Eine französische digitale Gesundheitsplattform, Doctolib, hat Pläne angekündigt, Patientendaten, die über ihre Praxismanagementsoftware und personalisierte Gesundheitsdienste gesammelt wurden, ab September 2026 für Forschungs- und Künstliche Intelligenzprojekte zu verwenden. Die Initiative hat in Deutschland Diskussionen darüber ausgelöst, wie ähnliche Ansätze dort umgesetzt werden könnten, was Fragen nach dem Ausgleich von medizinischer Forschungsfreiheit mit Datenschutzansprüchen aufwirft. Laut Doctolib werden die vorgeschlagenen Forschungsprojekte ausschließlich Frankreich betreffen, und Patienten brauchen keine ausdrückliche Zustimmung zur Teilnahme, obwohl sie sich abmelden können.
Das Unternehmen, das zunächst als Buchungsportal bekannt wurde, hat seine Aktivitäten in Frankreich im Laufe der Jahre deutlich erweitert. Es bietet jetzt eine umfassende Palette von Tools an, darunter Terminplanung, Video-Beratungen, sichere Kommunikation, Praxismanagementfunktionen, medizinische Dokumentationsfunktionen und KI-gestützte Tools. Diese Erweiterung bedeutet, dass Doctolib tief in die täglichen Routinen von Gesundheitsdienstleistern und Patienten eingebettet ist. Infolgedessen wird die Frage, welche Daten für welche Zwecke verarbeitet werden können, zunehmend kritisch.
In Frankreich beinhaltet die Doctolib-Software eine medizinische Dossier-Funktion, die es Praktikern ermöglicht, Patienteninformationen in ihren Praxen zu dokumentieren. Dies unterscheidet sich zwar vom französischen staatlichen Mon espace santé-System, hebt jedoch hervor, wie sich Doctolib zu einer breiteren Gesundheitsplattform entwickelt hat. In Deutschland verfolgt das Unternehmen eine ähnliche Entwicklung und bietet sein eigenes Praxismanagementsystem mit KI-Fähigkeiten an. Obwohl dies keine gesetzlich vorgeschriebene elektronische Patientenakte (ePA) oder eine Doctolib-spezifische Patientenakte für versicherte Personen darstellt, bringt es den Anbieter näher an Kerndatenflüsse und Workflows in Arztpraxen.
Diese Nähe erfordert eine sorgfältige Berücksichtigung der Zweckbeschränkung, Datenminimierung und Zugriffskontrollen von Anfang an. Die geplanten Forschungsinitiativen des Unternehmens in Frankreich zielen darauf ab, zu untersuchen, wie KI helfen kann, Risiken basierend auf der Krankengeschichte vorherzusagen und Pflegewege zu koordinieren. Ein anderes Projekt konzentriert sich auf die Bewertung der Zuverlässigkeit von generativen KI-Modellen im medizinischen Bereich. Diese Bemühungen werden von Partnern wie Inria, Inserm und Paris Cité zusammen mit dem HeKA-Team unterstützt.
Das Unternehmen hat nicht spezifiziert, ob anonymisierte oder pseudonymisierte Daten verwendet werden, und hat auch nicht den genauen Umfang der Datenerhebung detailliert dargelegt, außer dass er erwachsene Patienten und Servicebenutzer einbeziehen wird. Dr. Anna Berry, eine juristische Forscherin am Deutschen Institut für öffentliche Verwaltung (FÖV), betonte, dass Doctolibs Rolle bei der Integration verschiedener Aspekte der Gesundheitsversorgung es zu einem Schlüsselspieler in der Datenverarbeitung macht, die ethischen und rechtlichen Implikationen jedoch sorgfältig berücksichtigt werden müssen.
Sie stellte fest, dass die Präsenz des Unternehmens sowohl in Frankreich als auch in Deutschland wichtige Fragen darüber aufwirft, wie sich Datenverwaltungsrahmen entwickeln sollten, um den technologischen Fortschritten gerecht zu werden, ohne die Privatsphäre der einzelnen zu beeinträchtigen.
Während das Unternehmen behauptet, dass Patienten das Recht auf Ablehnung haben, argumentieren Kritiker, dass dieser Ansatz möglicherweise nicht vollständig mit strengen Datenschutzstandards übereinstimmt, insbesondere in Ländern mit strengen Vorschriften wie der Europäischen Union. Da die Projekte im Jahr 2026 starten sollen, werden voraussichtlich weitere Details zu Datenverarbeitungsverfahren, Überwachungsmechanismen und möglichen Auswirkungen auf das Vertrauen der Patienten bekannt.
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