete höflich auf Fragen von Stemann und bot eine satirische Sicht auf den Einfluss der realen Figur auf die Finanzmärkte und die politische Landschaft. Die Produktion zeigte auch eine Reihe von Aufführungen, darunter ein Segment, in dem sich Schauspieler in fetten Anzügen durch das Publikum bewegten und sie direkt ansprach.
Ein weiteres Highlight war die Teilnahme einer Musikgruppe, des Oberalm-Orchesters, deren melancholischer Marsch den emotionalen Ton des Stücks unterstrich. Das Bühnenbild enthielt Verweise auf reale Skandale, wie das verlassene Luxus-Mall-Projekt in der Mariahilfer-Straße, das den Zusammenbruch spekulativer Investitionen symbolisiert. Die Themen des Stücks spiegeln stark zeitgenössische Themen wider und ziehen Parallelen zwischen fiktiven Szenarien und tatsächlichen Fällen von wirtschaftlichem Fehlverhalten. Jelinek's Text webt politische Theorie, historischen Kontext und beißenden Humor zusammen und schafft eine schichtweise Kritik an der modernen Gesellschaft.
Die Aufführung erhielt begeisterten Applaus und Standing Ovations als Debüt. Sie wird im August und Anfang September sowohl beim Salzburger Festival als auch später im Wiener Burgtheater inszeniert. Die Kontroverse um Thiels potenzielle Beteiligung hebt die Schnittstelle zwischen Hochkultur und Unternehmensmacht hervor und wirft Fragen darüber auf, wie öffentliche Institutionen mit privaten Interessen interagieren.
Während das Stück weiterhin auf Tournee ist, wird das Publikum weitere Möglichkeiten haben, sich mit seiner komplexen Erzählung und seinen Implikationen für das Verständnis der Kräfte, die moderne Volkswirtschaften antreiben, auseinanderzusetzen.
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